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USA: Computer-Virus kippt Mord-Urteil

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Computer-Virus kippt Mord-Urteil

05.01.2012, 15:04 Uhr | Sascha Plischke

USA: Computer-Virus kippt Mord-Urteil. In Florida muss ein Mordprozess wegen eines PC-Virus neu aufgerollt werden. (Quelle: imago)

Computer-Virus kippt Mord-Urteil in Florida. (Quelle: imago)

Weil eine Protokollantin bei Gericht die Prozess-Protokolle durch einen Computer-Virus verloren hat, muss nun ein Mordprozess in Florida ganz neu aufgerollt werden. Kurios: Die Frau hatte die aus Papiermangel die Protokolle digital auf ihrem Privatrechner gespeichert, der nach der Malware-Infektion nicht mehr zu gebrauchen war. Während die schusselige Angestellte ihren Job verlor, darf sich der Angeklagte wieder Hoffnung machen. Anstatt gegen seine Verurteilung in Berufung gehen zu müssen, kann er nun noch einmal vor eine Jury treten und seine Unschuld beteuern. Auch ein Freispruch ist nun wieder möglich.

Eigentlich war der Fall längst abgeschlossen: Der 36-jährige Randy C. war bereits im Juli 2009 für die tödlichen Schüsse auf einen Drogensüchtigen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. Der Verurteilte ging in Berufung, er habe sich nur selbst verteidigen wollen, als er auf das Opfer geschossen habe. Als das zuständige Berufungsgericht die Akten des ersten Prozesses einsehen wollte, mussten die Verantwortlichen jedoch feststellen, dass es keine Mitschrift der Verhandlungen gab. Eine Rekonstruktion des Verfahrens für die Berufung war damit ausgeschlossen.

Stenotypistin hatte nie passendes Papier dabei

Die Erklärung für die verschwundenen Mitschnitte: Die Stenotypistin hatte die Protokolle zwar mit dem dafür vorgeschriebenen Gerät angefertigt, das sie sowohl auf Papier als auch auf einem digitalen Datenträger ablegte. Dabei hatte sie jedoch fast nie ausreichend Spezialpapier für die Maschine dabei. Die Protokolle lagen lediglich in digitaler Form vor. Als sie schließlich auch den Vorschriften entsprechend den Speicher löschen musste, übertrug sie die Daten kurzerhand auf einen Privat-PC, um sie dort zu lagern. Als der schließlich den Geist aufgab, weil ihn ein PC-Virus lahmlegte, gingen auch die letzten schriftlichen Nachweise des Prozessverlaufs flöten.

Skandal als Glücksfall für den Angeklagten

Die Stenotypistin verlor wegen dieser eklatanten Unachtsamkeit nun ihren Job. Für Randy C. bedeutet der Vorfall jedoch eine neue Chance: Wegen der fehlenden Mitschnitte musste das Berufungsgericht das Urteil aufheben, juristisch ist es nun so, als hätte der Mordprozess noch nicht statt gefunden. Alles geht wieder von vorne los, und der Angeklagte stellt sich einer frischen Jury. Der Ausgang dieses Wiederholungsprozesses ist vollkommen offen. Sollten die Verteidiger eine dieses Mal schlüssige Beweise für Darstellung der Tat als Notwehr vorbringen können, ist auch ein Freispruch möglich. Statt lebenslänglich im Knast wäre C. dann frei – alles nur wegen eines Computervirus.

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