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Vom Mythos zur Identitätskrise

50 Jahre Deutsche Bundesbank  

Vom Mythos zur Identitätskrise

23.07.2007, 16:12 Uhr | dpa / onWirtschaft, 01.08.2007, t-online.de

Jahrzehntelang war die Deutsche Bundesbank ein Mythos. Sie galt als die Institution, die mit Abstand das größte Vertrauen der Deutschen genoss. "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank", sagte EU-Präsident Jacques Delors 1992. Die nationale Notenbank war die Hüterin der Währung und stand für die Härte der D-Mark und das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Doch mit der Einführung des Euro änderte sich die Lage schlagartig und die Bundesbank verlor ihre vornehmste Aufgabe - die Festlegung der Leitzinsen - an die Europäische Zentralbank (EZB). Seitdem droht der Bundesbank der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Sparprogramme und Stellenabbau überschatten den 50. Geburtstag am 1. August.

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"Wir brauchen eine starke Bundesbank"
Auf die Frage nach der Existenzberechtigung der Bundesbank verweist Präsident Axel Weber auf die Mitwirkung in der europäischen Geldpolitik: "Wir brauchen eine starke Bundesbank als integralen Teil des Eurosystems." Im EZB-Rat vertritt Weber die größte europäische Volkswirtschaft, hat aber nur eine von 19 Stimmen und damit das gleiche Gewicht wie etwa Slowenien oder Luxemburg. Wichtige Aufgaben der Bundesbank sind aus seiner Sicht die Versorgung der Wirtschaft mit Bargeld, das Ausleihen von Geld an die Geschäftsbanken, die Bankenaufsicht und die Beratung der Bundesregierung.

Bundesbank-Existenz in Frage gestellt
Manche Beobachter halten die Notenbank aber bereits für überflüssig. "Die Institution hat sich überlebt", sagt Professor Dirk Schiereck von der European Business School in Oestrich-Winkel. "In 50 Jahren wird es die Bundesbank nicht mehr geben." Sogar Ex- Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl ist skeptisch: "Die Bundesbank ist nicht mehr, was sie mal war. Der Mythos existiert nur noch rudimentär."

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Suche nach neuer Identität
Die Notenbank ist auf der Suche nach neuen Aufgaben und einer neuen Identität. Die Selbstfindung in dem 13-stöckigen Betonklotz der Frankfurter Zentrale dauere zu lange und werde schlecht kommuniziert, sagen Kritiker und sprechen von einem "aufgeblähten Apparat". Doch die Bundesbank ist seit Jahren auf Schrumpfkurs. Von ursprünglich 127 Standorten sollen bis 2012 nur noch 47 übrig bleiben, und die Mitarbeiterzahl wird von heute 10.970 Mitarbeiter auf 9000 reduziert.

Ruhmreiche Vergangenheit
Der Blick in die Zukunft ist wenig rosig - die Vergangenheit der Notenbank ist aber ruhmreich. Im Konflikt mit Bundeskanzlern und Finanzministerin hat die unabhängige Notenbank jahrzehntelang eine eigenständige Zinspolitik der harten Hand geführt. "Die Geschichte der Bundesbank ist eine Erfolgsgeschichte", sagt der Präsident der Frankfurt School of Finance and Management, Professor Udo Steffens. "Mit einer beispiellosen Stabilitätspolitik hat die Bundesbank die D-Mark zu einer der stabilsten Währungen der Welt gemacht." Damit wurde die Notanbank zum Modell für die Europäische Zentralbank. "Ohne die starke Mark hätte es niemals den starken Euro gegeben."

Bevölkerung als Verbündeter
Die Bevölkerung galt immer als Verbündeter der Notenbank. Ohne die Unterstützung der Öffentlichkeit hätte die Bundesbank wohl so manchen Kampf gegen die Bundesregierung verloren. Legendär ist der Gold-Streit aus dem Jahr 1997, als der damalige Finanzminister Theo Waigel (CSU) eine Höherbewertung der Goldreserven forderte - und kläglich scheiterte. Zeitungen empörten sich über die "Operation Goldfinger" und die "Vergewaltigung" der Notenbank.

Hüterin des Goldschatzes
Als die Politik in ihrer Haushaltsnot 2003 mal wieder nach dem Goldschatz greifen wollte - der Erlös würde in den Bundeshaushalt fließen - schlug Bundesbank-Präsident Ernst Welteke die Einrichtung eines Bildungsfonds vor, der aus Goldverkäufen gespeist werden sollte. Das Projekt wurde nie realisiert. "Die Bundesbank ist bis heute ein Bollwerk als Hüterin des Goldschatzes", sagt Volkswirt Manfred Jäger vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). 3420 Tonnen des Edelmetalls lagern in ihren Tresoren.

Konflikt mit der Politik
Im Konflikt mit der Politik scheiterte die Notenbank manches Mal. Bei der deutschen Wiedervereinigung war Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl ein einsamer Rufer in der Wüste. Der Geldpolitiker warnte schon 1990 vor den "katastrophalen Folgen" der Vereinigung in der DDR und empfahl einen Umtauschkurs von 2:1 zwischen DDR-Geld und harter D-Mark. Seine Rufe blieben in der allgemeinen Euphorie ungehört und Pöhl trat aus Enttäuschung 1991 zurück.

Reibungslose Euro-Einführung
Als Verdienst der Bundesbank gilt die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds am 1. Januar 2002 in Deutschland. Die größte Umtauschaktion der Geschichte war eine logistische Meisterleistung, Transportfirmen verteilten zum Jahreswechsel rund 71.500 Tonnen Münzen und 2,5 Milliarden Banknoten an die Kunden.

Skandale der Bundesbank
Für den größten Skandal in der Geschichte der Notenbank, die jahrzehntelang ein Symbol für Anständigkeit war, sorgte Präsident Welteke. Er musste 2004 nach einem Aufenthalt im Berliner Luxushotel Adlon auf Kosten der Dresdner Bank zurücktreten. Seine 7600 Euro teure "Adlon-Sause" machte als Beleg für die Raffgier der Top-Banker Schlagzeilen. Bis heute prozessiert Welteke gegen die Bundesbank. Sein Nachfolger, der Universitäts-Professor Weber, hat die Bundesbank auf Sparkurs gebracht und genießt allgemein große Wertschätzung.

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