Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Aktien >

Deutschlands teuerste Aktie vor dem Aus


Wertpapiere  

Deutschlands teuerste Aktie vor dem Aus

27.11.2007, 09:28 Uhr | dpa / T-Online, t-online.de

Kötitzer-Vorstand Werner Harder zeigt die Aktie. (Foto: dpa)Kötitzer-Vorstand Werner Harder zeigt die Aktie. (Foto: dpa) Null Meter über dem Meeresspiegel, 39 Einwohner, 115 steuerpflichtige Firmen – Norderfriedrichskoog an der Westküste Schleswig-Holsteins ist ein besonderes Nest. Bis 2004 war es eine bundesweit bekannte Steueroase, da keine Gewerbesteuer erhoben wurde. 400 Firmen und Konzerne siedelten sich hinter dem Deich an. Einige Unternehmen hatten nicht mehr als einen Briefkasten.



Aktie wird verschwinden
Während die meisten Global Player wieder fort sind, sticht ein Unternehmen weiter hervor: Die Kötitzer Ledertuch- und Wachstuch- Werke AG. Sie hat mit 11.000 Euro die teuerste Aktie Deutschlands. Jetzt soll die AG zu 100 Prozent übernommen werden – und wird danach wohl von der Börse verschwinden.

Alles über die Aktien - Börsenlexikon
Börsenkurse - Deutschland | Europa | Welt

Kein aktives Handelsgeschäft mehr
Tücher werden bei Kötitzer schon seit den 60er Jahren nicht mehr hergestellt, Maschinen und riesige Stoffballen sucht man in der Diekstraat 3 vergeblich. „Es gibt kein aktives Handelsgeschäft mehr“, sagt Vorstand Werner Harder. Heute sind die früheren Tuchwerke eine reine Vermögensverwaltung.

Zu 99 Prozent in Milliadärs-Hand
Von den 235.000 Aktien gehören mehr als 99 Prozent der KL Holding, hinter der sich die Familie von Adolf Merckle verbirgt. Der Milliardär – laut Forbes-Liste viertreichster Mann Deutschlands – bündelt bei Kötitzer einige seiner Vermögenswerte. Dazu gehört eine 49-prozentige Beteiligung an der Spohn Cement GmbH, die wiederum mit 60 Prozent an Heidelberg Cement beteiligt ist.

Noch 50 Aktien im Umlauf
Merckle, Gründer des Pharmaunternehmens Ratiopharm, und seine Familie möchten die Kötitzer AG komplett übernehmen und zu diesem Zweck die restlichen Aktien aufkaufen. Nur knapp 50 Aktien sind noch im Besitz anderer Aktionäre. Um diese zur Abgabe zu bewegen, soll eine Abfindung von 14.520 Euro pro Exemplar gezahlt werden.

Auch Squeeze-out möglich
Ein Herausdrängen von Minderheitsaktionären (Squeeze-out) ist möglich, wenn ein Hauptaktionär mindestens 95 Prozent einer AG hält. „Die wenigen Minderheitsaktionäre rechtfertigen nicht mehr den enormen Aufwand einer Börsennotierung“, sagt Alleinvorstand Harder.

Hauptversammlung entscheidet
Am 19. Dezember findet in Stuttgart eine außerordentliche Hauptversammlung statt, die über den Börsenabschied befinden wird. Anfechtungsklagen könnten das Ende der teuersten Aktie Deutschlands allenfalls herauszögern. Harder ist gespannt, ob zu diesem Anlass mehr Minderheitsaktionäre kommen als zu den letzten Versammlungen. „Da kam kaum einer.“

Mit Verwaltung der Reichtümer beschäftigt
Kötitzer wurde 1897 in Coswig (Sachsen) gegründet, nach Stationen in Düsseldorf und Berlin hat sich das Unternehmen 2002 im abgelegenen Norderfriedrichskoog angesiedelt. Drei Mitarbeiter sind bei Kötitzer in Norderfriedrichskoog mit der Verwaltung der Reichtümer beschäftigt. Einen eigenen Umsatz hat man zuletzt kaum gemacht, im Quartalsbericht Januar bis September 2007 sind 39 000 Euro ausgewiesen - der Gegenwert von dreieinhalb Kötitzer-Aktien. „Das sind hauptsächlich Mieten“, sagt Harder. Zugleich gab es aber Einnahmen aus assoziierten Unternehmen wie der Spohn Cement von 609 Millionen Euro.

220mal so viel wert wie 1923
In diesen Beteiligungen liegt auch der Zuwachs der Aktie begründet. „Das erklärt sich durch den stark gestiegenen Wert des Unternehmens.“ 1923 wurde Kötitzer Aktiengesellschaft. 1985 gab es eine Kapitalerhöhung. Die Aktie wurde damals nominell für 100 Mark ausgegeben, heute ist sie gemessen am Kurs das 220-Fache wert.

"Viel Falsches verbreitet worden"
Harder erklärte, dass Kötitzer „selbstverständlich Gewerbesteuer in Norderfriedrichskoog zahlt“. Er weist Vorwürfe zurück, alles sei hier mehr Schein als Sein. Über das Dorf an der Nordsee und die ansässigen Firmen sei viel Falsches verbreitet worden. Auch nach dem Börsenabschied bleibe man dem Dorf treu.

Noch teurere Aktien
Trotz der Wertzuwächse in jüngster Zeit – eine Konkurrenz für die teuerste Aktie der Welt wäre Kötitzer wohl kaum geworden. Nach Angaben der Börse in Frankfurt wird das Papier des Holdingunternehmens Berkshire Hathaway (USA) mit 92.000 Euro bewertet.




Mehr zum Thema:
Kötitzer Ledertuch- und Wachstuch- Werke AG - Die Aktie
Trotz Umsatzrekord - Deutsche Börse baut Stellen ab



Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal