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Ver.di wirft Hermes Lohndumping vor

Ver.di wirft Hermes Lohndumping vor

23.05.2012, 19:41 Uhr | t-online.de, dpa-AFX

Ver.di wirft Hermes Lohndumping vor . Hermes will schnell und günstig sein - das hat seinen Preis (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hermes will schnell und günstig sein - das hat seinen Preis (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verbraucher in ganz Deutschland wollen Lieferungen in kürzester Zeit und Firmen versprechen das. Doch solche Versprechen führen zu enormen Zeit- wie auch Konkurrenzdruck in der Logistikbranche. Und der Preis, den die Unternehmen dafür zahlen ist hoch - oder eben nicht. Die Gewerkschaft Ver.di hat jetzt erneut die miese Bezahlung der Paketfahrer beim Logistik- und Dienstleistungskonzern Hermes scharf kritisiert.

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Vorwurf von "skandalösen" Lohndumping

"Hermes täuscht die Öffentlichkeit und tarnt seine skandalöse Lohndumpingpolitik mit einer plumpen Sozialrhetorik", erklärte Wolfgang Abel, der Leiter des Ver.di-Fachbereichs für Post- und Logistikbetriebe in Norddeutschland. Die von Hermes angestrebten Stundenlöhne für die Zusteller von 7,50 bis 8,00 Euro lägen unter den Einstiegs-Tariflöhnen von 10,82 Euro in Hamburg und 10,46 Euro in Schleswig-Holstein. Damit unterschreite das von Hermes angepeilte Lohnniveau die maßgeblichen Lohnuntergrenzen um rund 30 Prozent.

Kritik am System Subunternehmer

Ver.di macht Hermes mit dafür verantwortlich, dass von den rund 50.000 Beschäftigten in der Branche etwa 35.000 zu Dumpinglöhnen arbeiten. Das Unternehmen solle die Zustellung mit eigenen Beschäftigten organisieren und auf Subunternehmer verzichten.

Das Tochterunternehmen der Otto Group hatte am Vortag verschiedene Maßnahmen vorgestellt, die eine faire Entlohnung und angemessene Arbeitsbedingungen für die Zusteller sichern sollen. Dazu gehören ein Zertifizierungsverfahren für Subunternehmen, verbindliche Leitlinien und ein Ombudsmann.

Hermes bestreitet Vorwürfe

Hermes erklärte, der Vorwurf des Lohndumpings sei völlig aus der Luft gegriffen. Das Unternehmen nehme die unsachlichen und teilweise diffamierenden Äußerungen von Abel "mit Bestürzung und Unverständnis" zur Kenntnis. Die Folgerung, dass Lohndumping bereits durch eine Entlohnung entstehe, die in der Höhe nicht den jeweils in der Branche anwendbaren Tarifwerken entspreche, sei eine mehr als fragwürdige Darstellung.

Vielmehr gelte es hier, das auch grundrechtlich geschützte Recht auf Koalitionsfreiheit zu achten. "Uns sind als Partner alle Unternehmen - ob tarifgebunden oder nicht - recht, wenn sie die in unserem Verhaltenskodex festgeschriebenen Werte uneingeschränkt einhalten, sich an Recht und Gesetz halten und die vereinbarte Leistung erbringen", erklärte ein Sprecher.

Gerichte orientieren sich an Zwei-Drittel-Grenze

Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber sind verpflichtet, ihren Mitarbeitern für deren Arbeit einen angemessenen Entgelt zu zahlen. Auf der sicheren Seite sind Unternehmer mit Gehältern, die nicht mehr als ein Drittel unter dem Tariflohn und den Löhnen liegen, die in der jeweiligen Region und Branche gezahlt werden. Darunter wird es kritisch, denn viele Arbeitsrichter sehen eine noch geringere Vergütung als "sittenwidrig" an.

Die Arbeitsgerichte orientierten sich in vielen Fällen an der Zwei-Drittel-Grenze, so Arbeitsrechtsexpertin Kati Kunze von der Kanzlei Steinkühler in Berlin. Maßstab sei immer der Tariflohn des jeweiligen Wirtschaftszweigs. Berücksichtigt werden aber auch das allgemeine Lohnniveau des Wirtschaftsgebiets sowie die Umstände des Einzelfalls.

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