Sie sind hier: Home > Digital > Internet & Sicherheit > Sicherheit >

XKeyscore: NSA-Programm überwacht komplettes Internet - E-Mails in Echtzeit

E-Mails in Echtzeit  

NSA Spähprogramm XKeyscore überwacht alles im Internet

01.08.2013, 13:09 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

XKeyscore: NSA-Programm überwacht komplettes Internet - E-Mails in Echtzeit. XKeyscore-Standorte auf einer Weltkarte (Quelle: Screenshot: t-online.de)

700 Abhör-Server an 150 Standorten (Quelle: Screenshot: t-online.de)

Die NSA hat mit ihrem Spähprogramm XKeyscore allumfassenden Zugriff auf den Datenverkehr im Internet. Der Guardian berichtete am Mittwoch, dass der US-Geheimdienst einen noch viel weiteren Zugriff auf die weltweite Internetkommunikation hat als bisher vermutet. Demnach gibt es fast nichts, was mit diesem Programm nicht ausgespäht werden kann.

Das Spähprogramm XKeyscore bietet Einsicht in fast alles, was ein gewöhnlicher Nutzer im Internet tut. Laut dem Guardian sei das Spähprogramm der Beweis von Edward Snowdens Behauptung, dass er als NSA-Zuarbeiter "jeden ausspähen könnte, auch den US-Präsidenten" – wenn er denn dessen E-Mail-Adresse gehabt hätte.

E-Mails werden in Echtzeit mitgelesen

Laut der gelieferten Dokumente können NSA-Mitarbeiter in Echtzeit die E-Mails von Nutzern lesen sowie ihre Suchen im Internet, die Einträge in sozialen Netzwerken und faktisch alle sonstigen unverschlüsselten Tätigkeiten im Netz verfolgen. E-Mail-Adressen, Logins, Passwörter, Telefonnummern, Nutzernamen und Suchanfragen – das alles kann die NSA einsehen.

Auch Chats innerhalb von Facebook oder der Browser-Verlauf eines Nutzers, der verrät, welche Internetseiten er besucht hat, gehören dazu und können nachträglich gelesen werden.

Verschlüsselungstechniken wie das weit verbreitete "https" oder das Netzwerk Tor dürften die Arbeit mit XKeyscore zwar erschweren, aber auch keinen hundertprozentigen Schutz bieten, bemerkte das Fachmagazin Ars Technica zu diesen Enthüllungen. Wer zum Beispiel seine E-Mails mit einem Verschlüsselungsprogramm schützt, macht sich laut der Präsentation direkt verdächtig.

Umfangreiche Such- und Filterfunktionen

Die Spionage-Software macht es vor allem möglich, dass NSA-Mitarbeiter mittels einer detaillierten Suchmaske Nutzer gezielt finden können, in dem sie nach zahlreichen weiteren Kriterien suchen könnten. So könne das Internet etwa nach Personen durchsucht werden, die in Pakistan verdächtigerweise auf Deutsch kommunizieren oder den Kartendienst Google Maps nutzen, um Anschlagsziele auszuspähen.

Genau diese Index-Funktion würde XKeyscore von den anderen bisher aufgedeckten Spähprogrammen unterscheiden. Weiterhin kann die Software auch Internetseiten dauerhaft überwachen und feststellen, von wem diese besucht werden. Das System erlaubt die Erfassung von "Ziel-Aktivität in Echtzeit" und umfasst laut der Folien alle ungefilterten Daten, die das System erreichen.

150 Abhörstandorte weltweit

Die oben gezeigte Weltkarte zeigt die Abhörstandorte, die die NSA zur Erfassung des internationalen Internetverkehrs haben soll. Bereits 2008 soll es demnach 150 Standorte gegeben haben, an denen 700 Server bereitstünden. NSA-Mitarbeiter könnten mit einer einzigen Suchanfrage alle Standorte weltweit abfragen.

Keine Genehmigung nötig

Für die einzelnen Anfragen bräuchten die Geheimdienstmitarbeiter keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters. Ein Beispiel, das die Zeitung nennt, ist die Überwachung einer Zielperson in Teheran. Hier wurde die komplette Kommunikation mit Personen in Frankfurt, Amsterdam und New-York überwacht.

XKeyscore ist weltweit vernetzt

Vier der 32 als streng geheim markierten Folien wurden geschwärzt, da sie Informationen zu spezifischen NSA-Einsätzen enthielten. Das Programm wird den Angaben zufolge stetig verbessert und läuft auf über 500 Servern in aller Welt, auch auf dem Gebiet klassischer US-Rivalen wie Russland, China und Venezuela.

XKeyscore enttarnte mehr als 300 Terroristen

Laut den präsentierten Unterlagen des Geheimdienstes wurden bis 2008 "mehr als 300 Terroristen" dank des Programms gefasst. Konkrete Beispiele wurden vom Guardian aber geschwärzt. Diese Zahl wurde von der NSA in der Erklärung vom Mittwoch bestätigt.

Weißes Haus beschwichtigt

Das Weiße Haus erklärte angesichts der neuen Veröffentlichungen, XKeyscore sei nur ausgewählten Personen zugänglich und unterliege strengsten "gegenseitigen Kontrollen" gegen Missbrauch. "Der Vorwurf flächendeckender, ungeprüfter Zugriffe auf NSA-Daten ist falsch", versicherte Präsidentensprecher Jay Carney.

NSA mit halbherzigem Dementi

Der US-Geheimdienst NSA selbst hat den Bericht über den weitreichenden Zugriff auf Internet-Daten mit Hilfe des Programms XKeyscore nur in Teilen zurückgewiesen. So hieß es in einer Erklärung am Mittwoch: "Der Vorwurf eines breiten, unkontrollierten Zugangs von Analysten zu von der NSA gesammelten Daten ist einfach falsch." Allerdings nahm die Behörde keine Stellung zum Ausmaß der mit XKeyscore möglichen Überwachung. Der Zugriff auf XKeyscore und andere Werkzeuge sei nur für diejenigen freigegeben, die ihn für ihre Arbeit brauchten. Zudem sei jede Suchanfrage eines NSA-Analysten nachprüfbar, um Missbrauch zu vermeiden.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Digital > Internet & Sicherheit > Sicherheit

shopping-portal