Hat die NSA eine HintertΓΌr zu Googles Betriebssystem Android?

Google hat offiziell bestΓ€tigt, dass in seinem mobilen Betriebssystem Android auch Programmcode enthalten ist, der von der National Security Agency (NSA) entwickelt wird. Es soll sich dabei um Abwehrfunktionen gegen Hackerangriffe handeln. Google hat bei US-BehΓΆrden unterdessen beantragt, weitere Details ΓΌber die Datenanfragen von Regierungsstellen an Google verΓΆffentlichen zu dΓΌrfen.
Googles Betriebssystem Android wird als "Open Source"-Projekt betrieben: Jeder darf Funktionen und Programmcode dafΓΌr entwickeln und Google zum Einbau anbieten. Google-Sprecherin Gina Scigliano bestΓ€tigte dem US-Wirtschaftsmagazin Bloomberg Businessweek, dass in Android bereits Programmcode von der NSA enthalten ist.
Sie betont: "Der gesamte Android-Code und alle, die dazu beigetragen haben, kΓΆnnen auf source.android.com offen eingesehen werden.β Auf Smartphones wie dem Sony Xperia Z, dem HTC One und dem Samsung Galaxy S4 ist der NSA-Programmcode im Betriebssystem vorhanden, wie die US-Wirtschaftszeitung Businessweek schreibt.
NSA will Sicherheitsfunktion beigesteuert haben
NSA-Sprecher erklΓ€rten dazu, der von der NSA beigesteuerte Programmcode diene dazu, Apps gegen Hacker aber auch Vermarkter zu "isolieren". Es solle verhindert werden, dass diese Zugang zu persΓΆnlichen oder betrieblichen Daten erlangen kΓΆnnten. NSA-Sprecherin Vanee Vines erklΓ€rte, dass irgendwann alle neuen Smartphones, Tablet-PC, FernsehgerΓ€te, Autos und andere Systeme, die Android verwenden, auch NSA-Programmcode enthalten.
Vines machte keinerlei Aussagen, ob dieser Programmcode oder andere Software im Zusammenhang mit dem Γberwachungsprogramm Prism stehen. Sie kommentierte in ihrer ErklΓ€rung lediglich: "Der Quellcode steht ΓΆffentlich zur VerfΓΌgung. Jeder kann ihn nutzen oder auch Zeile fΓΌr Zeile analysieren."
Kein Kommentar von Smartphone-Herstellern
Samsung, Sony und HTC wollten den Bericht nicht kommentieren. Apple machte deutlich, dass iOS keinen NSA-Code enthalte. "Apple akzeptiert keinerlei Quellcode von irgendeiner regierungseigenen Agentur in unseren Betriebssystemen oder Produkten", erklΓ€rte Apple-Sprecherin Kristin Huguet in einem Statement.
Android Sicherheit verstehen
Stephen Smalley, ein an dem Projekt beteiligter Forscher der NSA, betont: "Unser Ziel ist es, das Sicherheitsniveau auf MobilgerΓ€ten zu erhΓΆhen." Eine PrΓ€sentation von Smalley aus dem Jahre 2011, die der Bloomberg Businessweek vorliegt, beschreibt die Vorteile des "normalerweise fΓΌr Nutzer unsichtbaren" Android-Projektes der NSA wie folgt: "Es verbessert unser VerstΓ€ndnis der Sicherheit von Android".
In Dokumentationen zum von der NSA beigesteuerten Programmcode heiΓt es, dass die darΓΌber implementierten Funktionen derzeit nicht serienmΓ€Γig eingeschaltet seien. In kΓΌnftigen Versionen solle das aber der Fall sein.
Google mΓΌht sich um Transparenz
Google hat unterdessen unter Berufung auf Regelungen des amerikanischen Foreign Intelligence Surveillance Act (Gesetz zum AbhΓΆren in der AuslandsaufklΓ€rung) beantragt, weitere Details zu den Datenanfragen von Regierungsstellen verΓΆffentlichen zu dΓΌrfen. Google hatte vor kurzem versprochen, in diesem Punkt maximale Transparenz zu schaffen.
NSA-Code auch in Linux
Die NSA hat laut Businessweek in einem anderen Projekt namens Security-Enhanced Linux (SicherheitsverstΓ€rktes Linux) schon vor zehn Jahren Programmcode entwickelt, der im "Open Source"-Betriebssystem Linux eingebunden sei. Genau dieses Betriebssystem wird unter anderem von Google, Facebook und Yahoo zum Betrieb ihrer Internet-Server verwendet. Jeff Zemlin, Direktor der Linux Foundation, erklΓ€rte in einer Stellungnahme, das die NSA keine erkennbaren Spionagefunktionen eingebaut habe. Der Code sei von unzΓ€hligen Leuten mehrfach ΓΌberprΓΌft worden.
- : Android-Tipp: Smartphone sicher machen
- : Tipps fΓΌr Android-Smartphones
- : Foto-Show: Wichtige Einstellungen fΓΌr Android-Smartphones
- Handy & Smartphone: Android-SicherheitslΓΌcke bedroht 900 Mio. Nutzer
- Stiftung Warentest: Viele Sicherheits-Apps fallen durch
- Handy & Smartphone: App macht Android-Smartphones zu Hacking-Tools

