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Das gefährliche Spiel der "Generation der Erben"

Kein Interesse an der Zukunft  

Das gefährliche Spiel der "Generation der Erben"

02.09.2015, 15:14 Uhr | rtr, dpa, t-online.de

Das gefährliche Spiel der "Generation der Erben". Momentan geht es der "Generation Mitte" gut, doch die Zukunft macht Sorgen. (Quelle: dpa)

Momentan geht es der "Generation Mitte" gut, doch die Zukunft macht Sorgen. (Quelle: dpa)

Als "Generation der Erben" hat man sie bezeichnet. Jetzt zeigt eine Umfrage: Mit größeren Summen können nur die wenigsten rechnen. Doch über eine andere Altersvorsorge wollen sie trotzdem nicht nachdenken. Das ist ein Schuss, der nach hinten losgehen kann.

So zufrieden wie jetzt war die "Generation Mitte" lange nicht. Im Moment haben die Menschen zwischen 30 und 59 Jahren in Deutschland so viel Geld wie noch nie: Ihre Vermögen in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen sind laut Bundesbank zuletzt auf das Rekordniveau von 5212 Milliarden Euro geklettert. Immer größere Vermögen werden damit auch vererbt - wie viel ist allerdings umstritten.

Nach aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts summierten sich die Erbschaften 2013 auf 30,5 Milliarden Euro. Die Postbank schätzt sogar, dass in diesem Jahr bundesweit 274 Milliarden Euro vererbt werden. 2020 könnten es schon 330 Milliarden sein.

Die Zukunft macht Sorgen

Und doch - zu diesem Schluss kommt das Allensbach-Institut in einer nun präsentierten Umfrage - rechnen nur 22 Prozent der 30- bis 59-Jährigen in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten mit einer Erbschaft. 15 weitere Prozent haben gerade eine gemacht, vier Prozent werden ein zweites Mal erben. "Es wird immer vermutet, dass viele für die Altersvorsorge auf Erbschaften setzen können. Das zeigt sich aber nicht so", sagt Alexander Erdland, der Präsident der deutschen Versicherer.

Wer eine Erbschaft erwartet, plant sie zwar häufig für die Altersvorsorge ein. Aber nur in den wenigsten Fällen kann das Geld von Opa oder Großtante nennenswert dazu beitragen, sagen die Meinungsforscher. Nur jeder zwanzigste Erbe rechne mit einem Nachlass von mehr als 300.000 Euro.

Wie so häufig trifft es dabei die, die eine Finanzspritze nicht unbedingt nötig hätten: "Diejenigen, die nennenswerte Erbschaften machen werden, sind die, die jetzt schon gut begütert sind", sagt Erdland. In niedrigen sozialen Schichten erbt der Umfrage zufolge jeder vierte, in hohen mehr als jeder zweite. Meinungsforscherin Köcher bringt es auf den Punkt: "Erbschaften werden zunehmend zum Faktor - aber selektiv nur in bestimmten Schichten."

"Generation Mitte" sorgt nicht vor

Das paradoxe an der Situation: Zwar macht sich fast jeder zweite Deutsche mittleren Alters Sorgen um seine Altersversorgung, dennoch werden viel zu Wenige aktiv, um im Rentenalter besser aufgestellt zu sein. Annähernd die Hälfte aller 30- bis 59-Jährigen hat Zweifel, dass die Vorsorge für den Lebensabend ausreicht, unter den Befragten mit niedrigem sozioökonomischem Status sind es sogar zwei Drittel.

Die "Generation Mitte" misst dem Lebensstandard im Alter zwar einen hohen Stellenwert zu, aber sie sorgt nur unzureichend dafür vor. Drei von vier Befragten gaben an, ihre finanzielle Zukunft gar nicht zu planen oder nur eine grobe Vorstellung davon zu haben. Nur 41 Prozent rechnen damit, von den hohen Vermögenswerten zu profitieren, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vererbt werden.

Wer im Alter nicht aufs Erbe setzen kann, muss anders planen. Doch die Zahl der Nicht-Vorsorger stieg in den vergangenen drei Jahren auf 22 Prozent. "Bei der Altersvorsorge ist der Schwung verloren gegangen", sagt Erdland.

Mangelnde Vorsorge hat viele Gründe

Warum wird also weniger vorgesorgt? In den unteren sozialen Schichten fehlten zum Teil die Möglichkeiten, sagt Köcher. Zugleich seien Sparen und Anlegen derzeit nicht attraktiv. "Eine risikofreie gute Rendite ist gerade nicht realisierbar."

Und dann ist diese Generation auch noch die "Generation der Zufriedenen": 91 Prozent der 30- bis 59-Jährigen bewerten die Lebensqualität in Deutschland derzeit als gut bis sehr gut. So richtig was ändern wollen sie nicht. "Das hat damit zu tun, dass die finanziellen Spielräume wachsen und sich die Staatsfinanzen positiv entwickeln", meint Köcher. Es steige auch das Vertrauen in die staatliche Absicherung.

Doch das könne trügerisch sein, meint die Meinungsforscherin. "Ich verstehe nicht, warum die Leute das Interesse an der eigenen Zukunft verlieren."

 (Quelle: dpa)

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