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Lebensversicherung: Münchener Rück zweifelt am eigenen Geschäft

Münchener Rück zweifelt am eigenen Geschäft

18.08.2010, 09:21 Uhr | bv, t-online.de

Der Chef des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, hat das System der deutschen Lebensversicherungen in Zweifel gezogen. In einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) sagte er, ökonomisch betrachtet sei dieses Segment nicht mehr sehr ertragreich. Das Modell beruhe auf langfristigen Garantiezinsen für die Kunden. Diese Erträge könnten die Versicherungen beim derzeitigen Zinsniveau am Kapitalmarkt aber nur schwer erwirtschaften. Das Kapitalanlagerisiko liege bei den Versicherern, gleichzeitig stünden den Kunden aber 90 Prozent der Kapitalerträge zu.

Das Kerngeschäft der Münchener Rück (Munich Re) ist zwar die Rückversicherung, also die Versicherung von anderen Versicherungsgesellschaften. Dennoch gehören zum Unternehmen eine Reihe von Erstversicherern, in Deutschland zum Beispiel Ergo, ein großer Anbieter von Lebensversicherungen. Nach Zeitungsangaben verliert Ergo in diesem Bereich seit Jahren Marktanteile.

Darüber zeigte sich von Bomhard im Interview nicht beunruhigt. "Die Frage muss doch lauten: Wie ertragreich ist die deutsche Lebensversicherung bei ökonomischer Betrachtung?", sagte er der "FTD". "Die Antwort: Nicht sehr ertragreich, wie übrigens auch in anderen Ländern." Deshalb müsse sich die Münchener Rück sehr genau überlegen, in welchem Feld sie wachsen wolle.

Victoria Leben ohne Neugeschäft

Der Versicherungskonzern hatte kürzlich die Hamburg-Mannheimer, die Victoria und die KarstadtQuelle-Versicherungen unter dem Markennamen Ergo zusammengeführt. Die Victoria ist den Angaben zufolge durch die Aktienkrise von 2000 bis 2003 immer noch angeschlagen und kann ihren Kunden deshalb nur unterdurchschnittliche Zinsen gutschreiben, weshalb sie als kaum konkurrenzfähig gilt. Die Victoria Leben nehme vorläufig kein Neugeschäft mehr an, hieß es.

Kapitallebensversicherungen gehören zu den beliebtesten Altersvorsorgeprodukten, vor allem auch, weil sie aufgrund hoher Provisionen offensiv angeboten wird. Die Kunden dagegen schätzen die risikolose Anlage, auch wenn sie mit hohen versteckten Gebühren, niedrigen Rückkaufswerten in der Anfangszeit und geringer Rendite verbunden ist. Und Lebensversicherung wird gewählt, obwohl kaum ein Kunde den Vertrag über die zunächst geplanten Jahrzehnte durchhält.

Renditen bei Lebensversicherungen bröckeln

Zuletzt waren Kapitallebensversicherungen wieder in den Fokus gerückt, weil der Garantiezins ins Wanken kommt. Angeblich sollen neue Verträge bald nur noch für zwei Prozent zu haben sein, während es in den 90er Jahren noch vier Prozent waren. Zwar ist der Garantiezins nur die Mindestverzinsung des Vertrags - zusätzliche Renditebringer sind die Überschüsse, die die Gesellschaften mit risikoreicheren Investments wie Aktien erwirtschaften, aber nicht garantieren können. Aktien- und Finanzkrise haben die Anbieter hier vorsichtiger werden lassen, sodass Traumrenditen bei der Kapitallebensversicherung ein für alle mal der Vergangenheit angehören dürften.

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