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Rente: Männer bekommen immer noch doppelt so viel wie Frauen

Männer bekommen das Doppelte  

Altersrente spiegelt die Ungleichheit der Geschlechter

16.03.2016, 15:08 Uhr | dpa, t-online.de

Rente: Männer bekommen immer noch doppelt so viel wie Frauen. Weniger Lohn, weniger Rente - so ungleich ist die Alterssicherung. (Quelle: dpa)

Weniger Lohn, weniger Rente - so ungleich ist die Alterssicherung. (Quelle: dpa)

Nicht nur beim Lohn klafft in Deutschland eine große Lücke zwischen Frauen und Männern, bei den Altersrenten ist der Abstand sogar noch gravierender. Das dokumentiert eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Bei den Alterseinkünften besteht eine riesige Kluft zwischen Frauen und Männern. Sie werde aber langsam kleiner, weil mehr Frauen erwerbstätig seien und Erziehungszeiten besser anerkannt würden. Die Rente sei ein "Spiegelbild der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bei der Erwerbsbeteiligung" - das ist die Kernaussage der Erhebung.

Dreifache Betriebsrente für Männer

Als gesetzliche Altersrente erhielten der Studie zufolge Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro. Bei den Betriebsrenten sei der Unterschied noch größer: Männer bezogen hier 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld wie Frauen.

 (Quelle: Statista.com) (Quelle: Statista.com)

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Rechnet man alle Alterseinkünfte einschließlich privater Vorsorge zusammen, bekommen Frauen nach Erkenntnissen der Rentenforscherin Brigitte Loose nur 43 Prozent der Bezüge der Männer. 1992 sei der Unterschied aber noch größer gewesen: Damals lagen die Frauen laut der Mitteilung nur bei 31 Prozent des Männer-Niveaus.

Diese Fakten heben die Autoren besonders hervor:

  • Frauen haben einen um 57 Prozent geringeren eigenen Rentenanspruch als Männer.
  • In Ostdeutschland ist der Gender Pension Gap deutlich niedriger als in Westdeutschland.
  • In den letzten Jahren hat sich der Gender Pension Gap verringert.

 

Drei-Säulen-Modell ist gescheitert

Alles in allem sei die Rentenlücke angesichts steigender Frauenerwerbstätigkeit und stärkerer Anerkennung von Erziehungszeiten zuletzt zwar kleiner geworden, resümieren die Autoren. Es sei aber noch viel zu tun. Notwendig für eine eigenständige Alterssicherung wären Verbesserungen bei den Erwerbschancen und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Zudem gehörten die Rentenreformen des vergangenen Jahrzehnts auf den Prüfstand: Die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente hätten das Risiko der Altersarmut erhöht, das Drei-Säulen-Modell sei insgesamt gescheitert und habe die Geschlechterunterschiede zum Teil sogar verstärkt. Empfohlen wird die Rückbesinnung auf eine gesetzliche Rente, die sich an der Sicherung des Lebensstandards orientiert.

"Der Mann ist keine Altersvorsorge"

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende kommentiert die Ergebnisse folgendermaßen: "Aus der Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern wird im Lauf der Jahre eine enorme Rentenlücke. Frauen sind häufiger vom Staat abhängig - oder vom Renteneinkommen des Partners. Doch der Mann ist keine Altersvorsorge." Dies dokumentiere drastisch die mangelnden Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Daran würden auch kostspielige Wohltaten wie die Mütterrente für die von Altersarmut betroffenen Frauen nur wenig ändern. "Um langfristig etwas zu ändern, muss die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen über den gesamten Erwerbsverlauf in den Handlungsfokus genommen werden. Wir brauchen Erwerbsanreize statt Fehlanreize", fordert die Gewerkschaftsfrau. Bröckelnde Normalarbeitsverhältnis. Arbeitslosigkeit, niedrigere Einkommen und die Zunahme an Teilzeitjobs würden heute auch Männer betreffen und sich entsprechend negativ auf ihre Renten auswirken, auch das verringere die Rentenlücke. "Klar ist, dass wir insgesamt zunächst eine Stabilisierung des derzeitigen Rentenniveaus brauchen." 

"Es liegt nicht nur an männlichen Seilschaften"

Eva Völpel vom Verdi-Bundesvorstand fordert, der Ungleichheit entgegenzuwirken: "Es gibt viele strukturelle Gründe, die dazu führen, dass Frauen deutlich niedrigere Renten erhalten als Männer. Um gegenzusteuern braucht es unter anderem Lohngerechtigkeit, ein Rückkehrrecht auf Vollzeit, eine Aufwertung frauentypischer Berufe, das Zurückdrängen von prekären Arbeitsverhältnissen wie unfreiwillige Teilzeit oder Minijobs, bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten aber auch eine allgemeine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Es liegt also vielfach nicht nur an Seilschaften oder persönlichen Verhaltensweisen, sondern an strukturellen Bedingungen." 

Equal Pay Day ist am 19. März

Die Studie erscheint zum sogenannten Equal Pay Day, dem Aktionstag für die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, der in Deutschland in diesem Jahr am 19. März begangen wird. Gemeint ist der Tag, bis zu dem Frauen statistisch gesehen arbeiten müssten, um das Einkommen zu erzielen, das Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres hatten. Frauen verdienen durchschnittlich immer noch 21 Prozent weniger als Männer. Bei gleicher Qualifikation, Position und Arbeitszeit sind es immerhin noch sieben Prozent. Das garantiert auch für die Zukunft eine große Rentenkluft. 


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