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"Hart aber fair": Wenn Rente wichtiger ist als Clinton und Trump

TV-Kritik "Hart aber fair"  

Wenn die Rente wichtiger ist als Trump und Clinton

08.11.2016, 09:36 Uhr | Marc L. Merten, t-online.de

"Hart aber fair": Wenn Rente wichtiger ist als Clinton und Trump. Thema Rente bei "Hart aber fair": CSU-Frau Dorothee Bär und DIW-Chef Marcel Fratzscher. (Quelle: WDR/Ziebe)

Thema Rente bei "Hart aber fair": CSU-Frau Dorothee Bär und DIW-Chef Marcel Fratzscher. (Quelle: WDR/Ziebe)

Amerika wählt, aber Deutschland diskutiert über die Rente! Zumindest bei Frank Plasberg am Montagabend bei "Hart aber fair" in der ARD. Das Fazit war schon vorher klar: Alles kostet immer mehr und keiner weiß, wie es zu bezahlen ist.

Die Gäste

Das Thema

Nein, nein, diese Wahl da in den USA, die ist ja erst am nächsten Tag. Warum schon vorher diskutieren? Schließlich bastelt die Bundesregierung am nächsten Rentenpaket. Warum also über die vielleicht wichtigste demokratische Wahl einer ganzen Generation in der westlichen Welt diskutieren, wenn das deutsche Dauerthema bereit liegt? Das hatte sich wohl die Redaktion gedacht und zum munteren Diskutieren geladen über das Motto "Wähl mich, ich geb am meisten!".

Die Fronten

Seit 2014 kosten die neuesten Rentenpakete jedes Jahr 9,3 Milliarden Euro. Zwei Jahre später kommen nun wohl wieder welche hinzu. Mütterrente, Angleichung der Ostrente, Geringverdiener-Zuschüsse, Freibeträge - all das für weitere elf Milliarden Euro jährlich. Vielleicht aber auch mehr. Viel mehr.

Spätestens, wenn das Rentenniveau nach dem Wunsch Sigmar Gabriels nicht unter das heutige Niveau sinken darf. Das würde bis 2030 wohl 45 Milliarden Euro kosten. Aber was sind diese Zahlen schon? Für die Diskutanten am Montagabend nicht mehr als Spielzeuge - Wurfgeschosse in einer Debatte über das fünftreichste Land der Welt, in dem, wenn man es nicht so genau nimmt, fast zehn Prozent der Rentner an der Armutsgrenze oder darunter leben.

Fakt des Abends

Sorgen wir also erst einmal für Ordnung, für einen Rahmen. Es ist ein bekannter, aber immer wieder ein erschreckender: Heute sorgen 100 Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen dafür, dass 35 Rentner ihre Rente bekommen. Im Jahr 2045 werden es nur noch 56 Arbeitnehmer sein. Da braucht man kein Mathematiker zu sein, um darin ein Problem zu erkennen.

Ein anderes, eines, das die Ungerechtigkeit des in Schieflage geratenen Sozialstaates offenbart, zitierte Thorsten Schäfer-Gümbel. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Deutschen mit geringem Einkommen liege acht Jahre unter der eines Deutschen mit hohem Einkommen, sagt er. Der SPD-Mann hat sich vertan. Frank Plasberg korrigierte ihn: Armut verringert in Deutschland die Lebenserwartung sogar um zehn Jahre. Aber Hauptsache, die Politik denkt über ein weiteres Anheben des Rentenalters nach!

Aufreger des Abends

Wenn SPD, CSU und FDP in einem Raum über die Rente diskutieren, kann es schon mal knistern. Wenn dann aber auch noch ein verkapptes Mitglied der Links-Partei (Ulrich Schneider) in jener Mitte hockt, wird es kritisch. Dorothee Bär ließ sich gerade äußerst bedenklich über die Hilfe der Tafel, die ehrenamtlich den Menschen "noch zusätzlich Essen bescherte" aus und nannte es ein "Add-on". Da fiel ihr Schneider ins Wort, die Menschen würden sich dort keinen Nachschlag holen, sondern hingehen, "weil sie gar nichts im Kühlschrank haben".

