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Verkauf von Policen: Dubiose Geschäfte mit Lebensversicherungen

Verkauf von Policen  

Dubiose Geschäfte mit Lebensversicherungen

21.07.2010, 13:20 Uhr | apn, dapd

Verkauf von Policen: Dubiose Geschäfte mit Lebensversicherungen. Beim Verkauf einer Lebensversicherung sollte man die Seriosität des Anbieters prüfen (Foto: imago)

Beim Verkauf einer Lebensversicherung sollte man die Seriosität des Anbieters prüfen (Foto: imago)

Wer seine Lebensversicherung verkaufen möchte, sollte sich Interessenten und ihre Angebote ganz genau anschauen. Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbz) steigt die Zahl unseriöser Aufkäufer, die mit unrealistischen Gewinnversprechen auf Kundenfang gehen. Versprochen würden Renditen von bis zu 250 Prozent über dem Rückkaufswert des Versicherers. "Wir registrieren immer mehr solcher Angebote, und können nur davor warnen, denn unter den Aufkäufern gibt es zahlreiche schwarze Schafe und es drohen hohe Verluste", sagt vzbz-Finanzexperte Lars Gatschke.

Auszahlungssumme wird in geschlossene Fonds investiert

Die Betrüger kündigten die Police und investierten die Auszahlungssumme ganz oder teilweise in andere Kapitalanlagen wie geschlossene Fonds oder Immobilienwerte, erklärte Gatschke. Die dem Verkäufer zustehende Summe werde dann aber nicht auf einmal ausgezahlt, sondern in kleinen Beträgen über den Zeitraum von drei bis sieben Jahren verteilt. Wie viel Geld der Kunde letztlich bekomme, bleibe dabei ungewiss. Darüber hinaus entfalle auch der Todesfallschutz der Versicherung. "Der Kunde tauscht eine sichere Anlage gegen eine unsichere", sagte der Verbraucherschützer. Deshalb gelte: "Finger weg von solchen Geschäften."

Geld verschwindet im grauen Kapitalmarkt

Beim Bund der Versicherten (BdV) ist das Problem bekannt. "Wir haben mehrere Hinweise bekommen, dass unseriöse Anbieter am Markt aktiv sind", sagte BdV-Experte Hajo Köster. Meist verschwinde das ausgezahlte Geld aus den Lebensversicherungen in Beteiligungen am grauen Kapitalmarkt. Für die Kunden sei das Risiko unkalkulierbar. Sie sollten in jedem Fall auf eine Auszahlung des Gesamtbetrags bestehen, mahnte Köster. Wer vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen will und den mageren Rückkaufswert der Versicherung nicht akzeptiert, dem bleibt nach Meinung von Experten nur der seriöse Zweitmarkt: Unternehmen kaufen die Policen auf und führen sie weiter. Der Todesfallschutz bleibt erhalten, dafür verzichte der Kunde jedoch auf die Ablaufleistung des Versicherers zu Vertragsende, die an den Zweitmarkt-Aufkäufer fließt.

Restlaufzeit darf nicht mehr als 15 Jahre betragen

Das Geschäft ist den Angaben zufolge allerdings an zahlreiche Bedingungen gebunden: Oftmals werde ein Rückkaufswert von mindestens 10.000 Euro verlangt. In vielen Fällen dürfe die Restlaufzeit nicht mehr als 15 Jahre betragen. Nicht anerkannt würden in der Regel Fondspolicen oder Direktversicherungen. Außerdem müsse der Versicherungsschein von einem deutschen Anbieter stammen, hieß es.

Gebrauchte Versicherungen kaum gefragt

Verbraucherschützer empfehlen vor diesem Hintergrund nur Unternehmen, die Mitglied im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) sind. Diese aber kauften in Folge der Finanzkrise kaum noch Versicherungen, sagte Gatschke. Lag das Ankaufsvolumen 2007 noch bei 1,4 Milliarden Euro, waren es laut BVZL 2009 nur noch rund 100 Millionen Euro. Daneben könne die Versicherung auch auf der deutschen Policenbörse angeboten werden - einer Handelsplattform für Lebensversicherungen, von den Börsen Hamburg und Hannover initiiert. Hier können Kunden ihre Lebensversicherung an den Meistbietenden versteigern, Mindestgebot ist den Experten zufolge der Rückkaufswert der Versicherung. Ob sich eine solche Versteigerungsaktion lohnt, ist jedoch fraglich, denn Details zu den Versteigerungsergebnissen nennt die Börse nicht.

Alternative Beitragsfreistellung oder Beleihung

Darüber hinaus hätten Kunden die Möglichkeit, eine Beitragsfreistellung bei ihrem Versicherer zu beantragen. Außerdem könnten sie ihre Lebensversicherung beleihen. Ein solches Policen-Darlehen gewährten Versicherer oder auch Banken meist bis zur Höhe des aktuellen Rückkaufswertes. "Die Kunden sollten aber unbedingt mehrere Angebote vergleichen, denn bei den Darlehenszinsen gibt es große Unterschiede", sagte Köster.

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