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Google Lens: Die Smartphone-Kamera wird zum Nachschlagewerk

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Google Lens  

Die Smartphone-Kamera wird zum Alleswisser

14.05.2018, 13:32 Uhr | Andrej Sokolow , dpa

Google Lens: Die Smartphone-Kamera wird zum Nachschlagewerk. Der Schriftzug "Google": Auf der Entwicklermesse des Tech-Unternehmens hat Google angekündigt, die Smartphone-Kamera zur neuen Suchmaschine ausbauen zu wollen. (Archivbild) (Quelle: dpa/Andrej Sokolow)

Der Schriftzug "Google": Auf der Entwicklermesse des Tech-Unternehmens hat Google angekündigt, die Smartphone-Kamera zur neuen Suchmaschine ausbauen zu wollen. (Archivbild) (Quelle: Andrej Sokolow/dpa)

Google will die Smartphone-Kamera zu einer Suchmaschine für die reale Welt machen. Künftig sollen Android-Handys beispielsweise Rezensionen anzeigen, wenn die Kamera ein Buch erkennt.

"Wir betrachten die Kamera als den neuen Browser, der die Umgebung mit einer smarten Schicht von Informationen versieht", sagte Google-Managerin Aparna Chennapragada am Rande der Entwicklerkonferenz Google I/O, die letzte Woche in Kalifornien stattfand. Deswegen sollen die Kameras der Android-Handys in Zukunft nicht nur Fotos machen, sondern die Nutzer auch gleich mit Informationen zu dem fotografierten Objekt versorgen.

Menschen nutzten die Smartphone-Kamera bereits für alles Mögliche – zum Abfotografieren von Rechnungen bis hin zu Fotos von Kleidung oder Büchern. "Es ist ein fundamentaler Wandel im Umgang mit Computern – anstatt zu versuchen, sich in Worten auszudrücken, lässt man direkt Bilder sprechen." Die heutigen Abläufe dabei seien aber nicht so effizient, wie  sie sein sollten – die Fotos verstaubten oft in den Geräten. "Was ist das für ein cooles Auto? Wo genau bin ich gerade?" – solche Fragen werde das Telefon direkt beantworten können, sagte Google-Manager Clay Bavor.

Der Internet-Konzern kündigte auf der Entwicklerkonferenz die Weiterentwicklung der Funktion Google Lens an. Sie blendet zusätzliche Informationen ins Kamerabild auf dem Bildschirm. Die neue Funktion ist jetzt auf etlichen Android-Smartphones verfügbar. Sie kann Text erfassen und erkennt zum Beispiel Hunderassen oder kann Rezensionen zu Büchern anzeigen. Außerdem können Google-Karten auf die Kamera zurückgreifen, um den genauen Standort des Nutzers anhand umliegender Gebäude zu ermitteln.

Das Problem: Nicht jede Information ist wichtig

Google habe zunächst einige sehr konkrete Anwendungen herausgesucht, um die Funktion zu etablieren, sagte Chennapragada. Eine Herausforderung dabei sei, relevante Informationen einzublenden. "Es ist nicht wirklich hilfreich, wenn man die Kamera auf etwas richtet und die Software sagt: Es ist eine Wasserflasche." Google löse dieses Problem so: Verschiedene spezialisierte Programme senden ihr Wissen über den Inhalt eines Bildes – und dann entscheidet ein übergeordnetes System, was davon für den Nutzer im Kontext der Situation wichtig sei, sagte Bavor.

Die Bilderkennung in Echtzeit sei eine große technische Herausforderung, betonte er. "Schon Spracherkennung ist schwer, obwohl wir nur wenige tausend Wörter verwenden – dagegen gibt es Hunderte Millionen verschiedener Objekte, die auch noch in unterschiedlichen Winkeln, Schatten oder halb verdeckt im Bild auftauchen können."

Auch Augemented Reality wird wichtig

Google hat in sein Android-System zusätzliche Schnittstellen für Entwickler eingebaut, mit denen zum Beispiel virtuelle Objekte einfacher in reale Umgebungen integriert werden können. Auch Apple setzt stark auf Anwendungen dieser Art auf Basis der sogenannten erweiterten Realität (Augmented Reality). Weitere Ankündigungen des iPhone-Konzerns dazu dürften Anfang Juni bei der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten sein.

Virtuelle Realität, bei der Nutzer mit Spezialbrillen in künstliche Welten eintauchen können, sehe Google als eine "auf Jahrzehnte angesetzte Wette", sagte Bavor. "Wenn wir uns Virtuelle Realität als ein Buch mit 20 Kapiteln vorstellen, sind wir vielleicht in Kapitel 2, 3 oder 4 – aber auf jeden Fall noch ganz am Anfang."

Alle in der Branche – Google inklusive – hätten unterschätzt, wie lange es dauern werde, die Grundlagen der Technologie hinzubekommen. "Die Technologie wird etwas mehr Zeit brauchen, um zu reifen – und das ist okay. Für mich ist nicht die Frage, ob VR kommt, sondern wann und wie genau der Weg dorthin führen wird."

Google VR-Brille hat starke Konkurrenz

Google setzte bei VR lange vor allem auf Brillengehäuse, in denen eingesteckte Smartphones als Bildschirm dienen. Bavor zeigte sich in den vergangenen Jahren davon überzeugt, dass das der Weg sein werde, auf dem die meisten Nutzer zunächst virtuelle Realität kennenlernen werden.

Der Plan ging bisher kaum auf und das Konzept steht unter zusätzlichem Druck, seit die Facebook-Firma Oculus jüngst mit der Oculus Go eine einfache Brille mit eingebautem Bildschirm auf den Markt brachte, die mit 219 Euro deutlich günstiger ist als bisherige vollwertige VR-Headsets. Oculus sei damit ein Durchbruch beim Preis gelungen, sagte Bavor.

Das ähnliche Gerät für Googles VR-Plattform Daydream, die Brille "Mirage Solo" von Lenovo, ist doppelt so teuer wie die Oculus Go, hat aber im Gegensatz dazu eine Kamera, um auch die Umgebung zu erfassen.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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