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Bahnstreik: Lokführer streiken ohne Rücksicht auf Reiseverkehr

Ferienstart vermasselt  

Lokführer streiken ohne Rücksicht auf Reiseverkehr

18.10.2014, 15:13 Uhr | dpa, t-online.de

Bahnstreik: Lokführer streiken ohne Rücksicht auf Reiseverkehr. Bahnkunden sind die Leidtragenden der Lokführerstreiks. (Quelle: dpa)

Bahnkunden sind die Leidtragenden der Lokführerstreiks. (Quelle: dpa)

Vielen Schulkindern und ihren Eltern hat der Lokführerstreik an diesem Wochenende den Start in die Herbstferien vermasselt. Seit dem frühen Samstagmorgen beteiligen sich Tausende Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL an dem erneuten Ausstand. Eine Lösung des festgefahrenen Tarifstreits ist weiter nicht in Sicht.

In sieben Bundesländern haben die Herbstferien begonnen - doch aus der geplanten Fahrt ans Meer oder zum nächsten größeren Flughafen wurde bzw. wird für viele Urlauber nichts. Etwa zwei Drittel der Fernzüge der Deutschen Bahn blieben seit dem frühen Samstagmorgen stehen. Auch die Regionalbahnen fahren nur nach einem Ersatzfahrplan.

Tarifangebot abgelehnt

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Streik ungeachtet der Belastungen für die Kunden wie geplant bis Montagmorgen durchziehen. Ein neues Tarifangebot des Konzerns hatte sie am Freitagabend abgeschmettert.

Die Bahn versprach, den Reisenden ein gewisses Maß an Planungssicherheit zu geben. Ob tatsächlich jeder dritte Fernzug wie geplant fahren werde, könne aber nicht garantiert werden, sagte ein Unternehmenssprecher. In der Nacht hatte die Bahn gestrandeten Reisenden an größeren Bahnhöfen Schlafwagen zur Verfügung gestellt. Für Reisende gibt es eine kostenlose Service-Hotline unter 0800/99 66 33 und die Möglichkeit, sich auf der gewohnten Live-Auskunft der Bahn online zu informieren.

Auch S-Bahnen stehen still

Von der zweitägigen Aktion betroffen sind auch die S-Bahnen. In Berlin sollen die beiden wichtigen Ringbahnlinien S41 und S42 am Wochenende komplett ausfallen. An den Bahnhöfen blieb das große Chaos zunächst aber aus: Viele Reisende hätten sich vorab informiert und Alternativen gesucht, sagte ein Bahnsprecher in Hamburg.

Fernbus-Anbieter lachende Dritte

Von den Zugausfällen profitieren vor allem Fernbus-Anbieter. Auf dem Zentralen Omnibusbahnhof an der Messe Berlin war die Wartehalle am Samstagmorgen fast bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Einige Unternehmen setzen wegen des Ansturms Zusatzbusse ein.

Stark eingeschränkt ist nach Bahn-Angaben der Güterverkehr, der bereits seit Freitagnachmittag bestreikt wird. Die Wirtschaft warnt vor hohen Schäden. "Wenn die Kunden wegbleiben und die Ware nicht ankommt, weil die Bahn nicht fährt, ist das eine absolute Katastrophe für unsere Unternehmen und Beschäftigten", sagte der Präsident des Handelsverbands Deutschland, Josef Sanktjohanser, der "Bild"-Zeitung.

Lösung nur am Verhandlungstisch

Wie es in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen GDL und Bahn weitergeht, ist ungewiss. Eine neue Offerte, die eine dreistufige Einkommenserhöhung um insgesamt fünf Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 30 Monaten vorsieht, hatte die GDL am Freitag als "Scheinangebot" bezeichnet und abgelehnt.

Ein Bahn-Sprecher verwies am Samstag ausdrücklich darauf, dass eine Lösung nur am Verhandlungstisch möglich sei. Die GDL vertrete die Lokführer. Sie solle zwar über Belange des übrigen Zugpersonals mitreden können. Dennoch vertrete deren Interessen federführend klar die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, bekräftigte der Sprecher.

GDL will Sprachrohr des Zugpersonals sein

Die GDL verlangt, neben den Lokführern auch für weitere Berufe wie etwa Zubegleiter und Bordgastronomen verhandeln zu dürfen. Sie fasst diese Gruppen mit den Lokführern als "Zugpersonal" zusammen und reklamiert die Mehrheit der Mitglieder für sich. Der Hintergrund: Die Gewerkschaft fürchtet das von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) geplante Gesetz zur Tarifeinheit.

Damit soll in Großunternehmen mit mehreren Gewerkschaften ein annähernd einheitliches System von Lohn- und Arbeitsbedingungen sichergestellt werden, so dass kleine Spartengewerkschaften ihre Interessen nicht auf Kosten anderer Beschäftigter durchsetzen können. Sie sollen zur Kooperation mit den Hauptgewerkschaften gedrängt werden. Nahles will den Entwurf Anfang November vorlegen.

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