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Die Kreditkrise schwelt weiter


Finanzmärkte  

Die Kreditkrise schwelt weiter

15.08.2007, 11:35 Uhr | dpa/ AFP/ onWirtschaft, mmr, t-online.de

Am vergangenen Dienstag (14.08.07) versuchte Bundesbank-Präsident Axel A. Weber zu beschwichtigen. Die US-Hypothekenkrise habe zu Anspannungen an den Finanzmärkten geführt, doch derzeit finde eine Normalisierung der Risiko-Bepreisung statt. Von "Nervosität und Überreaktionen in einigen Marktsegmenten" seien zwar auch deutsche Banken betroffen. Aber die Liquiditiäts-Maßnahmen der Europäischen Zentralbank haben Wirkung gezeigt. Das Eurosystem habe "nachhaltig zur Marktberuhigung beigetragen". Die "Ertragseinbußen für die Kreditinstitute sind insgesamt begrenzt". Und die jüngsten Probleme der IKB stellten einen institutsspezifischen Einzelfall dar. Alles also halb so schlimm?



Anlegerschützer sind optimistisch
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat sich trotz der kräftigen Kursverluste der vergangenen Tage optimistisch für deutsche Aktien gezeigt. Sobald die Krise bei den Finanztiteln überstanden sei, "hört auch die Sippenhaft für alle anderen Werte auf", sagte ein DSW-Sprecher. Dann werde der Blick wieder frei für die Unternehmenszahlen. "Und die Unternehmen verdienen gutes Geld." Das spreche für weiter steigende Kurse.
Längerfristig orientierten Anlegern riet der Aktionärsschützer, die Schwächephase auszusitzen. "Die Kursabschläge der vergangenen Tage bieten durchaus auch Einstiegsmöglichkeiten." Die Banken müssten aus der Krise für faule US-Immobilienkredite dennoch Konsequenzen ziehen, forderte Kurz.

US-Geldmarktfonds stundet Rückzahlungen
Doch jenseits des Atlantiks verunsichern neue, kleinere Brandherde. So hat der Geldmarktfonds Sentinel Management Group hat die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) um Erlaubnis gebeten, Rückzahlungen solange aufschieben zu dürfen, bis sie wieder ordnungsgemäß abgewickelt werden können. Wie der Fernsehsender „CNBC“ berichtete, sei Sentinel nicht in der Lage, umfangreichen Rückgabe-Anfragen von Fondsanteilen nachzukommen. Das Unternehmen bietet Bargeld-Management für Rohstoff-Handelsfirmen, Hedge Fonds und vermögende Privatpersonen an.
„Wir haben ursprünglich gedacht, dass der Markt zur Ordnung zurückkehrt und unsere Klienten sich nicht von der Panik anstecken lassen würden. Unglücklicherweise ist das nicht der Fall“, heißt es in einem Brief von Sentinel an die Kunden, berichtete CNBC. Der Fonds hat ein verwaltetes Vermögen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar.

Gläubigerschutz für weitere US-Hypothekenbank
Die amerikanische Hypothekenbank Aegis Mortgage hat sich infolge der US-Subprime-Krise unter den Schutz des US-Insolvenzrechts gestellt. Der Antrag nach "Chapter 11" sei beim Gericht in Delaware eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Houston mit. Die Regelung erlaubt es US-Unternehmen, sich grundlegend zu sanieren, ohne die Forderungen der Gläubiger bedienen zu müssen.

"Finanziellen Herausforderungen begegnen"
Unter den ungesicherten Gläubigern seien Morgan Stanley mit knapp 16 Millionen, Goldman Sachs mit acht Millionen US-Dollar, die Deutsche Bank mit 1,3 Millionen und Merrill Lynch mit gut 300.000 US-Dollar. Der Antrag auf Gläubigerschutz sei notwendig geworden, um den finanziellen Herausforderungen infolge des Absturzes am Subprime-Markt und des Immobilienmarktes in den USA zu begegnen, hieß es in der Mitteilung. Aegis hatte bereits am vergangenen Montag die Annahme neuer Gelder gestoppt und nach eigenen Angaben eine "beträchtliche Zahl" seiner 1300 Mitarbeiter entlassen. An Aegis ist auch der US-Finanzinvestor Cerberus beteiligt.

Mehrere US-Immobilien-Finanzierer melden Insolvenz
Erst vor gut einer Woche hatte mit der American Home Mortgage Investment (AHM) der zehntgrößte Wohnimmobilien-Finanzierer der USA Insolvenz nach "Chapter 11" angemeldet. Kurz zuvor war angesichts der US-Immobilienkrise auch der Immobilienfinanzierer Homebanc pleite gegangen.

