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Bundesagentur jubelt über Handwerker aus dem Osten

Bundesagentur bejubelt Freizügigkeit für Osteuropäer

02.05.2011, 15:08 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online, t-online.de

Kommen ab dem 1. Mai Hunderttausende Osteuropäer nach Deutschland? Viele Arbeitnehmer fürchten eine Billig-Konkurrenz. Die Bundesagentur für Arbeit ist ganz anderer Meinung. Sie erhofft sich sogar eine "Wachstumsspritze".

Zu wenige Arbeiter in Deutschland

Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich gut, in Zukunft wird es angesichts der demografischen Entwicklung immer weniger Arbeitskräfte geben. Entsprechend verspricht sich die Bundesagentur für Arbeit von der EU-Freizügigkeit für osteuropäische Arbeitskräfte eine "Wachstumsspritze" für die deutsche Wirtschaft.

Junge, mobile und qualifizierte Kräfte aus Polen, Tschechien, Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern seien für eine so prosperierende Wirtschaft wie die deutsche ein echter Gewinn, sagte Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur. Ängste vor einer unkontrollierten Zuwanderungswelle aus Osteuropa ab dem 1. Mai sind für ihn unbegründet.

Ansturm aus Polen und dem Osten

Der Vorstand der Bundesagentur rechnet mit zunächst 100.000 bis 150.000 Arbeitskräften aus Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, der Slowakei, Estland, Lettland und Litauen, die ab dem Wegfall der Beschränkungen am 1. Mai nach Deutschland kommen könnten. "Gerade in einem Land mit einer sinkenden Zahl von Menschen im arbeitsfähigen Alter können wir diese Arbeitskräfte gut gebrauchen", sagte Alt. In den darauffolgenden Jahren dürfte die Zahl langsam wieder sinken.

Wie unbegründet die Sorge sei, dass billige osteuropäische Arbeitskräfte einheimischen Kräften die Arbeitsplätze wegnähmen, habe sich in Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Irland und Schweden gezeigt: Dort können sich Osteuropäer schon seit Jahren ohne Arbeitserlaubnis einen Job suchen.

Konkurrenz für Langzeitarbeitslose

"Das blieb dort alles in einem verkraftbaren und undramatischen Rahmen. Und ich glaube, dass beispielsweise der Großraum London vom Zugang polnischer Arbeitnehmer profitiert hat", sagte Alt. Schon jetzt gebe es einen Wettbewerb westeuropäischer Länder um Fachkräfte aus Osteuropa.

Alt räumte dennoch auch Risiken für den deutschen Arbeitsmarkt als Folge der EU-Freizügigkeit ein; diese hielten sich aber in Grenzen. So könnten zuwandernde Osteuropäer ungelernten Arbeitskräften und Langzeitarbeitslosen Konkurrenz machen. Auf diese "verschärfte Wettbewerbssituation" müssten Jobcenter und Arbeitsagenturen reagieren, indem sie Langzeitarbeitslose besser auf die Arbeitswelt vorbereiteten.

Westdeutsche Wirtschaftszentren im Blick

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet, dass es polnische Arbeitskräfte nach Öffnung der Grenzen vor allem in westdeutsche Wirtschaftszentren zieht. Die wichtigsten Ziele dürften der Kölner Raum, das Ruhrgebiet, Rhein/Main sowie Stuttgart, München und Berlin sein. Das IWH erwartet, dass jährlich rund 250.000 Menschen aus Mittel- und Osteuropa nach Westeuropa kommen.

Ab dem 1. Mai können Polen, Tschechen und andere Osteuropäer ohne Beschränkungen in Deutschland arbeiten. Der tschechische Ministerpräsident Petr Necas beschwichtigte Ängste vor einer Billiglohn-Zuwanderung aus Osteuropa. "Die Deutschen müssen keinen Zufluss billiger tschechischer Arbeitskräfte befürchten", sagte er.

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