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Neuer DGB-Chef: Reiner Hoffmann

Große Mehrheit  

Reiner Hoffmann ist neuer DGB-Chef

13.05.2014, 10:35 Uhr | rtr, dpa, dpa-AFX

Neuer DGB-Chef: Reiner Hoffmann . Der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (Quelle: dpa)

Der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (Quelle: dpa)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat Reiner Hoffmann zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. 365 der rund 400 Delegierten stimmten für ihn, was 93,1 Prozent entspricht. Der 58-jährige von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) war der einzige Kandidat. Hoffmann war als Gewerkschafter bislang vor allem auf europäischer Ebene in Brüssel aktiv. Er folgt dem bisherigen DGB-Chef Michael Sommer (62) nach, der nach zwölfjähriger Amtszeit nicht mehr kandidiert hatte.

Hoffmann gilt als Pragmatiker. Seine Hauptaufgabe wird sein, den DGB als Dachorganisation von acht Einzelgewerkschaften zu stabilisieren und die Gewerkschaften nach dem inzwischen gestoppten Mitgliederschwund attraktiv für jüngere Arbeitnehmer zu machen.

Die Vita des neuen DGB-Chefs liest sich wie die eines klassischen Gewerkschaftsfunktionärs: Der Sohn eines Maurers aus Wuppertal machte eine Ausbildung bei den Farbwerken Hoechst, danach folgte der zweite Bildungsweg und ein Studium der Wirtschaftswissenschaften als Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.

Kettenraucher mit Turnschuhen

Nach verschiedenen Funktionen bei der gewerkschaftsnahen Stiftung ging Hoffmann zum Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) nach Brüssel, wo er es bis zum stellvertretenden Generalsekretär brachte. Hoffmann spielt gern Skat, ist Kettenraucher und Langstreckenläufer. Die Turnschuhe hat er immer dabei. Wie sein Vorgänger Michael Sommer ist Hoffmann Sozialdemokrat.

Hoffmanns Credo: Die Gewerkschaften brauchen den DGB als Dachverband, um in der Arbeits- und Sozialpolitik die unterschiedlichen Interessen der Einzelgewerkschaften zu bündeln - und dabei nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Eine «neue Ordnung der Arbeit» ist für ihn mehr als nur der Mindestlohn. Aus seiner Sicht soll der Mindestlohn rasch erhöht werden - und nicht erst 2018.

Kurs für die nächsten vier Jahre

Bundespräsident Joachim Gauck hatte den DGB-Bundeskongress am Sonntag eröffnet. Bei ihren sechstägigen Beratungen wollen die 400 Delegierten aus acht DGB-Einzelgewerkschaften außerdem den politischen Kurs ihrer Dachorganisation für die kommenden vier Jahre abstimmen. Spitzenpolitiker aller im Bundestag vertretenen Parteien haben sich für die kommenden Tage als Gastredner angesagt. Das Treffen in Berlin steht unter dem Motto "Arbeit. Gerechtigkeit. Solidarität."

Gauck bezeichnete die Gewerkschaften als unverzichtbar für Demokratie und Soziale Marktwirtschaft. Ihr beharrliches Eintreten für Arbeitnehmerrechte, Mitbestimmung, Tarifautonomie und Sozialpartnerschaft seien wesentliche Stärken des erfolgreichen deutschen Wirtschaftsmodells. Die in Deutschland übliche "Kompromisskultur" von Gewerkschaften und Arbeitgebern sei mühsam errungen worden und müsse auch immer wieder neu justiert werden.

Weiter Arbeit für Gewerkschaften

Der scheidende DGB-Chef Sommer sagte in seiner Eröffnungsansprache, ohne das massive Drängen der Gewerkschaften stünden der Mindestlohn und die Rente mit 63 nicht auf der Tagesordnung der Großen Koalition. "Wenn der Gesetzgeber die Tarifautonomie allerdings umfassend stärken will, gehört dazu zum Beispiel auch, dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen ein Ende zu bereiten." Die Gewerkschaften hätten hier "noch dicke Bretter zu bohren".

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