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'Wir sind sehr froh' - Kreuzfahrtschiff auf dem Weg nach Deutschland

'Wir sind sehr froh' - Kreuzfahrtschiff auf dem Weg nach Deutschland

19.04.2020, 14:47 Uhr | dpa-AFX

CANBERRA/BONN (dpa-AFX) - Die Menschen im Hafen klatschten zum Abschied. Und Kapitän Morten Hansen und Mitglieder seiner Crew winkten von Bord, als die "Artania" nach rund drei Wochen endlich vom Hafen der australischen Stadt Fremantle ablegen konnte. In den TV-Bildern war auch ein großes rotes Transparent mit Herz an einem der Decks zu sehen: "Thank you Fremantle", stand da geschrieben.

Nach mehreren Corona-Infektionen an Bord durfte das aus der ARD-Dokuserie "Verrückt nach Meer" bekannte Kreuzfahrtschiff am Wochenende die Heimreise antreten.

Der Ozeanriese war zwei Wochen zuvor unter Quarantäne gestellt worden. Seit Ende März lag die "Artania" in Fremantle südlich von Perth. Zu dem emotionalen Abschied trug auch bei, dass kurz vor dem Ablegen zwei Mitglieder der Crew am Kai getraut wurden, wie der Sender ABC berichtete.

An Bord befinden sich nach Angaben des deutschen Reiseveranstalters Phoenix noch gut 400 Menschen, hauptsächlich Crew-Mitglieder. Lediglich acht Passagiere entschieden sich gegen einen Heimflug und für eine Rückfahrt per Schiff.

Mehr als 840 Reisende und Besatzungsmitglieder waren nach Deutschland geflogen worden, 23 Gäste und 13 Crewmitglieder kamen in australische Krankenhäuser. Ein 69 Jahre alter deutscher Passagier und zwei Mitglieder der Crew starben. Insgesamt seien 81 Menschen an Bord positiv auf das Coronavirus getestet worden, hieß es.

"Der Kapitän und wir sind sehr froh, dass wir die Crew zu ihren Familien bringen können", sagte eine Sprecherin des Reiseunternehmens Phoenix. "Wir erwarten die "Artania"" Ende Mai zurück in Bremerhaven."

Auch der Regierungschef des Bundesstaates Westaustralien, Mark McGowan, war sichtlich erleichtert, als das Schiffshorn der "Artania" bei der Ausfahrt aus dem Hafen ertönte. "Ich bin sicher, jeder Westaustralier ist wie ich sehr froh, sie abfahren zu sehen", sagte er Reportern.

Denn das seit Ende März vor Australien ankernde Schiff hatte - wie auch andere Kreuzfahrtschiffe - den örtlichen Behörden viel Kopfzerbrechen bereitet. Sie hatten das Schiff deshalb zunächst aufgefordert, die australischen Gewässer unverzüglich zu verlassen. Die Besatzung bat die Behörden jedoch um Hilfe.

"Es besteht kein Zweifel, dass wir mit einer Situation konfrontiert waren, die sich leicht in eine größere Gesundheitskrise hätte verwandeln können", sagte McGowan mit Blick auf die Gefahr, dass Kreuzfahrtschiffe das Virus nach Australien einschleppten.

In dem Land gibt es bislang rund 6600 bestätigte Coronavirus-Infektionen und 72 Tote durch die Lungenkrankheit Covid-19. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden gehen mehr als ein Viertel der bisherigen Ansteckungen sowie etwa 40 Prozent der Todesfälle auf Kreuzfahrtschiffe zurück, die in Australien Station machten.

Im Falle der "Ruby Princess", einem anderen Kreuzfahrtschiff, will Australien deshalb mehr als 5500 ehemalige Passagiere befragen. Die Polizei im Bundesstaat New South Wales ermittelt, warum am 19. März fast 3000 Reisende in Sydney ohne größere Gesundheitskontrollen an Land gehen durften, obwohl es Corona-Verdachtsfälle an Bord gab.

Derzeit liegt das Schiff in Port Kembla nördlich von Sydney. Zunächst hieß es, es solle bis Sonntag australische Gewässer verlassen, doch nun berichteten örtliche Medien, es werde noch bis nächste Woche bleiben: Bereits 171 Crewmitglieder seien positiv auf das Virus getestet worden./sub/DP/mis




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