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Gerhard Schröder: Vom Partei- zum Wirtschaftsboss

Politiker-Karriere  

Gerhard Schröder: Vom Partei- zum Wirtschaftsboss

22.02.2010, 10:50 Uhr | lgs, t-online.de

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (Foto: ddp)Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (Foto: ddp) Mit dem Abtritt vom politischen Parkett startete die zweite Laufbahn von Gerhard Schröder. Als „Redner, Türöffner oder Wegbereiter großer Deals“ ist der Ex-Bundeskanzler gefragter denn je - fast so wie in Kanzlerzeiten resümiert das „manager magazin“. So tummele sich Schröder am liebsten dort, wo es brennt. Nur dass er jetzt eine „Ich-AG“ ist - eine Übersicht.




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Profit aus der Kanzler-Zeit

Nachdem Schröder im Dezember 2005 auf Bitte von Wladimir Putin den Vorsitz im Aktionärsausschuss von Nord Stream (das Unternehmen betreut den Bau einer neuen Pipeline durch die Ostsee) annahm, musste er sich einiges an Schelte anhören. "Die Zusage kam zwei bis drei Monate zu früh“, zitiert das „manager magazin“ in seiner aktuellen Ausgabe enge Vertraute von Schröder. Schröder selbst hatte die Nachricht bis nach Weihnachten unter Verschluss halten wollen. Für Nord Stream galt Schröder hingegen bereits nach kurzer Zeit als Glücksfall. Er habe einen "erheblichen Beitrag“ geleistet, um Widerstände gegen das Nord-Stream-Projekt aus dem Weg zu räumen. Nicht zuletzt halfen Schröder dabei auch seine persönlichen Kontakte. So gewann er den finnischen Ministerpräsidenten Paavo Lipponen als Nord-Stream-Lobbyisten - die beiden Sozialdemokraten kannten sich seit längerem.

Kontakte in die ganze Welt

Heute ist Gerhard Schröder "dick im Geschäft“: Von Hannover aus unterhält er seine zahlreichen Kontakte hinaus in die Wirtschaftswelt. Von Abu Dhabi bis Zürich - der Name Gerhard Schröder öffnet Türen. So auch in Paris, wo der Altkanzler das Bankhaus Rothschild & Cie. als Mitglied des europäischen Rates berät. Oder in Ankara, wo Schröder sich regelmäßig privat und geschäftlich mit dem türkischen Regierungschef Erdogan trifft. Hinzu kommen Verbindungen nach Moskau, wo der Altkanzler als unabhängiger Aufsichtsrat für die TNK-BP zwischen den russischen und britischen Partnern schlichtet und zu einer Agentur nach New York, die Schröder als Redner international vermarktet. Koordiniert werden seine Termine in Berlin, dort hat Schröder nach wie vor ein Büro.

Kein schlechtes Leben

Ob

als Berater, Vermittler oder Schlichter: diverse Auftraggeber spülen Geld in Schröders Kassen. Genug, um davon gut leben zu können, wie das "manager magazin“ weiß. Mit Stolz zahle er Rechnungen selber, für die früher das Kanzleramt oder andere Gastgeber aufgekommen sind, berichtete das Magazin. "I can afford it.“ - Ich kann’s mir leisten - ein Spruch, den Schröder häufig zu verwenden scheint. Die eigene Steuererklärung, die will Schröder allerdings für sich behalten. Das "manager magazin“ mutmaßt: Redner-Honorare in Höhe von 50.000 Euro (Minimum pro Auftritt), weitere Einkommen aus Mandaten und Prämien von ungefähr 650.000 Euro sowie Pensionsgelder von rund 100.000 Euro. Zudem hat Schröder als Bundeskanzler a. D. weiterhin Anspruch auf Dienstwagen und Chauffeur, oft nutze er auch die Mitfluggelegenheiten in den Privatjets seiner Auftraggeber.

In bester Gesellschaft

Doch Schröder ist längst kein Einzelfall. Die Geschäftsmodelle der ehemaligen Pilotprominenz sind vielfältig. Einige lassen sich direkt nach der politischen Laufbahn von Unternehmen kaufen, so wie der thüringische Ex-Ministerpräsident Dieter Althaus, der jüngst zum österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna wechselte. Andere, wie Schröder, bauen dabei auf mehrere Posten. Von der Karriere nach der politischen Laufbahn profitierte auch Bill Clinton, der seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus zusammen mit seiner Frau Hillary mehr als 110 Millionen Dollar eingenommen hat - einen Großteil davon aus Buchtantiemen und Vertragshonoraren. Ähnlich geschäftstüchtig ist auch der ehemalige britische Premier Tony Blair, der als Berater für verschiedene Finanzhäuser und als Redner sein Geld verdient. Zudem bekam er als Vorschuss auf seine Memoiren bereits rund 4,6 Millionen Pfund.

Clinton, Fischer, Albright: Die zweite Laufbahn

Mit von der Partie ist auch Ex-US-Außenpolitikerin Madeleine Albright, die heute Chefin einer internationalen Beratungsgesellschaft mit Büros in New York und weiteren sieben Weltstädten ist. Auch der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer war bis vor kurzem für sie tätig. Inzwischen unterhält er aber sein eigenes Consulting-Büro in Berlin und betreut dort Klienten wie BMW und Siemens. Ähnlich aktiv ist auch Otto Schily, der bereits während seiner Amtszeit als Innenminister als Anwalt arbeitete und seitdem unter anderen für den Finanzinvestor KKR tätig war.

Ex-Politiker in der Wirtschaft gefragt

Die neuen Umfelder der Ex-Politiker gelten als Graubereiche, in denen sich viele ihre zweite Laufbahn sichern. Besonderes Interesse an Ex-Politikern kommt dabei von Seiten der Investmentbanken, die ohne Beziehungen zur politischen Führungsriege bei länderübergreifenden Geschäften sonst kaum noch ans Ziel kommen. Möglichkeiten für die zweite Karriere gibt es genug. Das wissen nicht nur Schröder, Fischer und Co..

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