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Anlegerschutz: EU-Finanzmarktrichtlinie schützt Anleger


MiFiD  

Geldberater im Glashaus

19.10.2007, 14:06 Uhr | Spiegel Online, t-online.de

Die EU stärkt den Anlegerschutz: Ab November gelten neue Regeln bei der Vermittlung von Finanzprodukten - viele Anleger erfahren zum ersten Mal, welche Provisionen ihr Vermögensberater einstreicht. Ein Überblick über das neue "Grundgesetz des Finanzmarkts".

Grundgesetz des Finanzmarkts
Die Mifid (Markets in Financial Instruments Directive) gilt als das neue Grundgesetz des Finanzmarkts. Für mehr als 90 Prozent der Führungskräfte von Banken und Sparkassen ist die EU-Richtlinie das wichtigste Branchenthema des Jahres. DAS INVESTMENT erklärt die entscheidenden Änderungen für Anleger, Banken und freie Vermittler.



1. Die Provision wird öffentlich
Ab November erfahren viele Anleger zum ersten Mal, wie viel Geld ihre Vermögensberater als Vermittlerhonorar erhalten; alle Provisionen müssen offengelegt werden. "Der Anleger ist dadurch besser informiert, ob es bei seinem Berater mögliche Zielkonflikte gibt zwischen den optimalen Empfehlungen für seine Kunden und den finanziellen Anreizen der Emittenten", meint Andreas Fink vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI).

Wer nicht fragt, bekommt keine Antwort
Doch wer nicht fragt, bekommt wohl auch keine Antwort: Rund ein Viertel der Vermögensberater wollen versteckte Kosten nur dann offenlegen, wenn der Kunde darum bittet. Lediglich 6 Prozent wollen den Kunden unaufgefordert die Daten zusenden, so eine Umfrage der Universität Mainz und des Unternehmensberaters Investors Marketing. Sie befragten knapp 250 Berater aus Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben sowie freie Berater.

Berater nicht bereit Höhe der Provision zu nennen
Außerdem befragten die Mainzer etwa genauso viele Kunden verschiedener Vermögensklassen. Dabei zeigte sich, dass knapp drei Viertel der Anleger auf Nachfrage für jedes einzelne Finanzprodukt im Portfolio die genaue Höhe der Rückvergütung an den Vermittler erfahren wollen. Doch dazu ist bisher erst jeder vierte Berater bereit. Mehr als 13 Prozent der freien Berater und Angestellten von Finanzvertrieben wollen ihre Provisionen als Passus in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstecken.

2. Die Beratung wird persönlicher
Die Finanzdienstleister müssen ihre Anlageberatung zukünftig stärker auf den Kunden maßschneidern: Wie erfahren ist der Kunde bei Geschäften mit bestimmten Finanzinstrumenten? Was sind seine persönlichen Anlageziele? Wie steht er finanziell da? Auf diese Fragen muss der Berater eingehen, um eine individuelle Empfehlung geben zu können. Verlangt der Kunde selbst ein Finanzinstrument, das nicht zu seinen Rahmendaten passt, muss der Berater ihn darauf hinweisen. Fehlen ihm diese persönlichen Informationen über den Anleger, darf er seine Dienstleistungen nicht erbringen.

Plausch gilt als Beratungsgespräch
Doch wann greifen diese Regeln? Den "Tatbestand der Anlageberatung" regelt ein gemeinsames Informationsblatt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Bundesbank. Demnach gilt der Plausch mit dem Vermögensberater als Beratungsgespräch, wenn er dem Kunden gegenüber eine persönliche Empfehlung zu seiner Depotaufteilung gibt, nachdem er sich über seine persönliche Situation informiert hat. Allgemeine Anlagetipps zum Beispiel über das Internet zählen ausdrücklich nicht dazu.

Anleger soll vor positiver Werbung geschützt werden
"Bei der Gestaltung von Informations- und Werbematerial müssen sich Anbieter von Anlageprodukten an strengere Auflagen halten", erklärt Finanzautor Matthias Brockmeier. So solle der Anleger vor einseitig positiver Werbung geschützt werden, die die Risiken der Anlage verschleiert.

Freie Vermittler dürfen weiterhin Empfehlungen abgeben
Bei der reinen Vermittlung von Fondsanteilen bleibt vieles beim Alten: "Freie Vermittler können weiterhin selbstständig Investmentfonds vermitteln. Dazu müssen sie sich weder unter ein Haftungsdach begeben noch ein Finanzdienstleistungsinstitut unter Kontrolle der Bafin gründen", erklärt Frank Rottenbacher vom Vorstand des Arbeitgeberverbandes der finanzdienstleistenden Wirtschaft (AfW). "Freie Vermittler dürfen ihren Kunden auch weiterhin empfehlen, einzelne Investmentfonds zu kaufen oder zu verkaufen." Das gilt auch für Anleger, die neben Fonds Zertifikate, Renten oder Aktien besitzen. Hier darf der Vermittler den Anleger zu Kauf und Verkauf von Fonds beraten. "Innerhalb der Portfoliosuppe dürfen Vermittler dieses Fleischstückchen herausnehmen und durch ein anderes ersetzen", so Rottenbacher.

3. Die Abwicklung wird optimal
Steht fest, wie der Kunde sein Vermögen anlegen will, muss der Vermittler die Order so preiswert wie möglich ausführen. Dazu muss er ein System bereithalten, das alle anfallenden Kosten, die Geschwindigkeit und die Wahrscheinlichkeit der Ausführung verschiedener Handelsplattformen berücksichtigt, von denen er sich die Finanzprodukte beschafft. Die Pflicht zur bestmöglichen Orderausführung ist unter dem Stichwort Best Execution bekannt.

Es gibt Ausnahmen
Eine Ausnahmeregelung gilt für den Kauf von Investmentfonds: Der Weg über die Fondsgesellschaften gilt von vornherein als die beste Option, auch wenn es günstigere Möglichkeiten gibt. Bei Aktien, Anleihen und Zertifikaten dagegen müssen die besten Beschaffungskanäle immer wieder neu recherchiert werden. In der Praxis können Vermittler aber auch einmal pro Jahr für verschiedene Wertpapierkategorien ein Verfahren festlegen, an welchem Handelsplatz sie abgewickelt werden sollen.

Daten über Käufe werden festgehalten
"Dennoch müssen Finanzdienstleister die Daten über die Käufe und Verkäufe fünf Jahre und Mitschnitte von Telefonaten mit Kunden ein Jahr lang vorhalten", erklärt Matthias Rabeneck von Hitachi Data Systems. "Denn der Vermittler muss beweisen können, dass Best Execution erreicht wurde, zum Beispiel, dass die Ausführung mit dem festgelegten Verfahren übereinstimmt."

Wettbewerb wird gestärkt
Durch die Pflicht zur Best Execution wird der europaweite Wettbewerb zwischen den Handelsorten verstärkt. Das bedeutet für den Anleger geringere Kosten für die Orderabwicklung. Um für den anstehenden Konkurrenzkampf vorbereitet zu sein, senkt zum Beispiel die Deutsche Börse zum 1. November ihre Gebühren für den Frankfurter Parketthandel mit Aktien und Renten. Bei Aktien werden 0,038 Prozent vom Orderwert fällig, bei Anleihen sind es 0,01 Prozent. Weitere Börsen dürften diesem Vorbild folgen.

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