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Per Wärmebild vom Bankautomat PIN klauen

Skimming-Betrug  

Warme Finger verraten PIN am Bankautomat

22.08.2011, 09:15 Uhr | Andreas Lerg

Das Wärmebild zeigt deutlich die vier gedrückten Tasten. (Foto: UC San Diego)Das Wärmebild zeigt deutlich die vier gedrückten Tasten. (Foto: UC San Diego) Forscher der University of California warnen vor einer neuen Methode, am Geldautomat die PIN einer EC-Karte auszuspionieren. Das Besondere: Der Trick funktioniert auch noch, wenn der Kunde den Geldautomat bereits verlassen hat.

Skimming, also das Stehlen der Bankkartendaten, funktioniert bisher so: Die Täter montieren eine verstecke Kamera, um dem Nutzer eines Bankautomaten bei der PIN-Eingabe quasi über die Schulter zu schauen. Keaton Mowery, Sarah Meiklejohn und Stefan Savage von der University of California in San Diego haben in einer Studie einen Weg aufgezeichnet, wie es für Kriminelle auch einfacher gehen könnte. Die Täter müssen lediglich kurz nach dem Kunden die Tastatur des Bankautomaten mit einer Wärmebildkamera abfotografieren, um die PIN zu erbeuten.

Rückschlüsse auf Reihenfolge

Die kurze Berührung der Finger reicht bereits aus, die Tasten leicht zu erwärmen. Dieser Temperaturunterschied zwischen den gedrückten und den nicht gedrückten Tasten lässt sich mit einer Wärmebildkamera aufzeichnen. Damit kann der Täter die vier Ziffern, die gedrückt wurden, ermitteln. Nicht nur das: Eine gute Wärmebildkamera liefert so hochauflösende Bilder, dass sogar der Wärmeunterschied zwischen den vier gedrückten Tasten erkennbar ist. Je kälter die Taste, desto früher hat der Kunde diese gedrückt. Das erlaubt Rückschlüsse auf die Reihenfolge, in der die Tasten gedrückt wurden. Aber selbst wenn die Reihenfolge geraten werden muss, hat der Täter relativ leichtes Spiel. Bei vier Ziffern gibt es lediglich 24 mögliche Kombinationen.

Spur bleibt bis zu zwei Minuten erhalten

Nach 90 Sekunden wird das Wärmebild deutlich schlechter. (Foto: UC San Diego)Nach 90 Sekunden wird das Wärmebild deutlich schlechter. (Foto: UC San Diego) Kriminelle müssen also nicht mehr Spionagekameras versteckt montieren. Riskant ist die Methode für den Dieb dennoch, denn er muss sich in der Nähe aufhalten und unmittelbar nach dem Kunden mit der Wärmebildkamera zuschlagen. Nach zehn Sekunden lassen sich die Ziffern noch mit 80-prozentiger Genauigkeit bestimmen, nach 45 Sekunden mit einer Quote von 60 Prozent. Nach knapp zwei Minuten sind die Tasten so weit ausgekühlt, dass das Wärmebild kaum noch verwendbar ist. Kann der Täter eine klassische Spionagekamera nachts montieren, wenn kaum Betrieb ist, so muss er hier vor Ort bleiben, denn die Wärmebildkamera ist verhältnismäßig groß und kann daher nicht dauerhaft versteckt montiert werden. Zudem sind geeignete Wärmebildkameras recht teuer – das im Versuch eingesetzte Modell kostet etwa 12.000 Euro.

Metall statt Plastik

Die Forscher der University of California empfehlen den Herstellern von Automaten, ausschließlich flache Tasten aus Metall zu verwenden. In den Experimenten zeigte sich, dass Kunststofftasten die Wärme deutlich besser und länger speichern. Der Forschungsbericht rät auch zu Tasten, die wenig Druck benötigen, denn je fester ein Kunde die Tasten drücken muss, desto mehr Wärme wird auf die jeweilige Taste übertragen. Kunden können sich zudem recht einfach schützen, indem sie Handschuhe tragen oder einen Stift benutzen, um die Tasten zu drücken. So wird es für Kriminelle fast unmöglich, die PIN per Wärmebild zu stehlen.

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