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Riesterrente: Wer unter welchen Umständen Riester-Zulagen erhält

Wer unter welchen Umständen Riester-Zulagen erhält

17.05.2010, 13:37 Uhr | dpa-tmn, jdc, dpa-tmn, t-online.de

Riesterrente: Wer unter welchen Umständen Riester-Zulagen erhält. Riesterrente: Der Kreis der Förderberechtigten wird größer (Foto: imago)

Riesterrente: Der Kreis der Förderberechtigten wird größer (Foto: imago)

Sie soll helfen, die Rentenlücke kommender Generationen zu stopfen: die Riesterrente. Dabei gibt der Staat Geld dazu, wenn Vorsorgesparer in einen zertifizierten Vertrag zur Altersvorsorge einzahlen. Nicht jeder hat ein Recht auf die Zuschüsse. Aber es tut sich etwas: Der Kreis der Bezugsberechtigten wird erweitert.

Leben im Ausland

Die Bundesregierung muss auf Druck der Europäischen Union (EU) auch deutsche Arbeitnehmer fördern, die nicht in Deutschland leben - sogenannte Grenzarbeitnehmer. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg hat dem deutschen Staat diesen Auftrag gegeben (Rechtssache: C-269/07). Sie arbeiten in Deutschland und zahlen auch hier in die Sozialversicherung ein. Da sie aber nicht in der Bundesrepublik wohnen, zahlen sie ihre Einkommensteuer aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens im Ausland. Sie fallen daher bislang aus der Regelung heraus. Laut dem Bundesjustizministerium betrifft das etwa Deutsche, die in Frankreich oder Österreich leben.

Immobilien im EU-Ausland

Die zweite Regel auf dem Prüfstand: Bislang darf gefördertes Riester-Kapital nur zur Anschaffung einer Immobilie in Deutschland verwendet werden - bei einem Wegzug aus Deutschland sind die Zulagen zurückzuzahlen. Künftig soll auch eine Immobilie im EU-Ausland förderfähig sein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lebten 2008 mehr als eine halbe Million deutsche Staatsbürger in einem der Nachbarländer Deutschlands, davon 203.000 in der Schweiz und 120.000 in Österreich, 112.000 in den Benelux-Ländern. Kurz vor Weihnachten hat die Bundesregierung nach Aussage des Finanzministeriums das Vorhaben auf den Weg gebracht - nun muss es das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.

Pflichtmitglieder der Rentenversicherung

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer Anspruch auf die Riester-Zulage, wenn sie in einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag einzahlen. "Arbeitnehmer" bedeutet vor dem Gesetz, dass alle Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung unmittelbar förderberechtigt sind, sofern sie unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind. Auch Azubis, Wehr- und Zivildienstleistende, Arbeitslose und Eltern in Elternzeit gehören dazu, ebenso Beamte und Soldaten.

Auch Selbständige können riestern

Ferner können all jene Selbstständige riestern, die wenige oder keine Mitarbeiter haben und kraft Gesetzes Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung zahlen müssen und "durch deren Arbeit außerdem keine Gewinne erwirtschaftet werden", erklärt ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung in Berlin. Sie sollen auch als Selbstständige den Schutz der Rentenversicherung in Anspruch nehmen können - Hebammen, selbstständige Lehrer oder Fischer etwa. "Dazu kommen Selbstständige, die sich dazu entscheiden, durch einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung selbst Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen". Der größte Teil wolle das nur eben nicht, zeige die Erfahrung, und sorge ausschließlich privat vor.

Wohn-Riester

Die zertifizierten Verträge, die sie besparen, können eine Rentenversicherung sein, ein Fondssparplan oder ein Banksparplan. Die vierte Variante ist seit etwas mehr als einem Jahr der "Wohn-Riester" - dahinter verbergen sich geförderte Sparprodukte für den Immobilienerwerb. Das Produkt muss aber ein Riester-Produkt sein, sonst gibt es keine Zulagen. Dazu kommt, dass die vollen Zulagen nur an jene gehen, die mindestens vier Prozent ihres Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich der Zulagen einzahlen. Hinter diesem Satz steckt eine komplizierte Rechnung: So sind vier Prozent eines durchschnittlichen Jahreseinkommens - 30.000 Euro - genau 1200 Euro.

Bonus für junge Berufseinsteiger

Der Arbeitnehmer muss aber nicht 1200 Euro im Jahr oder 100 Euro im Monat sparen - von den 1200 Euro werden zunächst die Grundzulage von 154 Euro pro Jahr und die Zulagen für mögliche Kinder abgezogen (in der Regel 185 Euro pro Kind, für ab 2008 geborene Kinder 300 Euro pro Jahr und Kind). Und Berufseinsteiger erhalten einen zusätzlichen Bonus: Wer vor der Vollendung des 25. Lebensjahres einen Riester-Vertrag abschließt, erhält zur Grundzulage im ersten Jahr einmalig 200 Euro hinzu. All diese Zulagen werden abgezogen - der Betrag unter dem Strich ist selbst pro Jahr einzuzahlen, damit die vollen Zulagen fließen. Er ist also in Wirklichkeit geringer als vier Prozent des eigenen Einkommens.

Anteilige Zulagen

Wer weniger einzahlt, erhält nur entsprechend anteilige Zulagen. Und wer ein sehr geringes oder gar kein Einkommen hat, zahlt den jährlichen Mindestbetrag von 60 Euro - also fünf Euro im Monat, erklärt die Initiative "Altersvorsorge macht Schule" in Berlin, ein Zusammenschluss von Rentenversicherung, Bundesregierung und Verbraucherschützern.

Huckepack-Riester

Neben den "unmittelbar" Förderberechtigten gibt es die Gruppe der "mittelbar" Zulagenberechtigten. So schließen Berufstätige für sich jeweils einen eigenen Vertrag ab - Vater und Mutter etwa. Die Kinderzulagen fließen in einen der Verträge. Wenn einer der Partner - häufiger die Frau - kein eigenes Einkommen hat, hat er aber "mittelbar" Anspruch auf die Zulagen, ohne selbst etwas einzuzahlen. Sie schließt dann einen Vertrag ab, ohne selbst etwas einzuzahlen, erklärt der Sprecher der Rentenversicherung. Die 154 Euro Grundzulage fließen dann in diesen Sparvertrag. Das nennt sich "Huckepack-Verfahren".

Riester ist nicht gleich Riester

Sparer sollten nach Empfehlung von Verbraucherschützern nicht vom Etikett "Riester" auf ein gutes Produkt schließen. Eine Untersuchung der Universität Bamberg zeigte jüngst, dass viele Riester-Angebote hinsichtlich Kosten und Transparenz unzureichend sind. Kunden erhalten häufig wenig Informationen darüber, welche Beträge genau von ihren Einzahlungen für Gebühren auf der Strecke bleibt. Das richtige Produkt zu finden, sei schwer - von einem funktionierenden Markt kann dem Fazit der Forscher zufolge weniger die Rede sein, "eher von einer Lotterie".

Über die Hälfte der t-online.de-Nutzer riestert nicht

Bei einer Umfrage unter 15.400 t-online.de-Nutzern gaben 57,2 Prozent an, dass sie überhaupt nicht riestern. 22,6 Prozent der Riester-Sparer unter den Befragten setzen auf eine geförderte Rentenversicherung. 15,4 Prozent sparen mit Riesterfondssparplänen fürs Alter. Banksparpläne (3,1 Prozent) sowie Wohn-Riester (1,7 Prozent) werden kaum von t-online.de-Lesern genutzt.

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