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Fondshandel: Schiffsbeteiligungen sind stark gefragt


Fondshandel  

Secondhand steht hoch im Kurs

18.02.2010, 14:43 Uhr | Financial Times Deutschland, t-online.de

Tanker (Foto: dpa)Tanker (Foto: dpa) Der Handel mit Fondsanteilen brummt. Vor allem Schiffsbeteiligungen sind stark gefragt. Sie machen den Großteil des Handelsvolumens aus. Der Umsatz mit Immobilien bleibt indes weiter verhalten.

Zu Rekordpreisen gehandelt
Von wegen Schnäppchen. Gebrauchte Anteile einiger geschlossener Fonds werden zu Rekordpreisen gehandelt. So zahlte ein Käufer für eine Beteiligung am Schiff "Colonian Sun" des Emissionshauses Lloyd Fonds kürzlich den Kurs von 240 Prozent. Für den Verkäufer ein gutes Geschäft: Inklusive der gezahlten Ausschüttungen machte er einen Gewinn von 180 Prozent vor Steuern und Gebühren - innerhalb von vier Jahren.

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Der Handel brummt
Das ist zwar nicht die Regel, aber auch keine Ausnahme. Dass der Käufer für die gebrauchten Anteile erheblich mehr gezahlt hat als der Erstzeichner, ist bei den nach Schätzung von Branchenexperten rund 6300 Transaktionen an etwa 790 Schiffsfonds der vergangenen fünf Jahre häufig vorgekommen. Generell brummt der Handel mit gebrauchten Fondsanteilen. Rund 612 Millionen Euro setzten die Händler im vergangenen Jahr um.



Seeverkehr wird sich prächtig entwickeln
Dieses Jahr könnte nach Meinung von Branchenexperten die Schallmauer von 1 Milliarde Euro durchbrochen werden. Die Chancen dafür stehen gut. Denn der Großteil der gehandelten Anteile sind Schiffsbeteiligungen. Und so wie es aussieht, wird sich der Seeverkehr dank der boomenden Wirtschaft in Asien in den kommenden Jahren weiterhin prächtig entwickeln.

Deutsche Anleger suchen nach Möglichkeiten
Schon jetzt steigen die Schiffspreise und Charterraten stetig - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise der Fondsanteile. "Deutsche Anleger suchen nach Möglichkeiten, ihr Kapital in Schiffen anzulegen. Weil die Nachfrage nicht alleine durch Neubauten befriedigt werden kann, bietet sich der Zweitmarkt zum Einstieg an", sagt Axel Steffen, Vorstandsmitglied des Schiffsinitiators Hansa Treuhand.

Private Anleger: Seltene Zweitmarkt-Kunden
Nur in Ausnahmefällen allerdings zählen private Anleger zu den Kunden der Zweitmärkte. Denn ihnen fehlt in der Regel das nötige Wissen, einen Schiffsfonds richtig einzuschätzen. Der Vorteil beim Kauf von Zweitmarktanteilen liegt darin, dass Erfahrungswerte über den Verlauf der Beteiligung vorliegen. Dennoch raten Experten privaten Anlegern zur Vorsicht.

Preise schwer einzuschätzen
Der Käufer sollte nicht nur die bisherigen Bilanzen prüfen, sondern auch die Prognosen für Charterraten und Chartermärkte kennen. Andernfalls kann er die Entwicklung einer Schiffsbeteiligung und damit auch der Preise schwer einschätzen.

Maritim Invest Marktführer
Den Großteil der angebotenen Schiffe erwerben daher professionelle Aufkäufer, die auf der Suche nach Objekten für ihre Zweitmarktfonds sind. Darin sammeln sie die gebrauchten Schiffsgesellschaften und bieten sie ihren Kunden zur Zeichnung an. Im Schnitt liegt das in Aussicht gestellte Ergebnis der Sammelfonds bei rund sieben Prozent. Marktführer in diesem Segment ist Maritim Invest. Das Unternehmen bietet inzwischen seinen Zweitmarktfonds Nummer 14 an. "In diesem Jahr werden wir Anteile im Wert von über 80 Millionen Euro erwerben", kündigt Geschäftsführer Matthias Brinckmann an.

