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Indexfonds erfinden sich neu


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Indexfonds erfinden sich neu

30.08.2008, 14:29 Uhr | Financial Times Deutschland, t-online.de

Geld (Foto:Archiv)Geld (Foto:Archiv) Vergangene Woche hat die amerikanische Börsenaufsicht SEC der Investmentgesellschaft Powershares Capital Management die Erlaubnis erteilt, vier aktiv gemanagte börsennotierte Fonds (ETFs) auf den Markt zu bringen. Damit erhält Powershares, eine Tochter der Fondsgesellschaft Invesco, die erste Zulassung solcher neuartigen Produkte.

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Meilenstein für ETF-Branche
"Das ist ein wichtiger Meilenstein für die ETF-Branche" , sagt Bruce Bond, Präsident von Powershares. Deren Markenzeichen war bislang eigentlich, dass sie rein passiv sind. Damit steht die ETF-Branche vor einer Revolution. Denn bisher gehört die aktive Auswahl von Aktien, Anleihen oder Rohstoffen keineswegs ins Repertoire der eigentlich passiven Fonds. Allerdings haben sich ETFs bereits ohnehin davon gelöst, Indizes passiv eins zu eins abzubilden. Inzwischen gibt es in Deutschland bereits ETFs, die quantitativ arbeiten. Ein solcher quantitativer ETF nimmt Anpassungen strikt nach vorher festgelegten Regeln vor. Ein Management von Menschenhand findet hier noch nicht statt.

Grenze zwischen aktiven und passiven Fondsprodukten verschwimmt
Wirklich aktiv gemanagte ETFs gehen nun noch darüber hinaus und wählen auch einzelne Titel selbst aus. Damit beginnen die Grenzen zwischen aktiven und passiven Fondsprodukten immer mehr zu verwischen. ETFs, auch börsennotierte Indexfonds genannt, sind eigentlich wegen ihrer geringen Gebühren attraktiv. Ursprünglich orientierten sich die Fonds rein an einem Index, darum die niedrigen Kosten. Sie bilden die Indexwerte eins zu eins nach und schichten nur dann um, wenn sich die Zusammensetzung des Index ändert.

In den USA nutzen vor allem Profianleger ETFs
In den USA werden ETFs vor allem von Profianlegern genutzt. Zu den prominenten Befürwortern zählt auch der Chefanleger der Yale-Stiftung, David Swensen. Er rät vor allem Privatanlegern zu Indexprodukten - in erster Linie wegen hoher Kosten vieler gemanagter Fonds, die oft hinter dem jeweiligen Benchmark-Index zurückbleiben. Weltweit steckten etwa 600 Milliarden US-Dollar (rund 410 Milliarden Euro) in passiven Fonds. Das verwaltete Vermögen stieg zuletzt auch in Europa stark. Laut der Deutschen Bank steckten Ende 2007 europaweit etwa 89 Mrd. Euro in Indexfonds, fast 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Sprung nach Europa
Branchenbeobachter erwarten, dass neben Invesco nun rasch weitere Anbieter aktive ETFs auf den Markt bringen. Barclays Global Investors (BGI) und Bear Stearns würden an entsprechenden Produkten arbeiten, hieß es in US-Medienberichten. "BGI prüft zurzeit aktive ETFs. Aber wir sind noch nicht in der Lage, ein Produkt öffentlich anzukündigen", sagt Rory Tobin, Chef der europäischen ETF-Sparte von BGI (iShares). "Das wird sicherlich auch nach Europa kommen", sagt der Chef eines deutschen Anbieters.

Verschwommenes Konzept
ETFs, die quantitativ arbeiten, gibt es in Deutschland bereits. Dabei gehen Größen wie Umsatz, Buchwert, Dividende und Analystenempfehlungen in die automatisierte Auswahl ein. Entsprechende ETFs stammen von Lyxor und Invesco. Diese Produkte gelten jedoch noch nicht als aktiv. "Man muss aufpassen, was aktiv heißt. Alles, was ohne den Menschen steuerbar ist, passt in das ETF-Konzept", sagt Stefan Jaecklin, Direktor Kapitalmärkte der Beratungsgesellschaft Mercer Oliver Wyman.

Schwierige Unterscheidung
Die neuartigen ETFs, die selber eigene Anlageentscheidungen treffen, gehen jedoch deutlich darüber hinaus. Hier sind Experten in der Bewertung auch deutlich skeptischer. "Das Konzept verschwimmt ein wenig. In ein bis zwei Jahren wird es wahrscheinlich nicht mehr leicht sein, aktive ETFs von aktiven Investmentfonds zu unterscheiden", sagt Christian Michel, Fondsanalyst bei Feri Rating & Research. Die Frage ist, ob es wirklich ein passives Investment ist oder mehr ein quantitativer Ansatz."

Hohe Hürden für aktive ETFs
Zudem müssen die Investmentfirmen mit aktiven ETFs eine hohe Hürde nehmen. Sie müssen ihre Investments täglich veröffentlichen. Da macht die Aufsicht SEC keine Ausnahme. Daher müssen Gesellschaften wie Invesco bei den neuen Produkten auch ihre aktiven Anlageentscheidungen offenlegen - eine Einladung, das Konzept zu kopieren. "Es ist nicht so einfach, Transparenz zu gewährleisten", sagt Tobin von BGI. Sei die Durchsichtigkeit zu hoch, könne die Konkurrenz das Produkt nachbauen. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die ETF-Branche durch die Aufnahme aktiver Investments ihren Ruf als Kostenhüter zerstört.

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