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Bildungsurlaub beantragen: Diese Regeln gelten in Ihrem Bundesland

Für Weiterbildung  

So sichern Sie sich eine Woche bezahlten Urlaub mehr im Jahr

06.09.2021, 14:14 Uhr
Bildungsurlaub beantragen: Diese Regeln gelten in Ihrem Bundesland. Junge Frau praktiziert Yoga (Symbolbild): Auch Yoga-Kurse können als Bildungsurlaub gelten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/SergeyChayko)

Junge Frau praktiziert Yoga (Symbolbild): Auch Yoga-Kurse können als Bildungsurlaub gelten. (Quelle: SergeyChayko/Thinkstock by Getty-Images)

Es ist eine Chance, von der viele Angestellte nichts wissen: Fünf bis zehn Tage Bildungsurlaub stehen Ihnen laut Gesetz zu – zumindest in 14 von 16 Bundesländern. So beantragen Sie ihn.

Bildungsurlaub ist eine feine Sache: Sie können sich damit beruflich oder politisch weiterbilden, während Ihr Chef weiter Gehalt zahlt. Und das auch noch zusätzlich zum regulären Urlaub. Die Angebote sind dabei breit gefächert. Sie reichen von Fachseminaren über Sprachkurse und Studienreisen bis zur Stressprävention wie Yoga-Kursen und Fastenwandern.

Allerdings haben Arbeitnehmer nicht in allen Bundesländern Anspruch auf den Zusatzurlaub. Wir erklären, wer sich wie viel Bildungsurlaub sichern kann, wie Sie ihn richtig beantragen und wer für die Kosten aufkommt.

Wer hat Anspruch auf Bildungsurlaub?

In fast allen Bundesländern haben Arbeitnehmer Anspruch auf Bildungsurlaub, Bildungsfreistellung oder Bildungszeit. Die Ausnahmen sind Bayern und Sachsen.

Arbeiten Sie dort, haben Sie zwar grundsätzlich kein Recht auf Bildungsurlaub, Sie können Ihren Arbeitgeber aber trotzdem nach einer solchen Unterstützung fragen. Je nützlicher die gewünschte Fortbildung für das Unternehmen, desto eher werden Sie Ihre Chefin dafür erwärmen können.

Haben Sie hingegen einen gesetzlichen Anspruch, muss der Arbeitgeber Sie auf Antrag für eine berufliche oder politische Weiterbildung freistellen und Ihr Gehalt weiterzahlen. Ihr regulärer Erholungsurlaub wird dafür nicht gekürzt.

Wie viel Bildungsurlaub Ihnen zusteht und welche Formen anerkannt sind, ist allerdings je nach Bundesland unterschiedlich geregelt (mehr dazu unten). Oft erwerben Sie den Anspruch erst, wenn Sie mindestens sechs bis zwölf Monate bei Ihrem Arbeitgeber beschäftigt sind.

Gut zu wissen: Bildungsurlaub können Sie auch nehmen, wenn Sie noch in der Ausbildung sind; allerdings nicht in allen Bundesländern im gleichen Umfang wie Ausgelernte. Auch für Beamte gibt es Sonderregeln, zum Teil haben sie gar keinen Anspruch auf Bildungsurlaub.

Wie viele Bildungsurlaubstage gibt es?

Das kommt darauf an, in welchem Bundesland Sie arbeiten. Arbeiten Sie Vollzeit, stehen Ihnen in der Regel fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr zu. Einige Bundesländer erlauben zudem, dass Sie die Urlaubstage aus zwei Jahren in einem bündeln. Sie können sich dann also zehn Tage am Stück fortbilden.

Voraussetzung dafür ist, dass Sie Ihrem Arbeitgeber bis zum 31. Dezember mitteilen, dass Sie die ungenutzten Bildungsurlaubstage auf das kommende Jahr übertragen möchten. Ist der Übertrag grundsätzlich möglich, kann der Chef Ihren Wunsch nicht ablehnen (mehr dazu im nächsten Abschnitt).

Wie beantrage ich Bildungsurlaub?

In jedem Bundesland gibt es unterschiedliche Fristen, bis wann Sie den Antrag auf Bildungsurlaub beim Arbeitgeber einreichen müssen. In der Regel sind das sechs Wochen vor Kursbeginn, in Baden-Württemberg zwei Monate.

Wichtig ist natürlich, dass Sie die Weiterbildung vorab mit Ihrem Team und den Vorgesetzten absprechen. So stellen Sie sicher, dass es zeitlich passt und nicht mit der Urlaubsplanung anderer Kollegen kollidiert.

Eine bestimmte Form müssen Sie für den Antrag zwar nicht einhalten, Sie sollten aber Ihre Anmeldebestätigung sowie ein ungefähres Programm der Fortbildung beilegen. Außerdem benötigen Sie eine Bestätigung, dass die Veranstaltung den gesetzlichen Ansprüchen an Bildungsurlaub genügt. Es reicht, wenn Sie den Antrag per E-Mail an die Personalabteilung oder Ihren Vorgesetzten schicken.

