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Renten-Schock: Bis zu acht Prozent weniger wegen Finanzkrise

Alterssicherung  

Experten erwarten niedrigere Renten wegen der Krise

09.11.2009, 15:19 Uhr | bab, dpa, t-online.de

Experten prognostizieren sinkende Renten (Foto: imago) (Quelle: imago images)Experten prognostizieren sinkende Renten (Quelle: imago images) Die Wirtschaftskrise könnte die zu erwartende gesetzliche Rente von Millionen Arbeitnehmern in Deutschland drücken. Wie eine Berechnung des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) ergibt, könnten die Bezüge für den Bezieher einer Standardrente ("Eckrentner") künftig um bis zu acht Prozent niedriger ausfallen als vor der Krise prognostiziert. Dies würde ein monatliches Minus von bis zu 194 Euro für Neurentner bedeuten je nach Eintrittsjahr.

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Pessimistische Prognose

MEA-Rentenexperte Martin Gasche begründet die niedrigeren Renten mit den zu erwartenden geringen Lohnsteigerungen in den kommenden Jahren. "Die Arbeitnehmer und Beitragszahler werden wegen der Wirtschaftskrise Lohneinbußen hinnehmen müssen", zitierte ihn das Blatt. "Langfristig können die Einkommen bis zu acht Prozent niedriger liegen als vor der Krise erwartet." Da die Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung gekoppelt sei, "werden sich auch die Renten entsprechend schlechter entwickeln", betonte er.

Reallöhne sinken

Ob die Prognose wirklich eintritt, hängt entscheidend von der weiteren Entwicklung der Reallöhne ab. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lagen die Reallöhne aufgrund der Wirtschaftskrise im zweiten Quartal 2009 um durchschnittlich 1,2 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal - ein deutlicher Einbruch. Verursacht wurde der starke Rückgang vor allem durch Kurzarbeit in wichtigen Sektoren wie dem Verarbeitenden Gewerbe, der Metallverarbeitung und der Autoindustrie.



Rentengarantie greift im Notfall

Berechnet wird die Rente das nächste Mal im Frühjahr 2010, wenn die genauen Daten zur Entwicklung der Löhne vorliegen. Doch selbst wenn zu diesem Zeitpunkt unterm Strich ein Minus steht, hat die Bundesregierung mit der sogenannten Rentengarantie eine Schutzklausel eingebaut. Die im Sommer 2008 verabschiedete Regelung sieht selbst bei sinkenden Löhnen eine Nullrunde vor. Nach der alten Regelung wären die Renten wohl erstmals gekürzt worden.

Einbruch selbst im Garantiefall

Das Eintreten der Schutz-Regelung gilt inzwischen als wahrscheinlich, hier setzt die Prognose der Forscher an. Vor dem Beginn der Krise wurde ähnlich wie für die Gesamtwirtschaft eine weitaus optimistischere Prognose abgeben. Konkret bedeutet das: Im Falle von Nullrunden in den Jahren 2010 und 2011 sinkt die tatsächlich ausgezahlte Rente. Für 1964 Geborene, die im Jahre 2031 im Alter von genau 67 Jahren in Rente gehen, wird der Rentenzahlbetrag laut MEA beispielsweise je nach Stärke der Krise um 5,7 bis 9,4 Prozent niedriger liegen als ohne Finanz- und Wirtschaftskrise. Renten der gesetzlichen Rentenversicherung würden ähnlich wie die privaten Renten einen permanenten Vermögensverlust erleiden.

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Finanzierung bleibt Risikofaktor

Offen bleibt dabei die Frage, wie die Rentengarantie finanziert werden soll. MEA-Chef Axel Börsch-Supan und der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hatten angesichts der Garantie sowie des Verzichts auf Rentendämpfungen (2005, 2006) und des Aussetzens der Riestertreppe (2008) bereits mehrfach vor einer milliardenschweren Finanzierungslücke gewarnt. In der Prognose thematisiert das MEA deshalb auch die Beiträge zur Rentenversicherung.


Prognose: Beitragsanstieg unausweichlich

Laut MEA ist ein Anstieg der Beiträge zur Finanzierung der Lücke unausweichlich, der Druck zu einer Beitragssteigerung wird im „Garantiefall“ sogar noch einmal verstärkt. Auf bis zu 23 Prozent könnte sich der Anstieg im schlimmsten Fall belaufen. Die Forscher kritisieren zudem, dass die Rentengarantie den Ausgleichsmechanismus zwischen Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung zerstört und vor allem junge Generationen belastet.

Ministerium weist Bericht zurück

Das Bundesarbeitsministerium hat die Berechnungen inzwischen zurückgewiesen. Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums zog die Einschätzung über die Rentenentwicklung in Zweifel: Es gebe "keinen ökonomisch plausiblen Grund" für die Annahme, dass die Krise "das Lohnniveau für Jahrzehnte dramatisch absenkt". Der Bericht und die MEA-Berechungen stütze sich auf "extrem pessimistische Aussagen". Die Deutsche Rentenversicherung Bund wies darauf hin, dass die Beitragseinnahmen trotz Krise in den ersten Monaten um 0,5 Prozent gestiegen seien. Der für dieses Jahr in der MEA-Prognose unterstellte Rückgang der Löhne um 2,3 Prozent sei "unwahrscheinlich".

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