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Werksschließung bei Nokia: Handyhersteller lehnt Gespräche mit Jürgen Rüttgers ab


Nokia  

Keine Rettungschance für Nokia-Standort

17.01.2008, 13:52 Uhr | dpa-AFP / T-Online, t-online.de

Bochumer Nokia-Werk vor dem Aus  (Foto: ddp)Bochumer Nokia-Werk vor dem Aus (Foto: ddp) Keine Hoffnung für die Bochumer Nokia-Beschäftigten: Der finnische Handy-Weltmarktführer schließt Verhandlungen über eine Weiterführung seines deutschen Werkes mit 2300 Beschäftigten aus. Das sagte Unternehmenssprecherin Arja Suominen in Helsinki zu entsprechenden Rettungsversuchen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers . "Wir haben sehr sorgfältige Analysen der Kosten und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Bochumer Werkes durchgeführt. Die Entscheidung zur Schließung ist genau durchdacht", betonte Suominen.

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Nokia schockte ganz Nordrhein-Westfalen
Gestern hatte der finnische Handyhersteller Nokia die Öffentlichkeit mit der Nachricht über die Schließung seines Werks in Bochum schockiert. Das rief zahlreiche Politiker, wie zum Beispiel den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, auf den Plan. Rüttgers forderte Nokia zu direkten Gesprächen über die Fortführung der Produktion in Bochum auf. Doch die Finnen gaben Rüttgers einen Korb und bleiben bei ihrer Entscheidung. Unterdessen pocht Rüttgers weiter auf eine Erklärung, "wenn Nokia meint, die Entscheidung sei so klar, werden sie uns das erklären können", sagte Rüttgers.



Betriebsrat schließt Streiks nicht aus
Die Arbeit im letzten deutschen Handywerk lief unterdessen am Donnerstag wieder an. Arbeitsniederlegungen sind zunächst nicht geplant. Der Betriebsrat beschloss, die Leiharbeiter wieder herein zu lassen, da die Firmenleitung Engpässe bei der Produktion befürchtete. "Bevor wir alles kaputt schlagen, wollen wir nochmals mit Finnland reden", sagte die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach. Sollte Nokia aber zu keinen Gesprächen bereit sein, drohen Betriebsrat und IG Metall mit Arbeitsniederlegungen.

Nokia will mit Betriebsrat reden
Der Geschäftsführer von Nokia in Deutschland kündigte für die kommende Woche Gespräche mit dem Betriebsrat an. Es solle beraten werden, was für die Mitarbeiter in Bochum getan werden könne. "Dabei wird es sicher auch um Abfindungen und die Gründung einer Auffanggesellschaft gehen", sagte Goll der "Bild"-Zeitung. Ziel sei, so viele Mitarbeiter wie möglich in neue Jobs bei anderen Firmen in der Region unterzubringen. Über Sozialpläne will die Arbeitnehmerseite derzeit aber nicht reden. Sie plant kommenden Dienstag eine Großdemonstration.

Bundesregierung will Gespräche mit Nokia
Trotz der Absage an NRW-Ministerpräsident Rüttgers will die Bundesregierung bei einem Treffen mit dem Nokia -Management die angekündigte Schließung des Bochumer Werks erörtern. Es sei ein Treffen verabredet worden, das in Kürze in Berlin stattfinden werde, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte. Daran würden "hohe Entscheidungsträger von Nokia" und die nordrhein- westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben teilnehmen. Die Bundesregierung gehe ohne Vorbedingungen oder Forderungen in das Gespräch.

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Scholz wirf Nokia mangelnden Anstand vor
Unterdessen hat Bundesarbeitsminister Olaf Scholz den finnischen Handy-Hersteller Nokia wegen der angekündigten Werksschließung in Bochum kritisiert. "Das ist nicht anständig", sagte Scholz der "Frankfurter Rundschau". "Wenn ein Unternehmen wie Nokia über Jahre in dem Werk gemeinsam mit den Beschäftigten Wohlstand schafft und weiter Gewinn macht, darf es nicht wegen eines minimalen Lohnkostenvorteils den Betrieb einfach aufgeben." Deshalb sei die Entscheidung des Weltmarktführers auch aus unternehmensstrategischen Gründen nicht nachvollziehbar.

Nokia wehrt sich gegen Vorwürfe
Nokia setzte sich unterdessen gegen den in Deutschland breit erhobenen Vorwurf des Subventionsbetrugs oder -missbrauchs zur Wehr. "Wir haben in den 90er Jahren 55,5 Millionen Euro direkt für den Umbau von Bochum von einer TV zu einer Handyfabrik erhalten und alle daraus erwachsenen Verpflichtungen erfüllt." Nokia müsse als Unternehmen immer auf die Erhaltung seiner langfristigen Wettbewerbsfähigkeit achten. Nokia-Sprecherin Suominen sagte dazu weiter: "Es ist so, dass nur ein profitables Unternehmen auf lange Sicht für seine Beschäftigten sorgen kann." Suominen wollte aber keine Zahlen zu der Frage nennen, um wie viel teurer Bochum gegenüber dem neuen Standort Cluj in Rumänien sowie den ebenfalls noch in Europa produzierenden Handy-Werken in Ungarn und Finnland ist.

Harsche Kritik im Bundestag
Im Bundestag ist der finnische Handy-Konzern derweil für sein Geschäftsgebaren harsch kritisiert worden. Das Verhalten von Nokia sei eine "Sauerei", sagte der Vize-Präsident des Bundestags, Hermann Otto Solms, in der Debatte um hohe Managergehälter. Der Fall Nokia zeige, dass staatliche Beihilfen falsch seien. "Die ganze Subventionitis hat doch zu nichts geführt", sagte Solms. Nokia hatte von Land und Bund fast 90 Millionen Euro Fördergelder für Bochum kassiert. Der CSU- Mittelstandsexperte Hans Michelbach warf Nokia Subventionsbetrug vor. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer fordert Konsequenzen für die Subventionspraxis in Deutschland. Mit Subventionen müsse sorgfältiger umgegangen werden. Ramsauer sprach mit Blick auf die Entscheidung des Konzerns von "Lumpereien" und "Investitions opping".

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