Muster für Antrag auf Bildungsurlaub

Ihr Name
Ihre Adresse
Ihr Geburtsdatum

Name des Arbeigebers
Adresse des Arbeitgebers

Antrag auf Bildungsurlaub
Veranstaltungstitel

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit mache ich meinen Anspruch auf Bildungsurlaub geltend und beantrage Freistellung von der Arbeit für x Tage. Die Weiterbildungsveranstaltung findet statt vom x bis zum x. 
Ich habe die Anmeldebestätigung beigefügt, den Ablaufplan der Veranstaltung sowie die Bestätigung, dass die Veranstaltung als Bildungsurlaub anerkannt ist. Sobald ich die Maßnahme beendet habe, reiche ich eine Teilnahmebescheinigung ein.
Ich bitte um Bestätigung bis spätestens zum x.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Name

Möchten Sie ungenutzten Bildungsurlaub ins nächste Jahr übertragen und ist das im Bundesland Ihrer Arbeitsstelle grundsätzlich möglich, müssen Sie dies bis zum 31. Dezember beantragen. Auch hier genügt eine E-Mail an die Personalabteilung oder den Vorgesetzten.

Muster für Antrag auf Übertragung von Bildungsurlaub

Ihr Name
Ihre Adresse
Ihr Geburtsdatum

Name des Arbeitgebers
Adresse des Arbeitgebers

Antrag auf Übertragung von Bildungsurlaubstagen in das nächste Kalenderjahr

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich, die im Jahr x nicht genommenen Tage an Bildungsurlaub in das nächste Kalenderjahr zu übertragen. Mein Anspruch auf Bildungsurlaub belief sich im Kalenderjahr x auf x Tage. In Anspruch genommen habe ich x Tage. Die mir noch zustehenden Tage sind auf das Folgejahr zu übertragen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Name

Der Arbeitgeber muss Ihnen spätestens vier Wochen vor Beginn der Veranstaltung schriftlich antworten. Bleibt die Reaktion aus oder geschieht nicht rechtzeitig, gilt der Bildungsurlaub als genehmigt.

Was fällt unter Bildungsurlaub?

Bildungsurlaub ist sehr vielfältig. Grundsätzlich muss die Weiterbildung zwar einen beruflichen oder politischen Zweck verfolgen, doch gerade, was unter "beruflich" zu verstehen ist, ist breit gefächert.

So zählen nicht nur rein fachliche Angebote, sondern auch Kurse, mit denen Sie lernen, besser mit Stress umzugehen. Auf Webseiten wie die des DGB-Bildungswerks, "InfoWeb Weiterbildung" oder bildungsurlauber.de finden sich deshalb auch Yoga- und Meditationskurse, Burnout-Prophylaxe mit Pferden oder Fastenwandern.

"Diese Kurse können weltweit und zum Teil auch online stattfinden und müssen nicht unbedingt etwas mit dem Beruf zu tun haben", sagt Lara Körber vom Berliner Start-up "A-Z Bildungszeit". Das Start-up betreibt die Online-Plattform bildungsurlauber.de, über die Anbieter ihre Seminare veröffentlichen können.

Bildungsangebote gibt es unter anderem zu diesen Themen:

  • Erholung, Gesundheit, Stressbewältigung
  • Sprachkurse
  • Sprachreisen
  • Kreativität (Fotografie, Malen, Musik etc.)
  • Persönliche und berufliche Entwicklung
  • Sport, Fitness, Yoga
  • Business, Management und Finanzen
  • Kaufmännisches, Steuer
  • Gesellschaft, Politik, Bildung, Zeitgeschehen
  • Natur, Ökologie und Umwelt
  • Studienreisen
  • IT, Office und Programmieren
  • Marketing und Design
  • Wissenschaft und Lehre
  • Technik, Handwerk und Gewerbe

Bei der Auswahl eines Kurses sollten Sie darauf achten, dass der Bildungsträger beziehungsweise der Kurs entsprechend zertifiziert ist. Klassische Anbieter sind etwa Volkshochschulen, Gewerkschaften, Industrie- und Handelskammern, aber auch verschiedene private Einrichtungen.

Kann der Arbeitgeber Bildungsurlaub ablehnen?

Haben Sie einen Rechtsanspruch auf Bildungsurlaub, muss Ihr Chef berechtigte Gründe haben, um Ihnen die Weiterbildung zu verwehren. Diese liegen vor, wenn Sie die Fristen verpasst haben oder dringende betriebliche Belange oder Urlaubsansprüche der Kollegen dagegen sprechen.

Wenn etwa ein Drittel der Beschäftigten in dem Jahr bereits Bildungsurlaub genommen hat, können Sie keinen mehr beantragen. In Baden-Württemberg dürfen sogar nur zehn Prozent der Beschäftigten pro Jahr in den Bildungsurlaub. Je nach Bundesland muss Sie Ihr Arbeitgeber dann aber zu einem anderen gewünschten Zeitraum bevorzugt freistellen.

Anträge werden mitunter auch abgelehnt, weil Unternehmen den beruflichen oder politischen Zweck der Weiterbildung anzweifeln. Dann hilft nur der Gang zum Betriebsrat, falls vorhanden – oder zum Anwalt.

Wer trägt die Kosten für Bildungsurlaub?

Die Kosten für die Fortbildung selbst, für Anreise und eventuelle Übernachtungen müssen Sie selbst übernehmen. Der Betrieb hingegen muss nur Ihren Lohn während des Bildungsurlaubs weiterzahlen.

Trotzdem kann es sich lohnen, den Chef zu fragen, ob er Kosten übernimmt. Oft tragen Firmen Weiterbildungskosten teilweise oder sogar komplett, wenn sie im direkten Zusammenhang mit Ihrer Arbeit stehen.

Bleiben Sie selbst für die Kosten verantwortlich, können Sie immerhin das Finanzamt daran beteiligen. Denn wenn es einen beruflichen Zusammenhang gibt, können Sie sie als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Viele Krankenkassen bezuschussen zudem Kurse zur Stressbewältigung.

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