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14,5 Millionen Menschen haben schon Hartz IV bekommen

Massenphänomen  

14,5 Millionen Menschen haben schon Hartz IV bekommen

03.11.2016, 16:09 Uhr | dpa

14,5 Millionen Menschen haben schon Hartz IV bekommen. Das Sozialkaufhaus Help in Berlin-Hellersdorf. (Quelle: dpa/Symbolbild)

Das Sozialkaufhaus Help in Berlin-Hellersdorf. (Quelle: Symbolbild/dpa)

In Deutschland haben mindestens 14,5 Millionen Menschen schon einmal Hartz-IV-Leistungen bekommen. Diese Zahl nannte das Bundessozialministerium auf eine Anfrage der Linken.

Darunter waren rund 10 Millionen erwerbsfähige Erwachsene und 4,4 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Die Sozialleistung war 2005 eingeführt worden.

Im vergangenen Jahr bezogen 785.000 Menschen erstmals neu Hartz IV. Die Zahl ging in den ersten Jahren des Hartz-Systems zunächst Jahr für Jahr zurück, steigt aber seit 2011 jährlich wieder an.

Insgesamt gibt es derzeit 5,9 Millionen Hartz-IV-Bezieher, darunter 4,3 Millionen Erwerbsfähige und 1,6 Millionen meist minderjährige Nicht-Erwerbsfähige. Trotz verstärkter Vermittlungsbemühungen der Jobcenter sank die Zahl der Hartz-IV-Dauerbezieher bundesweit zwischen Dezember 2014 und Dezember 2015 lediglich um 0,8 Prozent auf 2,6 Millionen.

Linke befürchtet Vererbung von Armut

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die schriftliche Frage gestellt hatte, sagte: "Hartz IV ist kein Randproblem, das nur Langzeiterwerbslose betrifft." Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte, Millionen Menschen würden von Hartz IV systematisch diskriminiert. "Oftmals vererbt sich die Armut selbst und das einhergehende Stigma von einer Generation zur nächsten." 

"Sie haben nachweisen müssen, dass sie über keinerlei Vermögen mehr verfügen", sagte Zimmermann. Sie hätten sich durch undurchschaubare Bürokratie kämpfen müssen, um Miete und Existenzminimum zu sichern, ihnen hätten Sanktionen gedroht.

Mehr Hartz IV ab 2017

Zum Jahresbeginn 2017 steigen die Leistungen leicht an. Der Regelsatz für Alleinstehende erhöht sich zum 1. Januar von 404 Euro auf 409 Euro pro Monat. Die Grundsicherung für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren klettert um 21 auf 291 Euro.

Dem Plus liegen neue Einkommens- und Verbrauchsstichproben des Statistischen Bundesamtes zugrunde. 2018 könnte der monatliche Regelsatz für Alleinstehende ersten Prognosen zufolge auf 414 Euro pro Monat steigen.

Armutsbedrohung in Deutschland bleibt unverändert

Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts 16,1 Millionen Menschen. Die Quote lag mit 20 Prozent ähnlich hoch wie in den Vorjahren - aber erneut unter dem EU-Durchschnitt von zuletzt 23,7 Prozent.

Sowohl in Deutschland als auch EU-weit waren im vergangenen Jahr mehr Frauen als Männer betroffen. Hierzulande lag der Frauen-Anteil bei 21,1 Prozent und der der Männer bei 18,8 Prozent.

Die Daten stammen aus der Erhebung "Leben in Europa" (EU-SILC). Danach gelten Menschen als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn ihr Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beträgt oder ihr Haushalt von erheblicher Entbehrung betroffen ist oder sie in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben.

VdK für höheren Mindestlohn

Nach Meinung des Sozialverbands VdK zeigen die Zahlen einen großen Handlungsbedarf. "Trotz der anhaltend guten wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland gibt es keinen deutlichen Rückgang der Armut", sagte Präsidentin Ulrike Mascher. Armut müsse endlich wirksam bekämpft werden, etwa mit einem auf mindestens 11,60 Euro erhöhten Mindestlohn. Er steigt 2017 auf 8,84 Euro.

Der Statistik zufolge sind aktuell Menschen unterhalb des klassischen Rentenalters eher von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht als Ältere. Bei den 18- bis 65-Jährigen waren es 21,3 Prozent, bei Menschen ab 65 Jahren 17,2 Prozent.

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