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Hate Speech: Das hilft gegen den Hass im Internet

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Das hilft gegen den Hass im Internet

24.10.2018, 09:00 Uhr | sth, t-online.de, Franzi von Kempis

Hate Speech: Das hilft gegen den Hass im Internet. Mehr Hass durch Anonymität: Im Internet sinkt die Hemmschwelle für negative Kommentare, wissen Forscher. (Symbolfoto) (Quelle: imago/Thomas Trutschel/photothek.net)

Mehr Hass durch Anonymität: Im Internet sinkt die Hemmschwelle für negative Kommentare, wissen Forscher. (Symbolfoto) (Quelle: Thomas Trutschel/photothek.net/imago)

Gegen Hasskommentare im Internet kann jeder etwas tun. Schon wer mitredet, gibt anderen das Gefühl, nicht alleine zu sein. Doch auch Selbstschutz spielt eine Rolle

"Du dumme Bio-Fotze", ruft ein Mann durch den Supermarkt. Die Beleidigung soll wohl einer Frau gelten, die Bioprodukte im Korb hat. Die Frau schaut irritiert, denn den Mann hat sie in ihrem Leben noch nie gesehen. Das klingt unrealistisch? Richtig, es ist ein erfundenes Beispiel. Es soll zeigen, in welche Situationen aktive Internetnutzer regelmäßig geraten. 

Die scheinbare Unsichtbarkeit im Netz enthemmt virtuelle Diskussionen maßgeblich, schreibt Ingrid Brodnig in ihrem Buch "Der unsichtbare Mensch". Manche Menschen tun, was sie sonst nie wagen würden. Und wer sich genau in dieser Welt für etwas Gutes einsetzt, landet schnell im Visier von "Trollen", "Hatern" und Extremisten. Deren Kommentare gehen dann oft über Beleidigungen hinaus, manche drohen sogar mit Mord oder Vergewaltigung.

Welche Folgen haben harsche Kommentare?

Das respektlose Gegeneinander im Internet sorgt immer wieder für Diskussionen – in der Politik und in der Gesellschaft. Manche fordern strengere Gesetze, andere fordern mehr Initiative der Bürger. In Deutschland wurde das Netzwerkdurchsetzungsgesetz eingeführt, um solche Kommentare in den Griff zu bekommen. Ob es die Probleme löst, ist umstritten. Fakt ist: Solche üblen Kommentare und Nachrichten können heftige Folgen haben.

Statue in Cottbus: Mit einer Mahnwache demonstrierte der Bildhauer Rainer Opolka gegen Gewalt und Hass. (Quelle: dpa)Statue in Cottbus: Mit einer Mahnwache demonstrierte der Bildhauer Rainer Opolka gegen Gewalt und Hass. (Quelle: dpa)

"Worte sind ein Mittel, um Menschen aus einer Gruppe auszugrenzen und psychischen Abstand zu erzeugen", erklärte Diplom-Psychologin Dorothee Scholz in einem Interview mit der Amadeu-Antonio-Stiftung. Das könne sogar dazu führen, dass manche Menschen den betroffenen Gruppen emotional die Menschlichkeit aberkennen. "Diese Entwertung ist sogar auf neuronaler Ebene nachweisbar: Derart reduzierte Menschen werden dann zum Teil in Regionen des Gehirns verarbeitet, die für Gegenstände zuständig sind. Damit ist auch die Fähigkeit zur Empathie stark verringert."

Über Sprache werde so ein Klima geschaffen, in dem die psychischen Hemmschwellen zur Gewaltausübung gegen bestimmte Personengruppen sinke. Während die Täter oft anonym bleiben und nicht verfolgt werden, werden teils sogar private Daten der Beschimpften gegen deren Willen im Internet verbreitet. Einige mögliche Folgen sind laut Scholz: Hilflosigkeit, Angst, Scham, starke Verunsicherung, sozialer Rückzug und körperliche Erkrankungen.

Doch wer so einen "Shitstorm" abbekommt, der muss ihn nicht kommentarlos hinnehmen. Kampagnen wie "No Hate Speech" der Neuen Deutschen Medienmacher klären darüber auf, was dagegen unternommen werden kann. In jedem Fall raten die Experten: Wer die Kraft hat, sollte mitdiskutieren. Darüber hinaus hat t-online.de einige Ratschläge gesammelt. 