Daraufhin erklärte Bär, sie kenne Schneiders "Ideologie", der wiederum zurückschoss, sich nicht "auf parteipolitische Spielchen einzulassen". Es war ein kurzer, hitziger Dialog. Oder, wie ihn Plasberg nannte: "ein Duett, für das es keine Noten gibt". Disharmonie in CSU moll, in dem auch noch der Begriff "Weltuntergang" von Frau Bär fiel - wieso, ließ sich aus dem Stimmengewirr nicht mehr genau heraushören.

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Moderatoren-Moment

Es war übrigens auch Dorothee Bär, die stolz verkündete, dass man die Frauen in Deutschland schon wieder "von 1,3 auf 1,5 Kinder pro Frau" hinbekommen hätte. Die ganze Rentendiskussion "hätten wir mit 2,1 Kindern nicht". Man hätte ihr am liebsten zwei kleine Puppen und einen fünften Arm hingeworfen, um ihre Zahlen bildhaft zu machen.

Dass sie anschließend noch davon sprach, die Politiker hätten in den letzten Jahren in Sachen Rente "eine breite Basis geschaffen haben für unsere Kinder", verwunderte dann aber auch Plasberg. "Ich weiß nicht, was daran eine breitere Basis ist. Ich nenne das breitere Zahlungsverpflichtungen."

Erwartbar, dass FDP-Generalsekretär Vogel dem Moderator zur Seite sprang: "Wenn man auf die jetzige Rentenpolitik noch einen drauflegt, explodieren die Beiträge für die Jungen in der Zukunft."

Tiefpunkt des Abends

So sehr Plasberg an diesem Abend mit seinen Gästen zu kämpfen hatte, um sie zu geordnetem Diskutieren zu bringen, so sehr sorgte seine Redaktion mit einem Einspieler für Verwunderung. Die Leute waren - wie schon einmal vor acht Jahren - zu einem Flughafen gefahren und hatten dort Rentner interviewt, die gerade aus dem Urlaub kamen. Wie es ihnen denn ginge mit ihrer Rente? Da waren die Gran-Canaria-Weltreise-ein-halbes-Jahr-auf-Fuerteventura-lebenden älteren Herren etwas irritiert und erklärten, ihnen ginge es eigentlich gut.

Die Reporter wollten wohl demonstrieren, dass das Rentenproblem heute eher eines der jungen Leute sei. Doch in Wirklichkeit machte diese Umfrage so viel Sinn wie eine Erhebung in Sachsen zum Thema Toleranz in Deutschland.

Was offen bleibt

Ob Ulrich Schneider oder Marcel Fratzscher, sie sorgten dann und wann noch einmal für einen sinnvollen Einwurf. Fratzscher fragte: "Wie kann man den Kuchen so groß machen, dass das, was verteilt wird, für alle ausreicht?“ Schneider ergänzte: "Und wie kann man ihn sinnvoll verteilen?" Antworten auf diese Fragen gab es freilich nicht.

Man darf gespannt sein, wie Andrea Nahles dies sehen wird. Und auch, ob ihre doppelte Haltelinie aus Rentenbeitrag und Rentenniveau tatsächlich wie ein Fangnetz oder nicht doch wie ein doppelter Boden wirken wird. Die Probleme für die Zukunft bleiben die bekannten: der Niedriglohnsektor, die Zeitarbeit, die befristeten Verträge, die die heutige Arbeitsmarktsituation schönen.

Vielleicht aber gibt es doch noch irgendwann einmal die Idee, sich an anderen Ländern zu orientieren. Schweden wird immer wieder genannt, wie von Johannes Vogel. Braucht Deutschland auch einen flexiblen Renteneintritt? Ein Blick in den Norden könnte sich lohnen. Genauso wie am Dienstag einen Blick in den Westen über den großen Teich. Aber das nur am Rande.

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