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Finanzmärkte: Wie die Hypothekenkrise wirkt


Weltmärkte  

Wie die Hypothekenkrise wirkt

30.07.2007, 20:29 Uhr | dpa, t-online.de

Was interessiert es deutsche Banken und deutsche Aktienkäufer, wenn in den USA ein paar Leute ihre Hypotheken nicht zurückzahlen können? Die Krise auf dem US-Häusermarkt wird derzeit von Beobachtern zur Begründung herangezogen, wieso hierzulande der DAX um fast zehn Prozent eingebrochen ist und eine als solide bekannte Bank ins Wanken gerät. #



Glänzendes Geschäft
Nach Lesart der Hypothenkrisen-Erklärer spielte sich das Ganze so ab: Jahrelang lief das Geschäft mit US-Hypotheken glänzend: Die Banken gaben vielen Kunden hohe Kredite, mit denen sie sich den Traum von den eigenen vier Wänden leisten konnten. Selbst diejenigen bekamen Geld, die wenig Vermögen im Hintergrund hatten.

Zweitklassig ohne Probleme
Für diese Kredite gibt es auch einen Banker-Fachbegriff, den außerhalb der Finanzwelt kaum jemand vorher gehört hatte: subprime-Kredite, also zweitklassige Darlehen, nicht so gut gesichert. Darin sah jahrelang niemand ein Problem: Auch wenn die Kunden nicht liquide waren – die als Sicherheit dienenden Immobilien gewannen ständig an Wert. Der Kreditmarkt schien ein sicheres Geschäft zu sein.

Kredite weiterverkauft
Immer mehr Kredite wurden vergeben. Die Kredit gebenden Banken wiederum bündelten ihre Forderungen in Pakete, die sie als Anleihen an andere Investoren weitergaben. Diese Anleihen sind handelbar, können immer weiter verkauft werden. Bis sie schließlich in die Hände von Hedge Fonds, internationalen Banken oder Versicherungen kamen. Sie kauften diese Anleihen, weil sie ein paar Punkte mehr Zinsen als Staatsanleihen abwarfen.

Immobilienpreise fielen
Das ging so lange gut, wie die Immobilienpreise stiegen. Doch das taten sie nicht ins Unendliche. Irgendwann werden die Häuser auch den Kaufwilligsten zu teuer. Die Immobilienpreise begannen zu sinken. Einige der nicht so zahlungskräftigen Hypothekenschuldner kamen in Zahlungsschwierigkeiten. Die Kredite waren nun nicht mehr durch die Immobilien gedeckt.

System wankt
Der Markt knickte ein, damit auch das Finanzierungskarussell. Zunächst waren nur amerikanische Immobilien-Finanzierer betroffen, dann kamen mehrere Hedge Fonds in Bedrängnis – und jetzt hat es selbst eine traditionsreiche deutsche Mittelstands- Bank wie die Düsseldorfer IKB kalt erwischt. Auch sie hatte in der Immobilienfinanzierung eine große Chance gesehen.

Gefahr eines Domino-Effektes
Zwar sprang bei der IKB die staatseigene KfW – mit 38 Prozent der größte Aktionär - helfend ein, doch das Ausmaß der Krise liegt noch im Dunkeln – nicht nur bei der IKB. „Die Frage ist, ob es einen Domino-Effekt gibt“, sagt Banken-Experte Wolfgang Gerke vom Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen in Nürnberg.

Kartenhaus bricht zusammen
Der Niedergang verstärkt sich dann durch viele Faktoren: Aus Furcht will niemand mehr die maroden Papiere kaufen, Hedge Fonds, die die so genannten „Subprime“-Anleihen selbst wiederum auf Kredit gekauft haben, müssen ihre Papiere dagegen schnell abstoßen. Das Kartenhaus bricht zusammen.

Auch andere Banken betroffen
„Man findet immer wieder, dass eine Bank meint, sie sei klüger als der Rest“, sagt Bankenexperte Gerke. Dann würden größere Risiken eingegangen, als eigentlich tragbar. „Das ist verwunderlich, nach so vielen Jahren Kapitalmarkttheorie.“ Er sieht in der US-Häuserkrise zwei Auswirkungen: Zum einen treffe es auch alle anderen Banken, die in dieses Segment investiert sind. Dort sei der Anteil dieser US-Papiere im Vergleich zu anderen Anlagearten allerdings „hoffentlich“ nicht so groß wie bei der IKB.

Wirkung auf Weltmärkte insgesamt
Zum anderen bestehe die Gefahr eines Domino-Effektes, dass auch große US-Banken schwerer getroffen werden und dies auf die Weltmärkte insgesamt drücke. Vor allem Banken und Versicherungen standen bereits in den vergangenen Wochen im Generalverdacht, unter der Krise zu leiden. Aber auch auf ganz andere Märkte können die maroden US-Hypotheken nach Einschätzung von Experten Auswirkungen haben: Weil dann die Zinsen für risikobehaftete Kredite allgemein steigen, lohnen sich für Finanzinvestoren (Private Equity) fremdfinanzierte Übernahmen nicht mehr.

Aktienkurse fallen auch
Und so war auch die Börse betroffen – gleich mehrfach: Zum einen kann niemand die Auswirkung dieser Hypothekenkrise auf den Finanzsektor und letztlich auf andere Branchen abschätzen. Zum zweiten fallen die Finanzinvestoren für Übernahmen aus, was bis zuletzt immer wieder die Kurse trieb. Und schließlich machen steigende Zinsen andere Anlageformen gegenüber Aktien interessanter.

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