Sie sind hier: Home > Finanzen > Altersvorsorge > Rentenbesteurung >

Studie: Rentenlücke größer als gedacht

Neue Studie zeigt: Rentenlücke größer als gedacht

25.04.2013, 07:55 Uhr | t-online.de

Studie: Rentenlücke größer als gedacht. Allein auf die staatliche Altersversorgung können sich Rentner in Deutschland in Zukunft nicht verlassen (Quelle: dpa)

Allein auf die staatliche Altersversorgung können sich Rentner in Deutschland in Zukunft nicht verlassen (Quelle: dpa)

Rentnern in Deutschland droht eine größere Lücke in der Altersversorgung als bislang angenommen: Um ihren Lebensstandard zu sichern, fehlen Ruheständlern im Durchschnitt 350 Euro pro Monat netto mehr als bisher geschätzt. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Die Forscher legten damit erstmals eine empirische Grundlage zur Berechnung der Vorsorgelücke in Deutschland vor.

Für die Untersuchung werteten die Experten im Auftrag des unabhängigen Vermögensverwalters Fidelity Worldwide Investment Daten des Sozio-ökonomischen Panels des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW Berlin aus, einer repräsentativen Längsschnittbefragung von 20.000 Personen in rund 11.000 privaten Haushalten.

Bedarf steigt auf 87 Prozent des letzten Nettoeinkommens

Das zentrale Ergebnis der Analyse: Entgegen bisherigen Schätzungen sollten bei Eintritt in den Ruhestand nicht rund 70 Prozent, sondern vielmehr rund 87 Prozent des letzten Nettoeinkommens erreicht werden, um den Bedarf zu decken. Allerdings ersetzte die gesetzliche Rente im Idealfall zuletzt lediglich knapp 60 Prozent. In der Realität ist die Situation aufgrund brüchiger Erwerbsbiografien, Teilzeitphasen und Auszeiten meist noch viel dramatischer.

So ergibt sich für das Jahr 2013 auf der Basis vorläufiger Zahlen sogar nur noch ein Nettorentenniveau von rund 55 Prozent. Damit beträgt die Vorsorgelücke statt der bisher angenommenen zehn Prozentpunkte tatsächlich 32 Prozentpunkte, bei Lücken in der Erwerbsbiografie sogar 40 Prozentpunkte.

Rentner müssen mit 650 Euro weniger auskommen

Die Forscher ermittelten: Einem Rentner fehlen im Schnitt bei durchgängiger Erwerbsbiografie künftig jeden Monat 650 Euro netto in der Tasche - 350 Euro mehr als bislang gedacht. Das Beispiel wurde auf Basis des durchschnittlichen Bruttoverdienstes aktiver Versicherter von rund 34.000 Euro (vorläufiger Jahreswert für 2013 lt. Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung) und dem Betrag einer Standardrente im ersten Halbjahr 2013 errechnet. Das erreichte Netto-Rentenniveau nach Steuern beträgt dabei rund 55,2 Prozent.

"Der Bedarf an ergänzender Vorsorge ist höher als bisher von der Fachwelt angenommen", sagte Klaus Mössle, Leiter Institutionelles Geschäft bei Fidelity Worldwide Investment. Mit deutlichen Folgen für die Bürger, denn diese müssen den neuesten Erkenntnissen zufolge deutlich mehr für ihre Altersvorsorge tun.

Auf weitere Altersvorsorge angewiesen

Wer kein großes Vermögen angehäuft oder ein Erbe zu erwarten hat, ist auf eine ergänzende private und betriebliche Vorsorge angewiesen, um im Alter seinen gewohnten Lebensstandard zu halten. Das gilt vor allem für niedrige Einkommensgruppen mit geringen Rentenansprüchen. Zwar reduziert sich der Bedarf den Forschern zufolge während der Rentenphase geringfügig, doch aufgrund der Inflation bleibt die Ersatzrate nahezu unverändert bei rund 85 Prozent des letzten Nettoeinkommens.

Bislang stammen die Altersbezüge in Deutschland noch zu fast 90 Prozent aus der gesetzlichen Rente. Die private Altersvorsorge kommt trotz staatlicher Förderung nur schleppend voran. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wer private Vorsorge betreibt, neigt aufgrund der vergangenen Krisenjahre eher zu vermeintlich sicheren Festzinsanlagen, was den Vermögensaufbau aufgrund des Niedrigzinsumfeldes und der Inflation jedoch hemmt.

Mehr betriebliche Altersversorgung gefordert

Außerdem sind immer weniger Bürger gewillt, lang laufende Rentenverträge einzugehen. Auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) in Deutschland führt im internationalen Vergleich eher ein Schattendasein. So stammen in Dänemark bereits 17 Prozent der Altersbezüge aus der betrieblichen Altersvorsorge, in den Niederlanden sogar ein Drittel.

Hierzulande nutzen jedoch nur wenige Beschäftigte ihren seit 2002 gesetzlich verankerten Anspruch auf Entgeltumwandlung. "Der Anteil der betrieblichen Altersvorsorge an den Gesamtrentenbezügen liegt in Deutschland lediglich bei vier Prozent. Künftig werden jedoch 25 bis 30 Prozent notwendig sein, um diese deutlich höhere Ersatzquote von 87 Prozent zu erreichen", sagte Mössle.

Mössle plädiert dafür, die bAV zu einer tragenden Säule neben der privaten Vorsorge nach dem Vorbild vieler europäischer Länder auszubauen: "Hier müssen neue Wege beschritten werden. Wir befürworten die Einführung einer automatischen Entgeltumwandlung mit Ausstiegsmöglichkeit und voller Beitragsflexibilität für den Arbeitnehmer. Diese Vorsorgepflicht sollte in jedem Arbeitsvertrag verankert sein."

Staatlicher Handlungsspielraum begrenzt

Vom Staat ist demnach nach den jüngsten Rentenreformen und wegen der massiven Staatsverschuldung kaum mit Unterstützung zu rechnen. So wird das Leistungsniveau der Gesetzlichen Rentenversicherung bis zum Jahr 2030 auf nur 43 Prozent sinken - bei fast unverändertem Rentenbeitrag und höherem Renteneintrittsalter.

Die westlichen Staaten hätten in wirtschaftlichen und demografischen Boom-Zeiten zu Lasten der kommenden Generationen zu viel versprochen, erklärte Mössle. Das könne auch die zögerliche Haltung der Deutschen bei der Vorsorge begründen. Zudem erschienen vielen die drohende Rentenlücke aufgrund der unterschiedlichen Schätzungen immer zu vage. "Bislang wussten die Bürger ja nicht, wie hoch ihre Rentenlücke im Alter und damit ihr Sparziel überhaupt sind."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal