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Die neuen WhatsApp-AGBs: Darum geht es bei den Änderungen

Chaos um neue AGB  

Was sich bei WhatsApp ab dem 15. Mai für Nutzer ändert

18.05.2021, 07:53 Uhr
Die neuen WhatsApp-AGBs: Darum geht es bei den Änderungen. Das Logo von WhatsApp (Symbolbild): Ab dem 15. Mai gelten die neuen Richtlinien.  (Quelle: Reuters/Thomas White/File Photo)

Das Logo von WhatsApp (Symbolbild): Ab dem 15. Mai gelten die neuen Richtlinien. (Quelle: Thomas White/File Photo/Reuters)

WhatsApp-Nutzer sollen bis zum 15. Mai neuen Nutzungsrichtlinien zustimmen. Eine Übersicht, was sich dadurch ändern soll und was Experten davon halten.

Ab dem 15. Mai gelten die neuen Richtlinien von WhatsApp. Um die Änderungen gab es viele Missverständnisse und Befürchtungen. Kritiker warnen vor neuen Möglichkeiten zum Datenaustausch mit der Konzernmutter Facebook. Was passiert ist, was passieren wird und wie Datenschützer das Thema sehen. Ein Überblick.

Was war passiert?

Anfang Januar verkündete WhatsApp, dass bald für alle Nutzer neue Richtlinien gelten werden. Auf die ersten Medienberichte folgte große Entrüstung. Viele Nutzer wechselten zu anderen Messengern. Bei einigen war wohl der Eindruck entstanden, dass WhatsApp in Zukunft Zugriff auf private Chats haben werde.

WhatsApp wehrte sich gegen entsprechende Gerüchte, die unter anderem auf Twitter kursierten. Auch in der App wies das Unternehmen immer wieder darauf hin, dass private Chats sicher seien. Zudem verschob WhatsApp die ursprünglich für Februar geplante Einführung der neuen Regeln um etwa drei Monate auf den 15. Mai.

Worum geht es bei den Änderungen?

WhatsApp wiederholt immer wieder, dass mit der Aktualisierung keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook vorgesehen sei. Das gelte vor allem für Nutzer in der EU. Außerhalb der EU fließen bereits seit 2016 einige WhatsApp-Nutzerdaten an Facebook, zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten.

Bei den aktuellen Änderungen gehe es aber vor allem darum, bessere Möglichkeiten zur Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. Dazu betonte WhatsApp selbst, dass der Nachrichtenaustausch mit Unternehmen anders gestaltet sei als mit Familie oder Freunden. "Wenn du mit einem Unternehmen über Telefon, E-Mail oder WhatsApp kommunizierst, kann es die Informationen aus diesen Interaktionen mit dir für eigene Marketingzwecke verwenden. Dies kann auch Werbung auf Facebook einschließen", hieß es in einer Erläuterung.

Welche Daten sammelt WhatsApp überhaupt?

Laut den Datenschutzrichtlinien werden unter anderem folgende Nutzerinformationen an Facebook übermittelt:

  • WhatsApp-Kontoinformationen und Telefonnummer
  • Transaktionsdaten (in Indien können Nutzer beispielsweise Geld per WhatsApp überweisen)
  • Das Netzwerk der Nutzer
  • Nutzungs- und Log-Informationen
  • Informationen zu Interaktionen
  • Informationen zum Mobilgerät
  • Dienstebezogene Informationen
  • IP-Adressen
  • Statusinformationen
  • "Andere Informationen", die mit der Erlaubnis des Nutzers erfasst wurden
  • Informationen, die von Dritten über Nutzer bereitgestellt wurden

Auch werden unter anderem Nachrichten in verschlüsselter Form für bis zu 30 Tage gespeichert, falls sie nicht sofort an den Empfänger gesendet werden konnten. Eine Übersicht, welche Daten WhatsApp sammelt, finden Sie hier auf der Website von WhatsApp unter "Informationen, die wir erfassen". Welche Informationen WhatsApp mit Facebook teilt, erklärt das Unternehmen auf dieser Infoseite. Hier ist vor allem zu lesen, dass WhatsApp personenbezogene Daten oder WhatsApp-Kontakte nicht mit Facebook teile.

