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So werden Sie im Alltag ausspioniert

t-online, Axel Schoen

Aktualisiert am 10.05.2017Lesedauer: 2 Min.
Datenspion Fitness-Armband (Symbolbild)
Datenspion Fitness-Armband (Symbolbild) (Quelle: Friedrichx Stark/imago-images-bilder)
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Polizei und Geheimdienste erhalten ganz ungewohnte und unerwĂŒnschte Einblicke in unseren Alltag. Es sind aber nicht Überwachungskameras und Abhör-Wanzen, sondern Alltagsdinge wie Smartwatches, FitnessarmbĂ€nder oder sogar Spielzeuge, die uns unbemerkt immer mehr ausspionieren.

Auf der re:publica sprachen Frederike Kaltheuner und Millie Graham Wood von der englischen BĂŒrgerrechtsorganisation "Privacy International" ĂŒber die Gefahren durch vernetzte GerĂ€te. Diese sammeln manchmal bestĂ€ndig Informationen, ohne dass der Nutzer weiß, welche es sind, wo und ob diese gespeichert werden und wer Zugriff auf diese hat. Gefahren lauern demnach beispielsweise bei Smartwatches, FitnessarmbĂ€ndern und intelligenten Lautsprechern wie Amazon Echo. Mit der bequemen Bedienung kann bei solchen Produkten schnell ein Verlust an PrivatsphĂ€re einhergehen. Die Daten werden bei den Betreiberfirmen teilweise auf unbestimmte Zeit gespeichert.

Keine Informationen ĂŒber Datenspeicherung

In den meisten FĂ€llen werden die KĂ€ufer ĂŒber die Datenspeicherung der angeblich schlauen GerĂ€te nicht ausreichend informiert. Ob der strenge Deutsche Datenschutz von allen GerĂ€ten stets eingehalten wird, darf bezweifelt werden.

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In diesem Zusammenhang konnten schon zahlreiche Skandale aufgedeckt werden. So zeichneten ein Spielzeug-Teddy und eine Kinderpuppe Videobilder und GerĂ€usche ihrer jungen Besitzer auf, ĂŒbertrugen sie auf Firmenserver und sicherten die Daten mangelhaft. Auch ein Vibrator mit eingebauter Kamera verwandelte sich in ein Spionagetool und ĂŒbertrug die Bilder unverschlĂŒsselt per WLAN im Netzwerk. GefĂ€hrlich sind auch Überwachungskameras und Babyphone mit unsicheren Standard-Passwörtern. Viele dieser GerĂ€te werden schlampig produziert ohne auf die Sicherheit der Nutzer zu achten. So werden Gadgets, die den Alltag eigentlich erleichtern oder sogar mit mehr Sicherheit ausstatten sollen, plötzlich zum Einfallstor fĂŒr Hacker.

Paradies fĂŒr Hacker und Polizei

Gegebenenfalls interessieren sich nicht nur Hacker, sondern auch staatliche Ermittlungsbehörden wie Polizei und Sicherheitsdienste fĂŒr sensible Daten und ihre Auswertung. Darauf weisen die Mitarbeiter von der BĂŒrgerrechtsorganisation Privacy International in ihrem Vortrag hin. Sie gingen der Frage nach, was passiert, wenn sich die Justiz fĂŒr die beispielsweise vom Fitness-Armband gesammelten Daten interessiert und diese als BeweisstĂŒcke bei Ermittlungen und vor Gericht verwendet werden.

Als Beispiele nannten die beiden BĂŒrgerrechtsaktivistinnen FĂ€lle in Amerika: Dort wurde bei einer Mordermittlung in Arkansas versucht die Daten von Amazon Echo auszuwerten. In einem anderen Fall konnten die Aussagen eines mutmaßlichen Mörders durch die Analyse des Fitness-Trackers infrage gestellt werden.

Den Herstellern ausgeliefert

Wer hilft nicht gerne bei Ermittlungen, mögen manche denken? Aber das Problem liegt tiefer, denn es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Besitzer eine smarten Gadgets und dem Hersteller. Denn der Nutzer weiß nicht, welche Informationen gesammelt werden und hat keine Kontrolle ĂŒber die Weiterverarbeitung. Er kann die Daten nicht selbst verwalten und löschen.

Viele wissen nicht, dass GerĂ€te wie Alexa und Amazon Echo bestĂ€ndig Daten im Hintergrund aufzeichnen und schon Sekunden vor dem eigentlichen Befehl durch den Nutzer aktiv sind. Das gilt fĂŒr alle smarten GerĂ€te, deren Sensoren Daten sammeln und auswerten. Der Nutzer mĂŒsse den Herstellern vertrauen, fĂŒhrte Kaltheuner aus. FĂŒr Polizei und Co. ist es verlockend, auf diese Daten zuzugreifen. FĂŒr den Besitzer von "Smart Devices" ist es hingegen unkalkulierbar, welche Daten ĂŒber ihn erhoben werden.

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  • Jan Moelleken
Von Jan Mölleken
HackerPolizei

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