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Facebook-Mitarbeiter sind besorgt: QAnon-Gruppen haben Millionen Mitglieder

Facebook-Untersuchung  

QAnon-Gruppen haben Millionen Mitglieder

11.08.2020, 19:36 Uhr | str, t-online

Facebook-Mitarbeiter sind besorgt: QAnon-Gruppen haben Millionen Mitglieder. QAnon-Anhänger auf einer Trump-Kundgebung: QAnon vereint eine ganze Reihe von absurden Verschwörungsgeschichten. Die Bewegung gewinnt dennoch an politischem Einfluss.  (Quelle: Reuters/Leah Millis)

QAnon-Anhänger auf einer Trump-Kundgebung: QAnon vereint eine ganze Reihe von absurden Verschwörungsgeschichten. Die Bewegung gewinnt dennoch an politischem Einfluss. (Quelle: Leah Millis/Reuters)

Anhänger der QAnon-Bewegung glauben an die große Weltverschwörung. Dafür werden sie oft als Spinner verspottet. Eine interne Facebook-Untersuchung zeigt nun: Die Gruppen haben einen enormen Zulauf – und gewinnen an politischem Einfluss. 

In den USA wächst die Sorge angesichts der sogenannten QAnon-Bewegung, einem Sammelsurium von Verschwörungserzählungen, die über das Internet verbreitet werden und zunehmend auch den Präsidentschaftswahlkampf beeinflussen. Die Anhänger von "Q" – einer virtuellen Kunstfigur – können fast ausschließlich dem Trump-Lager zugeordnet werden. Die Bewegung zeigt extremistische Züge.

Facebook geht von Millionen Anhängern aus

Eine interne, nicht öffentliche Facebook-Untersuchung soll nun Aufschluss darüber geben, wie viele QAnon-Anhänger sich über die Plattform austauschen, wie sie sich organisieren und welche Art von Inhalten sie teilen. Der US-Sender "NBC" konnte die vorläufigen Ergebnisse einsehen und berichtet, dass Facebook von Millionen Nutzern ausgeht, die sich auf tausenden von Seiten und größtenteils geheimen Gruppen austauschen. Und: Das Netzwerk sieht darin offenbar eine Gefahr. 

Allein in den zehn wichtigsten Gruppen seien mehr als eine Millionen Mitglieder organisiert, zitiert "NBC" aus dem Report. Allerdings ist es gut möglich, dass viele QAnon-Anhänger mehreren Gruppen angehören und von der Statistik doppelt gezählt wurden. 

Wie will Facebook damit umgehen?

Unklar ist, wie Facebook mit den gewonnenen Erkenntnissen umgehen will – und ob überhaupt Maßnahmen geplant sind. In der Corona-Krise ist das Unternehmen ungewöhnlich entschlossen gegen Falschnachrichten vorgegangen, etwa in Bezug auf esoterische Heilsversprechen. Auch Impfgegnergruppen gerieten wegen der Verbreitung von gefährlichen Kampagnen ins Visier der Facebook-Wächter. Zuletzt wurde sogar ein Beitrag von US-Präsident Donald Trump gelöscht

Facebook könnte ein Werbeverbot für Anzeigen mit einem Bezug zu QAnon verhängen und seinen Empfehlungsmechanismus so anpassen, dass entsprechende Inhalte und Gruppen sich nicht mehr so leicht viral verbreiten können und weniger sichtbar sind. Twitter hat bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet

QAnon steht schon seit einem Jahr unter Beobachtung

Laut "NBC" beobachtet Facebook die QAnon-Aktivitäten auf den eigenen Seiten schon seit Juni 2019. Damals hieß es, dies sei Teil einer Strategie, die den Fokus auf Gruppen mit einem möglichen Gewaltpotenzial legt. 

Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von der Anziehungskraft der Verschwörungserzählungen: Laut den Recherchen eigener Mitarbeiter hat die Plattform etwa 12.000 US-Dollar mit 185 Anzeigen verdient, in denen QAnon "gelobt, unterstützt oder vertreten" wurde. Die Anzeigen wurden allein in den vergangenen 30 Tagen vier Millionen Mal geklickt. 

Für einige ihrer prominenteren Vertreter ist die QAnon-Bewegung zu einem Geschäftsmodell geworden: Über Facebook und andere Online-Plattformen vermarkten sie Merchandise-Artikel mit dem Buchstaben "Q" und diversen Insider-Sprüchen, mit denen sich die Anhänger zu erkennen geben. 

Die eigenen Mitarbeiter sind zunehmend besorgt

Facebook geht nach eigenen Angaben "routinemäßig" gegen Beiträge von QAnon-Anhängern vor, wenn diese gegen die Community-Regeln verstoßen. Laut einem Sprecher wurde vergangene Woche eine größere QAnon-Gruppe wegen "unauthentischen Verhaltens" geschlossen. Das ist Facebook-Sprech für "Spam" oder gezielter Kampagnenführung durch Fake-Accounts.

Einigen Mitarbeitern geht das offenbar nicht weit genug: Gegenüber "NBC" äußerte ein Mitarbeiter anonym Bedenken, dass sich die Unternehmensführung weigern könnte, entschlossener gegen Verschwörungstheorien vorzugehen. Er gehe fest davon aus, dass die meisten QAnon-Gruppen gegen bestehende Richtlinien des Netzwerks bezüglich der Verbreitung von Fehlinformationen und Extremismus verstoßen. In der Belegschaft wachse die Sorge, dass der Präsidentschaftswahlkampf 2020 ähnlich wie schon die Wahl Donald Trumps vor vier Jahren von Lügen und Manipulationsversuchen geprägt sein könnte. 

Das Weltbild der QAnon-Anhänger zusammengefasst 

QAnon-Anhänger glauben, dass Trump ihren Kampf gegen eine "globale Elite" anführt – einer Gruppe von überwiegend linksliberalen Politikern, Geschäftsleuten und Promis, die heimlich das Weltgeschehen lenken. Ihre zentralen Thesen spinnen sie sich aus angeblichen Insider-Informationen eines hochrangigen Mitarbeiters im Weißen Haus zusammen, dem viel zitierten "Q". In Internetforen kursieren unzählige Gerüchte, die sich auf angebliche Aussagen von Q berufen. Die Vorwürfe gegen den politischen Gegner reichen von Satanismus bis Kindesmissbrauch. Auch die "Pizzagate"-Erzählung lebt in der QAnon-Bewegung fort. Mehr zur QAnon-Bewegung lesen Sie hier.

Selbst das FBI kam 2019 zu dem Schluss, dass von der Gruppierung eine "potentielle Terrorismusgefahr im Inland" ausgeht. Es werden bereits mehrere Gewalttaten und mindestens zwei Morde auf den Einfluss der Verschwörungserzählungen zurückgeführt. 

In konservativen Kreisen zählt QAnon hingegen fast zum Mainstream. Auf Pro-Trump-Wahlkampfveranstaltungen gehören T-Shirts und Flaggen mit QAnon-Schriftzug zum Bild. Mittlerweile erhält die Bewegung aber auch die offizielle Unterstützung von republikanischer Seite. Laut der Medienseite "Media Matters" haben mindestens 70 republikanische Politiker öffentlich zu verstehen gegeben, dass sie Teile der QAnon-Ideologie für richtig halten. Das deutet darauf hin, dass die Republikaner hier ein großes Wählerpotenzial sehen, das es auszuschöpfen gilt.

Verwendete Quellen:

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