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Plädoyer für andere Investmentkultur - Umdenken bei der Altersvorsorge

Umdenken  

Ein Plädoyer für eine andere Investmentkultur

24.03.2014, 12:18 Uhr | von Thomas Böckelmann für T-Online.de

Plädoyer für andere Investmentkultur - Umdenken bei der Altersvorsorge. Wer im Alter nicht jeden Cent zweimal umdrehen möchte, sollte eigenverantwortlich für das Alter vorsorgen (Quelle: Archiv)

Wer im Alter nicht jeden Cent zweimal umdrehen möchte, sollte eigenverantwortlich für das Alter vorsorgen (Quelle: Archiv)

Die Zinsen befinden sich derzeit auf einem historischen Tief. Eine Tatsache, die mittlerweile auch dem Letzten bekannt sein müsste. Dennoch lassen viele Deutsche ihr Vermögen in renditearmen Anlagen versauern. Experte Thomas Böckelmann erklärt, warum ein Umdenken beim Investment, vor allem in Hinblick auf die Altersvorsorge, dringend notwendig ist.

Das Wehklagen über das niedrige Zinsniveau für die eigenen Spareinlagen und Tagesgelder ist Ausdruck des Finanz-Analphabetismus in unserem Land. Die Beweise dafür finden sich in den Monatsberichten der Deutsche Bundesbank sowie in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. 70 Prozent des Geldvermögens sind vorwiegend in Bankeinlagen geparkt oder in Zinspapieren unterhalb der Inflationsrate angelegt.

"Dumb German Money"

Die Leistungsbilanzüberschüsse werden seit Jahrzehnten durch schlechte Geldanlagen in Form von Steuersparmodellen oder exotischen Anlagen in Teilen verschenkt. Im Ausland hat dies den Begriff vom "Dumb German Money" geprägt. Gleichzeitig erzielen ausländische Investoren mit deutschen Aktien seit Jahren hervorragende Renditen. Leider geht diese Entwicklung an den risikoaversen deutschen Anlegern völlig vorbei - nur fünf Prozent haben Aktien oder Aktienfonds in ihrer Vermögensanlage.

Es sind somit nicht nur die niedrigen Zinsen, die für eine zunehmend schwierige Altersvorsorge verantwortlich sind - im Wesentlichen ist es die fehlende Investmentkultur.

Sicherer Hafen Deutschland

Niedrige Zinsen sind Ausdruck des internationalen Vertrauens in Deutschland als sicherer Hafen sowie Folge der künstlich niedrigen Zinsen in der Eurozone im Rahmen der Rettungsmaßnahmen für die Peripherie. Die Politik kann sich angesichts der gegebenen Überschuldung ein höheres Zinsniveau faktisch nicht leisten.

Wenn Deutschland plant, im Jahr 2015 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Seit 1969 geben die deutschen Regierungen jedes Jahr mehr aus als sie einnehmen. Der Hinweis, die Überschuldung sei Folge der Finanzkrise, ist angesichts dieser traurigen Tatsache ein schauriges Märchen. Der politische Sparbegriff in der Eurozone ist entartet. Unter "Sparen" wird verstanden, weniger neue Schulden zu machen. Gleichzeitig wird solides ordentliches Wirtschaften als ungerecht verurteilt.

In der Konsequenz werden mit der Rente ab 63, dem Zugriff auf die Sozialkassen zur Staatsfinanzierung, der Teilenteignung von Versicherungssparern sowie einer konzeptionslosen Anlegerschutzpolitik immer noch die völlig falschen Signale an die Anleger gesendet.

Rente nur noch als Mindestsicherung

Folglich wird immer noch in großen Teilen der Bevölkerung ignoriert, dass mit Tagesgeld und der gesetzlichen Rente der Lebensunterhalt im Alter nicht mehr gesichert werden kann. Insbesondere die Rente dürfte für die nächste Generation kaum mehr leisten können als eine Mindestsicherung.

Erschreckend ist das Ergebnis einer Umfrage, nach der sechs von zehn Personen in Deutschland glauben, Einzahlungen in die Rentenversicherung würden für die Zukunft angelegt. Die Mehrheit weiß nicht, dass jeder Euro "Einzahlung" sofort an die bestehende Gemeinschaft der Rentner ausgezahlt wird. Tatsächlich bedeutet die "Einzahlung" nur einen Anspruch gegen zukünftige Generationen, deren Wert de facto unbestimmt ist.

Es wird Zeit, sich dieser Realität zu stellen und eigenverantwortlich für das Alter vorzusorgen. Deutschland als eines der wirtschaftlich stärksten Länder sowie die globalisierte Welt laden mit ihren Aktienmärken ein, sich an innovativen, wachstumsstarken Unternehmen zu beteiligen. Nur die Investition in Produktivkapital hat das Potential, die für das Alter erforderlichen Renditen zu verdienen.

Natürlich sollte sich aber ein Engagement an der eigenen Risikotragfähigkeit orientieren. Insofern scheint eine ausgewählte Mischung aus internationalen Aktien und internationalen Zinspapieren sowie einer Portion Gold eine solide Grundlage für den Aufbau und Erhalt eines Vermögens. Der Blick auf Zinsanlagen allein führt hingegen in die Sackgasse.

Thomas Böckelmann (Quelle: privat)Thomas Böckelmann (Quelle: privat)

Der Autor, Thomas Böckelmann, ist geschäftsführender Gesellschafter der Veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung mbH in Ravensburg. Der Bankbetriebswirt und Investmentanalyst war vor der Gründung seines eigenen Unternehmens unter anderem für die Großbank HSBC als Spezialist für Investmentstrategien und Asset Allocation (Vermögensstruktur) zuständig und verfügt über eine mehr als 20-jährige Erfahrung an den internationalen Kapitalmärkten.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

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