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Nokia-Chef Kallasvuo bricht Schweigen über Werksschließung in Bochum


Werksschließung  

Nokia-Chef bricht sein Schweigen

23.01.2008, 10:10 Uhr | dpa / AFP / T-Online, t-online.de

Olli-Pekka Kallasvuo (Foto: ddp) Nach zum Teil deutlicher Kritik in deutschen und finnischen Medien hat der Chef von Nokia, Olli-Pekka Kallasvuo, sein Schweigen in der Frage nach der Zukunft des Standorts Bochum in einem Interview mit dem "Handelsblatt" gebrochen. Dabei verteidigte der Vorstandschef die Pläne zur Schließung des Werkes, räumte jedoch Fehler in der Kommunikation des Beschlusses ein. Nokia will zum Sommer den Standort Bochum mit 2300 Beschäftigten schließen und die Produktion in erster Linie nach Rumänien verlagern.

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Kallasvuo: Lohnkosten zu hoch
In dem Interview nannte der Nokia-Chef für die Schließung insbesondere drei Gründe: "Die gesamten Kosten in Bochum im Verhältnis zum Output dort stimmen nicht mehr. Wir produzieren in Bochum etwa sechs Prozent aller unserer Handys. Dagegen steht aber Bochum für rund 23 Prozent unserer gesamten direkten Lohnkosten in den Fabriken." Zudem habe sich die Nachfrage verändert, erklärte Kallasvuo. "Wir müssen heute viel mehr und sehr unterschiedliche Modelle und Varianten gleichzeitig produzieren. Das bedeutet, dass der Arbeitskostenanteil steigen wird. Außerdem sind die Maschinen in Bochum mittlerweile alt und hätten erneuert werden müssen." Eine Teilschuld gab der Nokia-Chef zudem seinen Zulieferern. Das Unternehmen habe versucht, seine Zulieferer nach Bochum zu holen. "Aber sie wollten nicht", sagte der Nokia-Chef in dem Interview. "Eigentlich wären wir lieber dort geblieben, wenn es irgendwie möglich gewesen wäre".

 

Bilanzpressekonferenz findet doch statt
"Wir haben es nicht so gemacht, wie man es sich von uns hätte erwarten dürfen. Wir wollten das nicht so. Nein, ich muss sagen, wir hätten das viel besser machen müssen", sagte der Manager dem "Handelsblatt". Zudem kündigte er an, dass die Bilanzpressekonferenz des Unternehmens an diesem Donnerstag nun doch stattfinden wird. Noch am Montag eine solche Möglichkeit ausdrücklich ausgeschlossen. Kallasvuo reagierte mit dieser Entscheidung auf die Kritik an dem Beschluss, die Jahresbilanz des finnischen Mobilfunk-Konzerns lediglich in einer Telefonkonferenz für Analysten zu erläutern. Medien hatten dazu berichtet, dass Kallasvuo aus Angst vor der massiven Medienkritik wegen der geplanten Schließung die bisher in jedem Jahr übliche Pressekonferenz gestrichen habe. Das Unternehmen bestritt dies und erklärte, man habe sich schon im Dezember für eine "an den Interessen der Investoren orientierte Gestaltung der Bilanzveröffentlichung" entschieden.

Massiver Imageverlust
Innerhalb der Bevölkerung führen die Pläne Nokias trotz aller Erklärungsversuche zu massiven Protesten und offenbar auch zu einem Image-Verlust. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" wollen 56 Prozent der Bundesbürger wegen der Entscheidung des Konzerns künftig keine Nokia-Handys mehr kaufen. Für 34 Prozent hat die Werksschließung keinen Einfluss auf ihre Entscheidung beim nächsten Handy-Kauf. Zudem gaben 68 Prozent der Befragten an, dass das Ansehen des Unternehmens unter der umstrittenen Entscheidung gelitten habe. Für die Umfrage wurden in den Tagen nach der Ankündigung der Werksschließung rund 1000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger befragt. Am Dienstag hatten rund 15.000 Menschen für den Erhalt des bedrohten Standorts demonstriert. Auch rund 2000 Beschäftigte der drei Bochumer Opel-Werke schlossen sich dem Protestzug an.

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