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Rentenversicherung: Rosig ist nur der erste Blick auf die Rentenkasse

Sinkende Beiträge, steigende Renten  

Rosig ist nur der erste Blick auf die Rentenkasse

01.01.2015, 15:31 Uhr | dpa-AFX

Rentenversicherung: Rosig ist nur der erste Blick auf die Rentenkasse. Die Rücklagen in den Rentenkassen sind erfreulich, reichen aber nicht für eine überalterte Bevölkerung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Rücklagen in den Rentenkassen sind erfreulich, reichen aber nicht für eine überalterte Bevölkerung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf den ersten Blick scheint die Lage der gesetzlichen Rentenversicherung rosig zu sein. Auf 33 Milliarden Euro belaufen sich die Reserven der Rentenkasse. An Neujahr sind die Beiträge gesunken. Mitte des Jahres sollen dann die Renten steigen. Doch die weiteren Aussichten bereiten Experten Sorge.

Seit dem 1. Januar beträgt der Beitragssatz 18,7 Prozent, 0,2 Punkte niedriger als vorher. Die konjunkturbedingt hohen Reserven sollen den Versicherten zugute kommen. Die gut 20 Millionen Rentner können sich 2015 zudem auf ein Rentenplus von ein bis zwei Prozent einstellen. Das bringt mehr Kaufkraft, die Inflation ist niedriger. Doch so gut wird die Lage kaum bleiben. Immer mehr Rentnern stehen in den kommenden Jahrzehnten wegen des Älterwerdens der Gesellschaft immer weniger Einzahler in die Rentenkasse gegenüber. Sozialverbände warnen: Etwa gering verdienende Erzieherinnen oder Pflegekräfte könnten vermehrt in die Grundsicherung abrutschen.

Demografie-Reserven sollten aufgebaut werden

Die Politik hat festgelegt, dass bis 2030 der Beitragssatz nicht über 22 Prozent steigen und das Rentenniveau nicht unter 43 Prozent sinken soll. Das Rentenniveau bezeichnet das Verhältnis vom Renten- zum Arbeitseinkommen. Die Deutsche Rentenversicherung "Bund" geht davon aus, dass diese Ziele erreicht werden könnten. Doch ohne neue Weichenstellungen steige nach 2030 der Beitragssatz - und das Rentenniveau falle weiter.

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hält es deshalb für falsch, dass die Bundesregierung die Beiträge zur Rentenversicherung abgesenkt hat, statt eine Demografie-Reserve aufzubauen. "Die Bundesregierung muss Maßnahmen ergreifen, welche die Renten langfristig armutsfest machen", verlangt Hoffmann.

Schwarz-roter Rentenkurs kostet Milliarden

Der bisherige schwarz-rote Rentenkurs war vor allem auf mehr Leistungen angelegt: durch die abschlagsfreie Rente mit 63 für langjährige Beitragszahler und die erweiterte Mütterrente. Beides kostet die Rentenkasse Milliarden. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer fordert: "Nach dem milliardenschweren Rentenpaket darf es keine weiteren Reformrücknahmen und teuren Leistungsausweitungen geben." Für Hoffmann war es ein ökonomischer Unfug, "die an sich sinnvolle Mütterrente nicht aus Steuern, sondern aus Beiträgen zu finanzieren".

In 2015 kommt auf Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) in allen Bereichen der Altersvorsorge Arbeit zu: bei der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Vorsorge.

Eine Koalitions-Arbeitsgruppe zu flexibleren Renten-Übergängen bei der gesetzlichen Rente hatte bis zum Jahresende Ergebnisse vorlegen wollen. Doch bei Schwarz-Rot gab es noch reichlich Dissens. Ende Januar soll erneut getagt werden. Klar scheint, dass ältere Arbeitnehmer künftig leichter in Teilrente gehen und mehr als bisher hinzuverdienen können sollen. Zurzeit können Arbeitnehmer bereits ab 63 weniger arbeiten und Teilrente mit Abschlag kassieren. Doch bei 450 Euro Zuverdienst ist Schluss. Sonst werden die Bezüge stark gekürzt. Die Kombirente mit einer individuellen Hinzuverdienstgrenze könnte kommen - so dass man mit Teilrente den besten Verdienst der vergangenen 15 Jahren erreicht. Entsprechende Pläne hatte es schon 2013 bei Schwarz-Gelb gegeben.

In Deutschland haben nur knapp zwei von drei Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen hinken hinterher. Verbesserungen sollen im Zuge der Umsetzung von EU-Recht auf den Weg gebracht werden. Forderungen aus der Koalition zielen unter anderem auf eine Verpflichtung der Arbeitgeber. Diese sollen den Arbeitnehmern das Angebot machen, einen Teil des Einkommens steuer- und sozialabgabenfrei für das Alter zur Seite zu legen.

Die Riester-Rente erfüllt die Erwartungen nicht. Die Zahl der Verträge für die kapitalgedeckte Privat-Absicherung mit Staatsförderung stagniert seit Jahren. Nur 6,4 Millionen Versicherte zahlen den vollen Satz von vier Prozent des Bruttoeinkommens und nur sie bekommen die volle Zulage. Dieses System will Nahles überprüfen. Genauere Pläne sind noch nicht öffentlich.

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