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Warum ein Bezahlversion von Facebook keine gute Idee ist

SCHNELL ERKLÄRTZuckerbergs Andeutungen  

Bezahlversion von Facebook hat nicht nur Vorteile

11.04.2018, 16:00 Uhr | dpa, hd

Warum ein Bezahlversion von Facebook keine gute Idee ist. Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg bei der Anhörung des Handels- und Justizkomitees: Kostet Facebook bald Gebühren? (Quelle: dpa/Andrew Harnik)

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg bei der Anhörung des Handels- und Justizkomitees: Kostet Facebook bald Gebühren? (Quelle: Andrew Harnik/dpa)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat erstmals signalisiert, dass das weltgrößte Online-Netzwerk nach dem Datenskandal eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte. Das wäre eine völlig neue Strategie des weltgrößten sozialen Netzwerkes.

"Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben", sagte Zuckerberg auf eine Frage bei einer Anhörung im US-Senat und deutete mit dieser Wortwahl auch Alternativen an.

Vor wenigen Tagen dachte schon Facebooks Top-Managerin Sheryl Sandberg im US-Fernsehsender "NBC" über Alternativen zum aktuellen Gratis-Konzept nach. Um auf die Weitergabe von Daten für personalisierte Werbung verzichten zu können, sei ein optionales Bezahlmodell eine mögliche Konsequenz, so Sandberg.

Somit ist erstmals eine 180-Grad-Wende bei Facebooks Strategie denkbar, die bisher lautete, den Zugang zum Netzwerk kostenfrei zu ermöglichen. So steht es auf der Anmeldeseite: "Facebook ist und bleibt kostenlos".

Gibt es soziale Netzwerke mit Bezahl-Modellen?

Ja, dieses "Freemium"-Modell (zusammengesetzt aus "Free" und "Premium" gibt es unter anderem bei dem Hamburger Jobnetzwerk "Xing", wo rund 15 Prozent der Nutzer einen kostenpflichtigen Premium-Zugang gebucht haben. Xing kostet zwischen acht und zehn Euro pro Monat. Ein ähnliches Modell gibt es auch bei dem deutschen Freunde-Netzwerk "StayFirends". Jakob Steinschaden von "TrendingTopics" hat ausgerechnet, dass es nur 1,33 Euro pro Monat und Nutzer kosten würde, um die Werbeeinnahmen zu ersetzen. Es gäbe bereits eine werbefreie Version von Facebook, die "Workplace by Facebook" heißt. Der Slack-Rivale richte sich an Firmen, die intern ein soziales Netz zur Kommunikation brauchen. Es  kostet drei Dollar pro Monat und Nutzer.

Wo liegt das Problem einer Pay-Version?

Die Gefahr besteht, dass die Nutzer der Gratis-Version verärgert werden, weil ihnen in "Facebook light" die wichtigsten Funktionen fehlen. Und trotzdem nicht bereit sind, auf eine "Facebook Premium"-Version zu wechseln, weil ihnen die Gebühren zu teuer sind. Die Idee mit der Bezahlversion 

Ist Facebook glaubwürdig?

Facebook hat zwar durch den Datenskandal sehr viel an Glaubwürdigkeit verloren, viel zu spät reagiert und nur unter großem Zwang agiert. Das Vertrauen der Nutzer erschüttert dies aber offenbar nicht: In einer repräsentativen Umfrage von Civey und t-online.de nach dem Datenskandal gaben fast 60 Prozent der Befragten an, Facebook weiter nutzen zu wollen. 33 Prozent der Deutschen wollen Facebook in Zukunft weniger oder gar nicht mehr nutzen. Von der Glaubwürdigkeit hängt sehr viel ab. Letztendlich muss der Nutzer Facebook glauben, dass seine Daten nicht missbraucht und er selbst nicht getrackt wird, egal, ob es kostenlos oder gebührenpflichtig ist. Sonst kassiert Facebook quasi doppelt, bekommt kostenlos Daten und die Gebühren der Nutzer.

Gibt es Alternativen zu Facebook?

Ja, aber auch diese gehören teilweise zu Zuckerbergs Milliardenkonzern. Zum Beispiel Instagram, das Netzwerk hat einen Schwerpunkt auf Fotos und Videoclips. Vor allem bei jüngeren Nutzern ist "Insta" sehr beliebt, die Facebook fast gar nicht benutzen. Ebenso WhatsApp, der weltweit meist genutzte Messenger. Immer wieder gibt es Vorwürfe, Facebook würde heimlich auf WhatsApp-Daten zugreifen, was zumindest in Deutschland verboten ist. Trotzdem taucht Werbung auf Facebook auf über Produkte, über die kurz zuvor auf WhatsApp gechattet wurde. Ein Zufall? 

Detailfragen soll später das Team beantworten

Auslöser für die insgesamt fünfstündige Anhörung mit dem ersten Auftritt Zuckerbergs im US-Kongress war der aktuelle Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica. Der 33-jährige Konzernchef gestand abermals schwere Fehler ein und versprach strikteren Datenschutz. Viele Detailfragen beantwortete er nicht direkt, sonder versprach, dass "sein Team" nachträglich Kontakt zu den Senatoren aufnehmen werde.

Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die betroffenen Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt. Es sei ein Fehler gewesen, die Nutzer nicht schon damals zu unterrichten und Cambridge Analytica nicht von der Plattform zu verbannen, sagte Zuckerberg.

Zuckerberg ist seit Tagen bemüht, die Situation zu entschärfen. In Blogeinträgen und einer Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er bereits Fehler ein. Zudem reduzierte Facebook den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und Nutzer bekamen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß der am 15. Mai in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung.

Und so geht es weiter

Am Mittwoch (ab 16 Uhr unserer Zeit) stellt sich Zuckerberg einer weiteren Kongress-Anhörung im Abgeordnetenhaus. Diesmal ist der Energie- und Wirtschaftsausschuss mit Fragen an der Reihe.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa

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