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"Hart aber fair": Heiße Debatte um Rente bei Frank Plasberg

Reizthema Rente bei Plasberg  

"Hört doch mal auf mit den albernen Spielchen!"

26.04.2016, 16:05 Uhr | Nico Damm, t-online.de

"Hart aber fair": Heiße Debatte um Rente bei Frank Plasberg. Plasberg musste seine polternden Gäste beim Rententalk häufig zur Ordnung rufen. (Quelle: Screenshot: ARD)

Plasberg musste seine polternden Gäste beim Rententalk häufig zur Ordnung rufen. (Quelle: Screenshot: ARD)

Nur noch ein Drittel der Deutschen glaubt, von der gesetzlichen Rente einmal leben zu können. Seit einer viel beachteten WDR-Studie ist das Thema wieder voll da - und wurde bei Frank Plasberg entsprechend hitzig debattiert.

Da hatte es der Moderator wirklich nicht leicht, verschaffte sich aber immer wieder Gehör, indem er körperlich Präsenz zeigte - und Fakten präsentierte. Zum Beispiel, dass Riester mit 16,5 Millionen abgeschlossenen Verträgen eines der meistverkauften Versicherungsprojekte der Welt ist. Und jetzt von Politikern fast aller Couleur als historischer Fehler gewertet wird.

Streitpunkt Riester-Rente

Sogar CSU-Chef Horst Seehofer, einst großer Befürworter, erklärt die Riester-Rente für "gescheitert", woran einer von vielen hilfreichen Einspielern erinnerte.

Da mutete es einigermaßen seltsam an, dass die Talk-Gäste fast ausnahmslos aus Parteien und Institutionen kamen, die für die Riester-Rente werben, geworben haben oder sie sogar selbst einführten: Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) und Lencke Steiner (FDP) erklären den Patienten noch nicht für tot und wollen lediglich nachbessern.

Ralf Stegner, stellvertretender SPD-Chef, schlug in Sachen Riester eher leise Töne an. Und mit Plasbergs Lieblings-Finanz-Talk-Gast Hermann-Josef Tenhagen ("Finanztipp") war ein Journalist zugegen, der schon in seiner Zeit als "Finanztest"-Chefredakteur kräftig für Riester warb und es heute weiter praktiziert ("Gerade Geringverdiener können beim Riestern tatsächlich Gewinn machen").

"Wie bescheuert muss man sein?"

Da ist Ulrich Schneider schon weiter: Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hat seine eigene Riester-Rente gekündigt, wie er freimütig zugab: "Ich habe das in einer stillen Stunde ausgerechnet und gesehen: Ich muss an die 90 werden um überhaupt rauszukriegen, was ich eingezahlt habe."

Woraufhin ihn Tenhagen massiv anging: "Wie bescheuert muss man sein, das zu kündigen?" Ohnehin sei Riester nicht dafür gemacht worden, Altersarmut zu verhindern. Wofür ist Riester dann da? Da hakte seltsamerweise niemand nach.

Immerhin sah auch der Journalist ein Kernproblem: die niedrigen Löhne.
Wer heute den Mindestlohn bekomme, müsse 63 Jahre in Vollzeit arbeiten, um überhaupt das Niveau der Grundsicherung zu bekommen. Anlass für Spahn, die jüngste Rentenerhöhung ins Feld zu führen – und die Rente mit 70 zu verteidigen. Das führte wiederum zu heftigen Wortgefechten mit Stegner – Plasberg musste mehrfach dazwischen gehen und rutschte vor Aufregung schon mal ins "Du": "Hört doch mal auf mit den albernen Spielchen!"

Niedriges Gehalt, niedrige Rente

Stegner sah die Geringverdiener dreifach im Nachteil: Niedriges Gehalt, niedrige Rente, größeres Risiko, es aufgrund harter körperlicher Arbeit nicht bis zur 70 zu schaffen: Wie ein "Attentat auf Geringverdiener“ sei das. Am Ende hätten vor allem die Versicherer von Riester profitiert.

Darüber hinaus fördere der Staat noch die falschen Sparer, klärte ein Einspieler auf: Nur zwei Prozent der Förderung gehe an Haushalte mit weniger als 10.000 Euro Jahreseinkommen.

Die Große Koalition war auch bei Plasberg im Zoff: Stegner nannte Spahns Vorschläge schon mal "Unsinn“, Spahn konterte entsprechend.
Schneider rutschte wiederum Richtung Spahn, den er als "durchtrieben“ bezeichnete, verbal aus.

Im Windschatten von vielen Zahlen und Gepöbel schaffte es die junge FDP-Hoffnung Steiner - ganz gemäß der neuen Wahlkampfstrategie - nur wenig nach der traditionell privatisierungsfreudigen FDP zu klingen: Von der Rente sollten alle etwas haben. "Warum investieren wir nicht mehr in Bildung?"

Der tapfere Plasberg und seine Rente

Es hätte ein äußerst nervtötender Talk-Abend sein können - wäre da nicht der tapfere Plasberg gewesen. Der hatte recherchiert, wie viel Rente Spahn bekommen wird und verriet auf dessen entrüstete Nachfrage, er werde genauso viel kriegen: 3000 Euro.

Die Redaktion fütterte die Zuschauer konstant mit Fakten. Hat sich der WDR bei seiner Studie grob verrechnet? Nein, hat er nicht - schon heute liegt fast jede zweite Rente unter dem Niveau der Grundsicherung.

Sie zeigte auf, dass ein Fünftel der staatlichen Riester-Förderung an Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 45.000 Euro gehen - netto, also auch an die sprichwörtliche Zahnarztgattin. Wie viele Menschen bekämen die von der Regierung eingeführte, so genannte Lebensleistungsrente? 0,38 Prozent der heutigen Rentner.

Ein Einspieler sprach - was SPD-Mann Stegner bezeichnenderweise versäumte - sogar die Bürgerversicherung an und was diese zur Lösung beitragen könnte. Und die Redaktion rechnete nach, was die Erhöhung des Rentenniveaus auf 50 Prozent kosten würde: Durchschnittsverdiener müssten ungefähr 75 Euro monatlich mehr für Rente zahlen - weniger als der für Riester empfohlene Beitrag, eine mögliche Entlastung des Systems durch eine etwaige Bürgerversicherung noch nicht eingerechnet.

Da fehlte inhaltlich wenig, bis vielleicht ein Blick auf Renten-Musterland Schweiz und ein paar erklärende Worte zu Sinn und Unsinn von demografischen Langzeitprognosen.

Guter Lohn, gute Rente, schlechter Lohn, schlechte Rente: Diesen Zusammenhang verdeutlichte vielleicht am besten die Krankenschwester Natalie Claßen, die schon arbeitet, seit sie 17 ist und nach heutigem Stand trotzdem kaum mehr als 1000 Euro Rente bekommen wird. "Wie viel Geld hätten Sie monatlich noch übrig gehabt, um zu riestern?" wollte Plasberg von ihr wissen. Die Antwort: 25 Euro.

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