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Abzocke: Millionen Deutsche werden im Internet betrogen

Trotz Warn-Button  

Millionen Deutsche werden online abgezockt

05.09.2014, 10:04 Uhr | Christian Stöcker, Spiegel Online

Abzocke: Millionen Deutsche werden im Internet betrogen. Internet-Nutzer sitzt vor einem Notebook (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Internet-Nutzer: Millionen Deutsche wurden schon in Abo-Fallen gelockt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein vom Verbraucherministerium in Auftrag gegebenes Gutachten soll zeigen: Die Anti-Abzock-Maßnahmen des Ministeriums wirken. Konkrete Zahlen nennt es nicht. Eine zweite Studie, die "Spiegel Online" vorliegt, kommt zu völlig anderen Ergebnissen.

Die Webseiten sehen auf den ersten Blick seriös aus: Sie bieten Hausaufgabenhilfe, Cocktailrezepte, oder sie versprechen, man könne nur mit einer Telefonnummer fremde Handys orten. Doch wer diese Dienste in Anspruch nehmen will, muss sich anmelden – und wer sich anmeldet, wird zur Kasse gebeten. Acht Euro im Monat kostet die "Handyortung", für zwei Jahre Rezeptzugang sind 192 Euro fällig – entsprechende Rezeptbücher gibt es für deutlich unter zehn Euro.

Solche als Abofallen bekanntgewordenen Geschäftsmodelle haben schon Hunderttausende deutsche Internetnutzer zur Weißglut getrieben. Die Abzock-Unternehmer sind nicht zimperlich, wenn es um das Eintreiben ihrer vermeintlich berechtigten Forderungen geht. 22.000 derartige Beschwerden pro Monat hat das Ministerium für Verbraucherschutz vor zwei Jahren registriert. Heute sind es weniger, sagt ein Gutachten nun. Eine Expertenbefragung unter Verbraucherschutzorganisationen habe ergeben, dass entsprechende Beschwerden signifikant zurückgegangen seien. Zahlen aber werden nicht genannt.

Warn-Button gegen Internetfallen

Das Ministerium hatte vor zwei Jahren mit dem Versuch begonnen, den unlauteren Methoden entgegenzuwirken: Mit einem verpflichtenden Warn-Button sollten die Betreiber entsprechender Seiten gezwungen werden, die Kostenfallen auf ihren Seiten zumindest transparent zu machen. Nun hat das Ministerium das genannte Gutachten in Auftrag gegeben, um zu überprüfen, ob der Button genutzt wird, und was er bringt.

Das Ergebnis fällt, was zunächst nicht überrascht, positiv aus: Nach der Untersuchung des Instituts für Verbraucherpolitik ConPolicy wenden über 80 Prozent der 91 überprüften Angebote den Warn-Button korrekt an. In diesen Fällen sei die Schaltfläche mit Beschriftungen wie "jetzt kaufen" oder "kostenpflichtig bestellen" eindeutig. Defizite stellten die Tester aber bei den obligatorischen Bestellzusammenfassungen fest. Nur knapp die Hälfte der Anbieter listete hier alle wesentlichen Informationen auf. Besonders negativ fielen dabei Handyortungsdienste auf, "bei denen mehrheitlich unzulässige Angaben gemacht werden".

Nutzer nicht ausreichend vor Abzocke geschützt

Außerdem fühlen sich viele der befragten Verbraucher weiterhin nicht ausreichend vor Abzocke geschützt. Mehr Aufklärung sei daher notwendig.

Hellhörig macht vor allem eine weitere Aussage des Gutachtens: Die Mehrheit der für die Studie befragten Unternehmen habe durch den Button keine gravierenden Veränderungen im Kundenverhalten festgestellt. Bringt der Button also doch nichts? Schließen Internetnutzer weiterhin Abonnements für Hunderte Euro ab, um Cocktailrezepte einsehen zu dürfen?

Millionen Deutsche sehen sich als Opfer

Tatsächlich zeigen Zahlen des Marktforschungsinstituts Infas, die "Spiegel Online" vorliegen, dass sich weiterhin Millionen Deutsche als Opfer von Online-Abzocke betrachten. Befragt wurden Mitte des Jahres 2014 1500 Deutsche über 18 Jahren, Infas zufolge sind die Ergebnisse repräsentativ. Rechnet man die Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hoch, kommt man zu eindrucksvollen Zahlen. 5,6 Millionen Deutsche wurden demnach in den zwei Jahren vor der Befragung Opfer von Abo-Fallen. Bei der Vergleichsstudie, die Infas 2011 durchgeführt hatte, waren es nur 5,4 Millionen. Dieser Befragung zufolge ist die Zahl der Abgezockten also keineswegs gesunken.

Drei Millionen haben der Infas-Hochrechnung zufolge in den vergangenen drei Jahren Ware nicht erhalten, die sie online bestellt hatten, im Vergleich zu 2,8 Millionen im Jahr 2011. Besonders häufig betroffen sind hier, was nicht weiter überrascht, Verbraucher, die besonders viel online einkaufen.

10,7 Millionen erhielten Abmahnung

Stolze 10,7 Millionen Deutsche haben der Hochrechnung zufolge im betreffenden Zweijahreszeitraum eine ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Abmahnung erhalten. Dabei allerdings muss es sich nicht nur um Betrugsfälle handeln: Auch Nutzer von Tauschbörsen etwa, die wegen Urheberrechtsverletzungen abgemahnt wurden, dürften sich in dieser Kategorie finden, ebenso wie Website-Betreiber, die etwa wegen der unerlaubten Nutzung von Bildern Post vom Anwalt bekamen.

Es scheint, als ob für den Gesetzgeber durchaus noch Spielraum besteht, was den Verbraucherschutz im Internet angeht.

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