Hass gegen Frauen: #JetztistSchluss

Fotze, Schlampe, Halt‘s Maul: Solche Sachen hören und lesen Frauen im Netz immer wieder. Viel von diesem Hass bleibt unwidersprochen. Damit ist jetzt Schluss: Kontern statt schweigen. Stimme erheben statt Mitlesen. Widersprechen statt Stehen lassen. Großer Dank an: Anja, Micha, Thomas, Julian, B.A., Laura, Jenna, Karsten, Inka, Shiaz, Julia & Carline Farah & Gülcan von Datteltäter, Eva Schulz, I'mJette, Die Klugscheisserin, Tariks Genderkrise, Tense Makes Sense

Gepostet von Die besorgte Bürgerin am Montag, 8. Mai 2017

Wenn es Sie betrifft

  • Selbstschutz geht vor: Zwingen Sie sich nicht, atmen Sie dreimal tief durch oder laufen Sie um den Block, bevor Sie antworten.
  • Fragen Sie jemanden, dem Sie vertrauen, ob er/sie die Kommentare eine Zeit übernehmen und scannen kann.
  • Unterschätzen Sie das Potential an Hass nicht, das Sie im Netz erwarten kann. Aber vergessen Sie deshalb nicht die, die unterstützend und positiv kommentieren.
  • Behalten Sie die Deutungshoheit über Ihren Inhalt, Ihre Meinung, Ihr Video oder den Tweet. Kommentiere Sie selbst und geben Sie den "Hatern" Kontra.
  • Schließen Sie sich mit anderen zusammen. Es hilft, nicht alleine zu sein, das gilt off- und online.
  • Melden Sie beleidigende Kommentare dem Seitenbetreiber – zum Beispiel Facebook oder Twitter.
  • Volksverhetzende Kommentare können Sie jederzeit bei der Polizei anzeigen.

Wenn es andere betrifft

  • Zeigen Sie den anderen, dass Sie da sind. Zeigen Sie sich solidarisch mit denen, die angegriffen werden.
  • Geben Sie positives Feedback – zum Beispiel, wenn Ihnen Content gefällt.
  • Widersprechen Sie Hasskommentaren, lassen Sie Hatespeech nicht unkommentiert stehen.
  • Melden Sie beleidigende Kommentare dem Seitenbetreiber – zum Beispiel Facebook oder Twitter.
  • Volksverhetzende Kommentare können Sie jederzeit bei der Polizei anzeigen.
  • Bieten Sie Ihre Hilfe an, sowohl in den Kommentaren oder der Person direkt. Wer mitten im Shitstorm steht, vergisst oft, rechtzeitig um Hilfe zu bitten.

Wann sollte ich Hasskommentare anzeigen?

Betroffene sollten solche Kommentare umgehen melden, rät Rechtsanwalt Christian Solmecke aus Köln im Gespräch mit t-online.de. Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube müssen "offensichtlich rechtswidrige" Inhalte innerhalb von 24 Stunden löschen. Das gilt laut Netzwerkdurchsetzungsgesetz zum Beispiel für Beleidigungen, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung. 

Zudem sollten Betroffene bei der Polizei Strafanzeige erstatten, so Solmecke. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, sollten die entsprechenden rechtswidrigen Inhalte dokumentiert und festgehalten werden. Es empfiehlt sich, Screenshots anzufertigen sowie die URL des jeweiligen Beitrags und des Verfasser-Profils zu speichern. 

"Die Erfolgsaussichten stehen dabei gut. Denn immer häufiger äußern sich Täter nicht nur anonym, sondern ohne Hemmungen auch mit Vor- und Familienname und teilweise sogar mit Wohnort und Arbeitgeber", sagte der Anwalt. Auch bei anonymen Äußerungen könnten die Ermittlungsbehörden oft über die IP-Adresse die Täter ermitteln.

Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten: Die Täter könnten Akteneinsicht beantragen und so an persönliche Daten gelangen. In Einzelfällen könne man bei der Polizei verlangen, dass die eigene Anschrift geheim bleibt. Dabei hilft der Schutz eines Anwalts, doch der kostet Geld und das kann sich nicht jeder leisten. "Anstatt der eigenen Adresse kann so beispielsweise die Kanzleianschrift des Rechtsanwaltes angegeben werden", sagte Solmecke. 

Welche rechtswidrigen Inhalte (Straftatbestände) vom NetzDG erfasst werden, kann unter diesem Link abgerufen werden. Zudem kann Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft gestellt werden. Auch zivilrechtlich können sich Betroffene wehren – zum Beispiel mit einer Abmahnung zur Löschung oder Unterlassung. Dafür muss allerdings die Identität des Täters bekannt sein.

Verwendete Quellen:

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