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Lehrer-Besuch im Bierzelt ist "Dienst-Ausübung"

Kurioser Dienstunfall  

Besuch einer Lehrerin im Bierzelt ist "Dienst-Ausübung"

12.02.2014, 15:24 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Lehrer-Besuch im Bierzelt ist "Dienst-Ausübung". Selbst der Besuch eines Bierzelts zählt in bestimmten Fällen zu den Pflichten eines Lehrers. (Quelle: dpa)

Selbst der Besuch eines Bierzelts zählt in bestimmten Fällen zu den Pflichten eines Lehrers. (Quelle: dpa)

Die Pflichten eines Lehrers gehen zuweilen sehr weit. Auch das Tanzen auf Bierbänken kann dazu gehören. Das hat nun das Verwaltungsgericht Stuttgart in einem Fall entschieden. In dem Streit ging es um einen kuriosen Dienstunfall in einem Bierzelt (Az.: 1 K 173/13).

Bierzelt-Unfall bescherte Lehrerin Rückenverletzung

Die Lehrerin hatte als eine von zwei Begleiterinnen im Mai 2012 an einer Klassenfahrt nach München teilgenommen. Ein Programmpunkt war am späteren Abend das Frühlingsfest. Um 22 Uhr kippte die Bank um, auf der die Lehrerin und zwei Schülerinnen im Bierzelt standen. Die Lehrerin zog sich dabei eine Rückenverletzung zu, weshalb sie in ein Krankenhaus gebracht werden musste und bis Mitte Juni 2012 dienstunfähig war.

Das Regierungspräsidium Stuttgart als Schulbehörde erkannte dies nicht als Dienstunfall an, denn der Besuch eines Bierzelts zum Tagesausklang gehöre nicht zu den eigentlichen Dienstaufgaben und sei somit dem privaten Lebensbereich zuzuordnen.

Bierzelt-Besuch Teil des Dienstes

Dagegen hatte die Betroffene geklagt und bekam nun vor Gericht Recht. Die Richter werteten die Aktivitäten der Lehrerin auf dem Volksfest als Teil ihrer Dienstaufgaben. Da ein Bierzeltbesuch von größtenteils minderjährigen Schülern ungleich größere Gefahren als ein bloßer Spaziergang über das Festgelände berge, sei es auch geboten gewesen, dass die Lehrerin die Gruppe im Bierzelt beaufsichtigte.

Lehrerin musste Alkoholverbot durchsetzen

Dies auch deshalb, um das in diesem Zusammenhang ausgesprochene Alkoholverbot durchzusetzen und zu überwachen, was den Lehrerinnen auch gut gelungen sei, wie die Richter feststellten. Zudem sei der Besuch des Bierzelts laut Urteil als Tagesausklang mit geselligem Beisammensein gedacht gewesen, bei dem es der pädagogische Gesamtauftrag einer Lehrerin gebiete, sich dem nicht zu entziehen, sondern bei den Schülern zu sein.

Selbst das "Steigen auf die Festzeltbank habe noch in einem engen natürlichen Zusammenhang mit den Dienstaufgaben der Klägerin gestanden", so die Richter. Es sei derzeit durchaus üblich und sozialadäquat, dass Besucher eines Bierzelts, in dem Livemusik dargeboten werde, kollektiv auf die Bänke stiegen und dort zur Musik tanzten.

Deshalb sei es nicht zu beanstanden, dass es die Lehrerinnen den Schülern erlaubt hätten, auf die Bänke zu steigen. Wenn nun aber die gesamte Gruppe auf den Bänken gestanden habe, habe die Lehrerin praktisch nicht anders gekonnt, als sich diesem Verhalten anzuschließen.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Geht es nach der Urteilsbegründung, hatte die Lehrerin gar keine andere Wahl: Wäre sie als Einzige sitzengeblieben und hätte sie sich dem Gruppenzwang verweigert, wäre sie dadurch zwangsläufig ins Abseits geraten und hätte sich ostentativ von ihren Schülern distanziert, so die Richter. Das wäre mit ihrem pädagogischen Gesamtauftrag aber nicht ohne Weiteres zu vereinbaren gewesen.

Deshalb sei ihr nun Unfallfürsorge zu gewähren. Doch noch ist der Beschluss nicht rechtskräftig: Gegen das Urteil können die Beteiligten Berufung einlegen, wenn sie vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim zugelassen wird. Dies müsste aber das unterlegene Regierungspräsidium zunächst beantragen.

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