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Rente – Erhöhung ab 1. Juli: Wer wie viel bekommt und was Sie wissen müssen

Unterschiede in Ost und West  

Rentenerhöhung ab 1. Juli: Wer wie viel bekommt

28.06.2019, 11:55 Uhr | dpa

Grundproblem des Generationenvertrags: Mitte der 1960er Jahre war die Altersstruktur der Bevölkerung noch grundlegend anders als heute. (Quelle: t-online.de) (Quelle: Getty)
So funktioniert das Rentensystem in Deutschland

Das Rentenversicherungssystem basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag. Doch das stellt Deutschland vor ein Problem. (Quelle: t-online.de)

Generationenvertrag: So funktioniert das Rentensystem in Deutschland. (Quelle: t-online.de)


Pünktlich zum 1. Juli bekommen die Rentner in Deutschland wieder mehr Geld. Zehntausende profitieren aber nicht komplett von den höheren Bezügen.

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland erhalten künftig höhere Bezüge. Doch nicht alle können das Geld komplett behalten. Ein Überblick über Umfang und Hintergründe der Rentenerhöhung.

In welchem Ausmaß steigen die Renten an?

In Westdeutschland legen die Renten um 3,18 Prozent zu, im Osten sogar um 3,91 Prozent. Eine monatliche Rente von 1.000 Euro erhöht sich in den alten Bundesländern um 31,80 Euro, eine gleich hohe Rente in den neuen Ländern um 39,10 Euro.

Warum gehen die Renten in die Höhe?

Formal wurde die Erhöhung mit einer Verordnung des Sozialministeriums beschlossen. Doch die Rentenanpassung beruht auf einer festgelegten Formel. Vor allem folgt sie der Lohnentwicklung, die ihre Basis in der konjunkturellen Lage hat. Die für 2019 zu Buche schlagende Lohnsteigerung lag in Westdeutschland bei 2,39 Prozent und bei 2,99 Prozent in den neuen Ländern. Auch die Beitragsentwicklung und das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern spielen eine Rolle.

Ist das Rentenplus in dieser Höhe etwas Besonderes?

Auch in den vergangenen Jahren stiegen die Renten. 2018 waren die Renten im Westen um 3,22 Prozent und im Osten um 3,37 Prozent in die Höhe gegangen. 2017 bekamen die Rentner im Osten 3,59 Prozent und im Westen 1,9 Prozent mehr.

Wann kommt die Rentenerhöhung genau bei den Senioren an?

Wer seit April 2004 Rente erhält, der bekommt den erhöhten Betrag etwas später, nämlich Ende Juli. Die anderen erhalten die Zahlung im Voraus, sie müsste also Ende Juni eingehen.

Erreicht die Rentenerhöhung alle in vollem Maß?

Nein. Denn rund 50.000 Rentner werden wegen der höheren Renten zusätzlich steuerpflichtig. Insgesamt müssen gut 4,4 Millionen Personen und zusammen veranlagte Paare mit Renteneinkünften Steuern zahlen – fast doppelt so viele wie im Jahr 2005, als der steuerpflichtige Anteil der Rente anzusteigen begann. Fällig wird die Steuer, wenn die steuerpflichtigen Gesamteinkünfte eines Rentners über dem Grundfreibetrag (9.168 Euro/Verheiratete 18.336 Euro) liegen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wie ist das mit den Beiträgen?

Versicherungspflichtige Rentner müssen prozentuale Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – mit der Rente steigen auch diese Beiträge. Allerdings müssen sie weder in die Renten- noch in die Arbeitslosenversicherung einzahlen.

Wie entwickeln sich die Renten in Ostdeutschland?

Sie nähern sich weiter an die Westbezüge an. Der Rentenwert im Osten steigt auf 96,5 Prozent des Westwerts. Bis zum Jahr 2024 steigt er aufgrund einer Gesetzesvorgabe von 2017 schrittweise auf 100 Prozent. Der Rentenwert gibt konkret in Euro an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist. Ein Entgeltpunkt – berechnet anhand einer komplizierten Formel – ist maßgeblich für die Höhe der Rente.

Wie viel kostet die Rentenerhöhung?

Sie kostet knapp 11 Milliarden Euro pro Jahr. Im laufenden Jahr fallen Kosten von knapp 5,5 Milliarden Euro an.

Welche Perspektiven gibt es für die Rente?

Mit dem Übertritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Rente kommen in den nächsten Jahren weniger Beitragszahler auf zahlreichere Rentner. Die Rente gerät also unter Druck. Der Beitragssatz von 18,6 Prozent dürfte nach offiziellen Prognosen bis 2023 stabil bleiben und 2025 bei 20 Prozent liegen. Das Rentenniveau – derzeit 48,16 Prozent – wird laut Gesetz bis 2025 bei 48 Prozent stabil gehalten. Dann dürfte dieses Sicherungsniveau der Rente aber absinken.

Wie will die Politik darauf reagieren?

Eine Rentenkommission der Regierung berät derzeit hinter verschlossenen Türen, was für die Rente längerfristig getan werden kann. Absehbar sind ungemütliche Debatten darüber, ob neue Steuermilliarden ins System gepumpt werden sollen, das Sicherungsniveau der Rente sinkt oder die Menschen etwa tendenziell länger arbeiten müssen.

Die Wirtschaft warnt davor, dass nach der Mütterrente auch die Grundrente, über die die Koalition derzeit streitet, mit zusätzlichen Milliardenkosten zu Buche schlagen könnte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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