Ein Hauptgrund für die Verwirrung ist vermutlich, dass WhatsApp seine Infos auf viele Unterseiten verteilt und das Ganze für normale Nutzer schwer ersichtlich ist. Auch Experten wie Klaus Palenberg von der Verbraucherzentrale NRW bemängeln dieses Vorgehen. Dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" sagte Palenberg dazu im Januar: "Es wird nicht zentral an einer Stelle gesagt: Das machen wir, das nicht. Da wird sich viel offen gehalten. Selbst wer sich mit Datenschutzrecht auskennt, muss viele Passagen dreimal lesen."

Und Experte Jochim Selzer vom Chaos Computer Club sagt in einem Interview mit dem RBB auf die Frage, was sich denn nun bei WhatsApp ändere: "So richtig kann Ihnen keiner wirklich sagen, weil sich WhatsApp/Facebook hinter einer ganzen Menge komischer Klauseln versteckt, untereinander verlinkten Seiten, mit ellenlangen Texten, die sich sehr stark winden und zum Teil englischen Texten, durch die man nicht so richtig durchsteigt."

Was passiert, wenn ich bis zum 15. Mai nicht zustimme?

Wer nicht bis zum 15. Mai zustimmt, kann seinen Account noch nutzen – fürs Erste. Ursprünglich hieß es, dass Nutzer nur noch begrenzt auf WhatsApp zugreifen können und die Accounts nach einiger Zeit gelöscht werden. Nun schreibt das Unternehmen aber auf seiner Website, dass unsichere Nutzer weiterhin die Möglichkeit haben werden, zuzustimmen. Nach "Ablauf einiger Wochen" gebe es dann eine permanente Erinnerung. "Sobald du eine permanente Erinnerung bekommst, wird deine Funktionalität von WhatsApp eingeschränkt, bis du die Änderungen akzeptierst", so WhatsApp.

Beispielsweise werden Nutzer nicht mehr auf ihre Chatliste zugreifen, aber eingehende Sprach- und Videoanrufe noch annehmen können. Mehr zu den Änderungen lesen Sie hier.

Womit Nutzer laut WhatsApp nach dem 15. Mai rechnen müssen. (Quelle: WhatsApp)Womit Nutzer laut WhatsApp nach dem 15. Mai rechnen müssen. (Quelle: WhatsApp)

Datenschützer kritisieren Änderungen

Datenschützer weltweit beäugen die Änderungen kritisch: So hat die brasilianische Datenschutz-, Verbraucherschutz- und Wettbewerbsaufsichtsbehörde Anfang Mai gefordert, dass WhatsApp die Einführung seiner neuen Richtlinien verschiebe und mit Maßnahmen gedroht. Facebook solle vorher Unzulänglichkeiten beheben, die bei der Prüfung der Behörden aufgefallen seien, berichtet "heise online".

In Deutschland hat der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Johannes Caspar Mitte April ein Dringlichkeitsverfahren gegen Facebook eröffnet. Am 11. Mai wurde bekannt, dass Caspar eine Anordnung erlassen habe, die Facebook die Weiterverarbeitung von WhatsApp-Nutzerdaten durch Facebook verbieten. Mehr dazu lesen Sie hier.

WhatsApp entgegnete dazu in einer ersten Reaktion, die Anordnung des Datenschützers basiere "auf einem grundlegenden Missverständnis von Ziel und Folgen des Updates". Laut dem Dienst gehe es darum, bessere Möglichkeiten für die Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen und die Nutzung von Daten transparenter zu gestalten. Zuvor hatte WhatsApp stets gesagt, dass mit den neuen Regeln keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook vorgesehen sei. "Da die Behauptungen der Hamburger Datenschutzbehörde falsch sind, wird die Anordnung die Einführung des Updates nicht beeinflussen", betonte ein Sprecher.

Auch Ulrich Kelber, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), sieht das Thema kritisch. Im Mai 2020 hatte Kelber beispielsweise eine Einschätzung veröffentlicht, dass Bundesbehörden WhatsApp für die Kommunikation nicht nutzen sollten.

