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Warum Lebensversicherer zu hohe Zinsen versprechen

Staatliche Höchstgrenze  

Warum Lebensversicherer zu hohe Zinsen versprechen

09.01.2014, 11:25 Uhr | Spiegel Online

Warum Lebensversicherer zu hohe Zinsen versprechen. Gerade mal 1,25 Prozent Zinsen sollen Lebensversicherer ihren Kunden ab 2015 noch garantieren dürfen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gerade mal 1,25 Prozent Zinsen sollen Lebensversicherer ihren Kunden ab 2015 noch garantieren dürfen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit einer erneuten Senkung der garantierten Verzinsung will die Politik die schwachen Unternehmen der Branche vor dem Ruin schützen. Dabei hätte es denen schon immer freigestanden, weniger Zinsen zu zahlen. Sie trauten sich bisher einfach nur nicht.

Noch lieben die Deutschen ihre Lebensversicherung: 89 Millionen Verträge haben sie insgesamt abgeschlossen. Doch je weiter die Zinsen fallen, desto unattraktiver wird das Produkt.

Garantieverzinsung sinkt erneut

Zum 1. Januar 2015 soll die gesetzlich garantierte Verzinsung ein weiteres Mal gesenkt werden. Statt 1,75 Prozent pro Jahr gäbe es dann gerade mal noch 1,25 Prozent sicher. So hat es jedenfalls das Expertengremium der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) der Bundesregierung gerade vorgeschlagen. Ein Mickerzins verglichen mit dem, was jahrzehntelang üblich war.

Noch bis zum Jahr 2000 lag der gesetzliche Garantiezins bei vier Prozent. Wer damals einen Vertrag abgeschlossen hat, kann sich heute darüber freuen. Er bekommt die versprochenen Zinsen über die gesamte Vertragslaufzeit.

Versicherer stecken in der Bredouille

Genau das ist allerdings das Problem einiger Versicherungsunternehmen: Sie haben früher so hohe Zinsen versprochen, dass sie heute ins Schleudern geraten. Schon Ende 2012 hatten deshalb die Experten des Bundesfinanzministeriums Alarm geschlagen: In einem Schreiben an den Finanzausschuss des Bundestags warnten sie, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten gerieten.

Vor einigen Wochen legte die Rating-Agentur Moody's nach: Die deutschen Versicherer, so der Tenor ihrer Studie, seien besonders anfällig für die negativen Folgen der aktuellen Niedrigzinsphase an den Finanzmärkten - und müssten deshalb langfristig mit Verlusten rechnen.

Tatsächlich machen die niedrigen Zinsen den Lebensversichern besonders zu schaffen. Sie investieren das Geld ihrer Kunden traditionell vor allem in festverzinsliche Anlagen, also genau in jene Papiere, die unter der weltweiten Niedrigzinspolitik der Zentralbanken kaum mehr Erträge abwerfen. Lediglich die alten, zu Hochzinszeiten gekauften Papiere bringen noch ordentliche Renditen - und sorgen dafür, dass die Versicherer ihre Versprechen aus der Vergangenheit einhalten können. Doch auch diese Anlagen laufen irgendwann aus. Sollten sich die Zinsen an den Finanzmärkten bis dahin nicht erhöht haben, könnte es gerade für kleinere und mittelgroße Versicherungsunternehmen eng werden.

Diese Unternehmen dürften sich freuen, wenn die gesetzliche Grenze für die Garantieverzinsung auf 1,25 Prozent fällt. Für andere Versicherer wäre die deutliche Senkung dagegen ein Nachteil. Sie könnten sich durchaus höhere Versprechen leisten.

Viele Unternehmen haben die Zinsen zu spät gesenkt

Experten monieren, dass gerade die schwächeren Versicherer ihre Garantiezusagen viel zu spät gesenkt haben. Anders als viele Kunden meinen, ist die gesetzliche Garantieverzinsung nämlich eine Höchstgrenze. Sie soll die Kunden vor unseriösen Versprechen der Versicherer schützen. Die Unternehmen müssen diese Grenze aber keineswegs ausreizen. Es stand ihnen schon immer frei, niedrigere Garantiezinsen zu bieten. Das hat nur kaum jemand gemacht - wer will im Wettbewerb schon weniger bieten als die Konkurrenz?

Zudem fällt so ein Versprechen natürlich leichter, wenn es - wie bei Lebensversicherungen - möglichst weit in die Zukunft reicht. Wenn es eingelöst werden muss, ist der verantwortliche Versicherungsmanager oft schon selbst in Rente.

Wenn es gut läuft, ist der Garantiezins ohnehin nur ein Teil der Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung, also der Anteil an den erwirtschafteten Gewinnen.

2013 boten die deutschen Versicherer deshalb im Schnitt 3,6 Prozent laufende Verzinsung. Am Ende des Vertrags gibt es obendrauf noch einen sogenannten Schlussüberschuss und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven. So lockt der Marktführer Allianz noch immer mit einer Gesamtverzinsung von 4,2 Prozent - die für den Kunden allerdings keineswegs gesichert sind.

Zehn Prozent der Gelder für Vertriebskosten

Auch die Kosten für die Versicherten sind dabei noch nicht eingerechnet. Im Schnitt werden nämlich nur etwa 90 Prozent der eingezahlten Gelder verzinst, der Rest geht für Vertriebskosten drauf, vor allem für die Provisionen der Verkäufer. Aber auch der Aufwand, die eigenen Zinsversprechen mit entsprechenden Finanzprodukten abzusichern, kostet Geld.

Branchenriesen bieten Policen ohne Garantieverzinsung an

An diesem letzten Punkt setzt eine neue Idee der Versicherungsbranche an: Sie will in Zukunft vermehrt Policen ohne Garantieverzinsung anbieten - und so Kosten sparen. Allianz und Ergo sind im vergangenen Jahr bereits vorgeprescht und haben entsprechende Produkte auf den Markt gebracht.

Beide garantieren Sparern nur noch den Erhalt der eingezahlten Beiträge, dafür sollen die Renditen steigen. Damit machen Lebensversicherer endlich einmal von der Möglichkeit Gebrauch, den staatlich vorgesehenen Höchstzins zu unterschreiten.

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