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Griff in die Kasse: Chef darf kündigen

Griff in die Kasse: Chef darf kündigen

28.03.2012, 19:19 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Griff in die Kasse: Chef darf kündigen. Langfinger müssen mit dem fristlosen Rauswurf rechnen (Quelle: imago images)

Langfinger müssen mit dem fristlosen Rauswurf rechnen (Quelle: imago images)

Wer in die Kasse des Chefs greift, darf fristlos entlassen werden - auch ohne vorherige Abmahnung. Das Landesarbeitsgerichts (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz hat die Kündigung einer Speditionsangestellten bestätigt, die sich aus der Bargeldkasse ihres Arbeitgebers bedient hatte.

Zerstörtes Vertrauensverhältnis rechtfertigt fristlosen Rauswurf

Zwar sieht das Bundesarbeitsgericht (BAG) in seiner aktuellen Rechtsprechung die vorherige Abmahnung im Vergleich zur fristlosen Kündigung als das mildere und damit verhältnismäßigere Mittel an. Nach dem Mainzer Richterspruch gilt dies aber nicht, wenn der Griff in die Kasse das Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber nachhaltig zerstört hat (Az.: 11 Sa 611/11).

Das Gericht wies mit seinem Urteil die Kündigungsschutzklage einer 58-jährigen kaufmännischen Angestellten ab. Die Frau war seit 1994 bei dem Speditionsunternehmen beschäftigt und unter anderem für die Bareinnahmen der betriebseigenen Tankstelle verantwortlich.

Tausende Euro in die eigene Tasche gesteckt

Den Ermittlungen der Mainzer Richter zufolge hatte sie insgesamt 7100 Euro aus der Kasse ihres Arbeitgebers in die eigene Tasche gesteckt. Die 58-Jährige erhielt daraufhin im Oktober 2010 die fristlose Entlassung - zu Recht, entschied das LAG.

Allerdings hatte das BAG in der sogenannten Emmely-Entscheidung im Juni 2010 die Kündigung einer Supermarktkassiererin, die zwei Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 Euro an sich genommen hatte, mit Hinweis auf die fehlende Abmahnung für unwirksam erklärt (Az.: 2 AZR 541/09). Auch könne nach 31 Dienstjahren durch ein einzelnes Delikt das Vertrauen des Arbeitgebers in die Mitarbeiterin nicht gänzlich zerstört sein.

Bei schwerem Verstoß ist keine vorherige Abmahnung nötig

Das Mainzer Gericht betonte jetzt, bei schwerwiegenden Verstößen müsse der Arbeitgeber weiterhin keine vorherige Abmahnung aussprechen. Denn es dürfe unterstellt werden, dass das Vertrauensverhältnis selbst dann auf Dauer zerstört sei, wenn sich der Mitarbeiter künftig korrekt verhalten werde.

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