Zweitmarktfonds: Vierfach überzeichnet
Mehrere Anbieter haben nun entdeckt, dass sich mit Zweitmarktfonds Geld verdienen lässt. Auch deshalb rechnet niemand mit fallenden Preisen für gebrauchte Schiffsanteile. "Die Nachfrage nach Secondhand-Beteiligungen beträgt derzeit das Vierfache des tatsächlichen Handels", sagt Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland. Pro Anteil gebe es im Schnitt 15 Kaufinteressenten.

Stichwort lautet Fungibilität
Daher versuchen nun auch die Initiatoren, mit eigenen Handelsplattformen den Bedarf zu decken. Nordcapital etwa hat den Deutschen Sekundärmarkt gegründet, und Lloyd Fonds bietet neuerdings Schiffsanteile auf der unternehmenseigenen Plattform "Trade On" an. "Wir wollen eine Marktmacht werden im Handel von Zweitmarktanteilen", sagt der Vorstandsvorsitzende Torsten Teichert. Er setzt vor allem auf Geschwindigkeit. Ziel von "Trade On" ist es, innerhalb von 48 Stunden einen verbindlichen Kurs zu stellen. Teichert betrachtet den Zweitmarkt außerdem als Verkaufsargument für neue Fonds. Das Stichwort lautet Fungibilität.

Der Schein trügt
Auf den ersten Blick wirkt es tatsächlich so, als würden geschlossene Fonds durch den Zweitmarkthandel zu einer Kapitalanlage, die so wie Aktien und Investmentfonds nahezu täglich wieder in Bares getauscht werden kann. Aber vor allem Inhaber von Immobilienbeteiligungen sollten sich nicht darauf verlassen. Denn sie werden ihre Beteiligungen in den meisten Fällen nicht einmal los, wenn sie sie verschenken.

Anleger: Unwissend und irrational
Das wissen allerdings die wenigsten Anteilseigner. "Die Anleger haben oft völlig überzogene Vorstellungen", sagt Frank Heimsaat, Vorstandsmitglied der Zweitmarkt Plus. Irrationale Preisannahmen sind an allen Zweitmarktbörsen zu beobachten, bestätigt auch Mark Hülk, beim Gebrauchtfondshändler Meridian 10 für Immobilien zuständig.

Immobilienfonds an falsche Kundengruppe vertrieben
Das Unternehmen, hinter dem die Investmentbank Lehman Brothers, der US-Shopping-Center-Betreiber Kimco Realty, die Hamburger Hanseatic Gruppe und E-Fonds stecken, kauft für die eigenen Bücher. "Es ist leider kein Einzelfall, dass uns Fondsinhaber anrufen und ihr Sparbuch auflösen wollen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass geschlossene Immobilienfonds seinerzeit an die falsche Kundengruppe vertrieben worden sind", sagt Hülk.

Schiffs- und Immobilienfonds unterscheiden sich deutlich
Und so stellt sich die Frage, wie sich gebrauchte Fonds bewerten lassen. Auch hier unterscheiden sich Schiffs- und Immobilienfonds deutlich. "Bleiben die Charterraten stabil, hängt die Höhe künftiger Kurse davon ab, wie sich die Schiffsbetriebskosten und der Wechselkurs zum Dollar entwickeln", sagt Brinckmann von Maritim Invest.

Lage, Standort und Mieter bestimmen den Preis
Immobilien hingegen müssen differenzierter betrachtet werden. In erster Linie bestimmen Lage, Standort und Mieter den Preis. "Maßgeblich für den aktuellen und künftigen Wert ist, wie das Gebäude gemanagt und verwaltet wird. So kann ein Einkaufszentrum in Cottbus mit den passenden Mietern und Geschäften wirtschaftlicher sein als ein Bürogebäude mit zwölfjährigem Telekom-Mietvertrag", sagt Gadeberg von der Fondsbörse Deutschland. Der Handel mit deutschen Immobilienfonds bildet dort den Schwerpunkt. Gadeberg schätzt den Anteil auf 70 bis 80 Prozent. Darin unterscheidet sich seine Handelsplattform von allen anderen.

Den Überblick nicht verlieren
Anteile an Private-Equity-Fonds werden interessanterweise kaum über den Zweitmarkt vertrieben, obwohl fast alle Anbieter sich zum Ziel gesetzt haben, alle Fondsbereiche abzudecken. Das liegt vor allem daran, dass manche Private-Equity-Gesellschaften über Zielfonds in Hunderte von Unternehmen investieren. Wer will die alle analysieren, um auf einen realistischen Anteilspreis zu kommen?

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