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Hypothekenkrise: Hypo-Chef Funke büßt Vertrauen ein


Kreditkrise  

Hypo-Chef Funke büßt Vertrauen ein

16.01.2008, 09:18 Uhr | Financial Times Deutschland / T-Online, t-online.de

Vorstand  Hypo Real Estate Georg Funke  (Foto: imago)Vorstand Hypo Real Estate Georg Funke (Foto: imago) Hypo Real Estate (HRE) -Vorstandchef Georg Funke hat mit seiner überraschenden Abschreibung auf US-Wertpapiere die Märkte geschockt. Der Kurs der Aktie brach um ein Drittel ein.#

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Hypo schockierte die Börse
Entgegen früherer Beteuerungen, sie sei nicht in US-Subprime-Hypotheken engagiert, musste die HRE eine Abschreibung von 390 Millionen Euro auf gebündelte Anleihepakete (Collateralized Debt Obligations/CDO) einräumen, die auch in verbriefte Subprime-Kredite investiert haben. Davon werden 295 Millionen Euro ergebniswirksam und drücken den Jahresgewinn vor Steuern von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf voraussichtlich 890 Millionen Euro 2008. Die Dividende wird um zwei Drittel auf 50 Cent gekürzt. Der Aktienkurs brach zeitweise um den Rekordwert von 38,6 Prozent ein. Zum Schluss notierte die Aktie um 32,9 Prozent niedriger bei 22,49 Euro. "Brutaler kann ein Misstrauensvotum nicht ausfallen", sagte ein Händler. Die Kanzlei Nieding Barth will nun Schadensersatzansprüche der Anleger gegen die HRE prüfen.

Abschreibung ein herber Rückschlag
Für Funke ist die Abschreibung ein herber Rückschlag. Erfolgreich steuerte der 52 -Jährige die Herauslösung der Immobilienbank aus der HypoVereinsbank, erfolgreich platzierte er sie als die Nummer zwei nach der Eurohypo in Deutschland und krönte seine Karriere mit dem Kauf der Depfa Bank im Oktober - ein Deal, der in einem widrigen Marktumfeld zustande kam.

Bilanzielle Spielraum im vierten Quartal ausgeschöpft
Dennoch hatte die Bank ihr Subprime-Risiko im zweiten Halbjahr noch als marginal beschrieben. Eine Abschreibung von vier Millionen Euro im dritten Quartal musste den Wirtschaftsprüfern von KPMG nach Darstellung von Finanzvorstand Markus Fell förmlich abgetrotzt werden, da keine größeren Verluste erkennbar gewesen seien. Um Abschreibungen zu vermeiden, hatte die Bank zudem Wertpapierpositionen aus dem Bilanzposten "Halten bis Endfälligkeit" umgebucht in den Posten "zum Verkauf bestimmt" und in einer Neubewertungsrücklage mit 265 Millionen Euro gegen das Eigenkapital verrechnet. Im vierten Quartal freilich war der bilanzielle Spielraum ausgeschöpft. Nun muss der Verlust über die Erfolgsrechnung realisiert werden.

"Mangelhafte Kommunikation" schadet
Obwohl der Schaden im Vergleich zu den teils zweistelligen Milliardenbeträgen der Konkurrenz begrenzt und für die Bank nicht bedrohlich ist, dürfte ihr die "mangelhafte Kommunikation" schaden. "Man kann nicht ständig sagen, da ist nichts, wenn man diese Geschäfte über eine eigens darauf spezialisierte Tochter führt", sagte ein Marktteilnehmer.

Collineo Tochter der HRE
Tatsächlich hat die HRE eine Tochter namens Collineo mit Sitz in Dortmund und New York, die sich in ihrer Eigenwerbung dafür rühmt, als "führender europäischer Marktteilnehmer" unter anderem bei Investitionen in CDO auf verbriefte Hypothekenkredite in Europa und den USA "bekannt" zu sein - also genau in jenem Marktsegment, von dem es bei der Hypo stets hieß, sie habe dort "nichts".

Weitere Wertberichtigungen nicht auszuschließen
Insgesamt, so Fell, habe die Bank 40 CDO, in die eine Milliarde Euro investiert seien. Nur zwei davon seien leistungsgestört. Durch die Abschreibung seien alle erkennbaren Risiken im Verbriefungsengagement der Bank berücksichtigt worden. Ob weitere Wertberichtigungen nötig seien, hänge von der Marktentwicklung ab, sagte Fell.

"Personelle Konsequenzen Sache des Aufsichtsrat"
Fast trotzig stellte sich Funke vor sein Management. Dieses habe in einem äußerst schwierigen Umfeld "fehlerfrei" agiert und eine "hervorragende Arbeit" geleistet. Die Kritik stachele seine Streitlust an. "Ich mache nicht den Aktienkurs, ich mache das Geschäft. Und das ist gut gelaufen", sagte Funke. Zu personellen Konsequenzen wegen der zumindest für den Markt überraschenden Abschreibung äußerte sich Funke nicht. "Das ist Sache des Aufsichtsrats", sagte er. Bei nüchterner Betrachtung müssten auch die Aktionäre einsehen, dass die Kürzung der Dividende für sie besser sei als die Alternative: eine Kapitalerhöhung, die nur ihre Anteile verwässern würde. Funke selbst allerdings sowie auch Fell und Vorstandskollege Frank Lamby haben offenbar weiterhin Vertrauen in die Aktie: Sie kauften am Dienstag Papiere im Wert von zusammen 590.000 Euro.

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