Deutsche Bank betroffen
Auch ein kanadischer Fonds der Deutschen Bank soll in Schwierigkeiten sein, schreibt das "Handelsblatt". Die Deutsche Bank hat nach kanadischen Angaben die Kreditlinie für einen dortigen Fonds gekappt. Nach Angaben der Verwalter der Fonds MMAI-I und des Global Diversified Investment Grade Income Trust habe das Kreditinstitut MMAI nach Handelsschluss am Montag darüber benachrichtigt, dass sie die zusätzlich benötigte Liquidität nicht zur Verfügung stelle. MMAI sei nicht mehr in der Lage, neue Kreditderivate auszugeben.

Merrill Lynch stuft Aktie zurück
Die Investmentbank Merrill Lynch stufte nun die Aktie der Deutschen Bank von "Buy" auf "Neutral" herab. Die Märkte befänden sich in einer schwierigeren Situation als noch vor kurzem gedacht, so Analyst Stuart Graham. Zwar dürfte sich die Deutsche Bank dank ihres ausgezeichneten Risikomanagements gegen die wahrscheinlich anhaltenden Kreditmarkt-Turbulenzen weitgehend abschirmen, allerdings sei dies bereits in einem hohen Maß im Aktienkurs berücksichtigt. Die Aktien der Deutschen Bank verlieren am Mittwoch zeitweise fast drei Prozent auf 91,28 Euro und notieren damit nahe ihrem Jahrestief (vgl. 6-Monats-Chart).

Weltweiter Kursrückgang hält an
Die Kursverluste der Deutschen Bank sind kein Einzelfall. Die anhaltende Besorgnis über negative Auswirkungen der US-Hypothekenkrise rütteln weltweit an den Börsen. In Asien und Australien traf es am Mittwoch die Börsen in Tokio, Hongkong und Sydney schwer. Der Nikkei-Index in Tokio fiel durch Verluste vor allem bei Finanzwerten um 2,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit acht Monaten. In Sydney sackte der Leitindex um drei Prozent ab, in Hongkong um 2,9 Prozent, Singapurs Straits Times Index verlor 3,4 Prozent. Auch der deutsche Aktienmarkt eröffnete schwach. Der Leitindex DAX rutschte unter die 7400-Punkte-Marke, hält sich aber vergleichsweise gut. Verschiedene Experten vermuten mit Hinweis auf den kleinen Verfallstag an den Terminmärkten am kommenden Freitag Stützungsaktionen.

Finanzaktien überdurchschnittlich betroffen
Am Vorabend hatte sich der Kursabfall an der weltgrößten Börse in New York zum Tagesschluss beschleunigt. Finanzwerte wie Lehman, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Citigroup, Bank of America und viele andere standen erneut unter starkem Abgabedruck. Der Dow Jones Index fiel um 1,6 Prozent und lag am Schluss nur noch knapp über 13.000 Punkten. Auch die lateinamerikanischen Börsen gaben stark nach. Am größten Wertpapiermarkt des Subkontinents im brasilianischen São Paulo stürzte der Bovespa-Index um 2,9 Prozent in den Keller.

Kritik an Deutscher Bundesbank
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin und die Deutsche Bundesbank im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise kritisiert. "Die BaFin und die Bundesbank scheinen nicht schnell genug eingegriffen zu haben", sagte VZBV-Anlage-Experte Axel Kleinlein der "Berliner Zeitung". Das Übergreifen der US-Krise etwa auf die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB zeige, dass "die nationalen Aufsichtsbehörden auf den Prüfstand" müssten. Kleinlein gab auch den Rating-Agenturen eine Mitschuld: Sie hätten "die Risiken der jetzt angeschlagenen Institute unterschätzt".

Werden China und Öl-Staaten helfen?
Norbert Walter verteidigt unterdessen die Notenbanker. "Die Zentralbanken, besonders die EZB, haben eine richtige Entscheidung getroffen", so der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank in einem Interview mit "Börse.ARD.de". Er sei zwar überrascht, dass der Bedarf an Liquidität besonders in Europa so groß ist. "Aber niemand weiß besser als die Notenbanken, was in solchen Situationen zu tun ist. Die Märkte sollten also der Steuerungswilligkeit und -fähigkeit der Notenbanken vertrauen." Walter ist überzeugt, dass die Märkte nicht weiter abrutschen. "Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht, aber Liquidität ist nach wie vor reichlich vorhanden. China und die Ölstaaten sitzen auf Bergen von Dollar und Euro, die wieder angelegt werden wollen."

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