Auf Anfrage von t-online hieß es zum aktuellen Fall unter anderem: "Als Datenschützer sehe ich den potentiellen Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook kritisch. Das gilt auch im Hinblick auf die Erhebung von Telefonnummern mittels Adressbuchupload durch WhatsApp", so Kelber in einer Stellungnahme. "Das Unternehmen kann auf diese Art alle Kontaktdaten verarbeiten, die auf dem Mobiltelefon der nutzenden Person hinterlegt sind und zwar unabhängig davon, ob der jeweilige Kontakt selbst WhatsApp nutzt oder nicht."

Auch hat der BfDI an die verantwortliche irische Datenschutzbehörde DPC (Data Protection Commission) einige Fragen gestellt, die zum Thema noch zu klären seien. Unter anderem, ob die DPC bereits Auskunft von WhatsApp erhalten, ob und inwieweit Daten in die USA übertragen und nicht nur in Europa verarbeitet werden.

Die politische Bewegung Campact hatte am Freitag zudem einen Protest vor der Deutschlandzentrale von Facebook in Hamburg demonstriert. Die Demonstranten zeigten dabei mannshohen Handy-Attrappe. Mit der Aktion, bei der die Handys symbolisch über Schläuche mit dem Gebäude verbunden wurden, sollte gegen eine Nutzung von WhatsApp-Nutzerdaten durch den Mutterkonzern Facebook demonstriert werden. Auf einem Banner stand "Stoppt den WhatsApp-Datenklau".

Welche Alternativen gibt es zu WhatsApp?

Wer den Messenger wechseln will, dem rät Datenschützer Kelber, vor allem folgende Punkte zu prüfen: "Die Angaben in der Datenschutzerklärung, welche Daten verarbeitet werden, zu welchen weiteren Zwecken diese genutzt werden und ob ein Dienst auch anonym nutzbar ist."

Als Alternativen zu WhatsApp werden oft sichere Messenger wie Threema, Signal oder Wire genannt. Auch Telegram gilt als Messenger-Alternative. Im Gegensatz zu WhatsApp sind Chats dort aber nicht standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Mehr zu Telegram lesen Sie hier.

Wer ein ähnliches Erlebnis wie WhatsApp haben möchte, kann beispielsweise zu Signal wechseln. Der Messenger wurde beispielsweise 2015 von Whistleblower Edward Snowden empfohlen. Auch Anfang Januar 2021 verwies Snowden immer wieder in Tweets auf Signal. Als Signal nach technischen Problemen wieder verfügbar war, schrieb Snowden: "Jetzt kann jeder wieder damit weitermachen, WhatsApp zu deinstallieren"

Wie Sie von WhatsApp zu Signal wechseln können, lesen Sie hier. Und einige Tipps zu Signal gibt es hier.

Ich will wechseln: Wie kann ich meine Chats retten?

Falls Sie den Messenger wechseln wollen, können Sie Ihren WhatsApp-Account in den Einstellungen manuell löschen lassen. Diesen Schritt können Sie nicht rückgängig machen. Vorher können Sie wichtige Chats retten. Das geht über die Einstellungen. Klicken Sie im jeweiligen Chat auf die drei Punkte rechts oben, wählen Sie "Mehr" und dann "Chat exportieren". Sie können sich die Datei im Anschluss zuschicken lassen.

Zusätzlich können Sie einen Bericht anfordern, der viele Informationen zu Ihrem WhatsApp-Account enthält. Welche das sind und wie Sie den Bericht anfordern können, lesen Sie hier.

Warum nimmt Facebook den ganzen Ärger in Kauf?

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook übernahm WhatsApp 2014 für am Ende rund 22 Milliarden Dollar. Mit diesem Kaufpreis nahm Facebook zwar einen potenziellen Rivalen vom Markt, der Dienst trug bisher aber wenig zum Konzerngewinn bei. Zeitweise wurde über Werbung im Stories-Bereich von WhatsApp nachgedacht, wo Nutzer Fotos und Videos für einen Tag mit ihren Kontakten teilen können.

Die Idee wurde dann aber auf Eis gelegt. Der aktuelle Plan ist, Geld zu verdienen, wenn Unternehmen mit ihren Kunden über WhatsApp kommunizieren – die Regeländerung ist eine Voraussetzung dafür.

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