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Euro, Gold und Ölpreis im Höhenflug - EU ist besorgt


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Euro, Gold und Ölpreis im Höhenflug - EU ist besorgt

23.04.2008, 11:52 Uhr | dpa/ T-Online - mmr, t-online.de

Euro wird zum Dollar immer stärker (Foto: ddp) Die Schieflage der US-Investmentbank Bear Stearns hat am Freitag die Märkte schockiert und Euro und Gold wieder auf Rekordhöhen getrieben. Der Goldpreis knackte erstmals die Marke von 1000 Dollar je Feinunze, der Euro erreichte den nächsten Höchstwert mit 1,5683 Dollar. Auslöser war die Nachricht, dass Bear Stearns vom Konkurrenten J.P. Morgan gestützt werden muss. Die EU zeigte sich sehr besorgt über die Dollar-Schwäche.

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Aussicht auf weitere Zinssenkung in den USA drückt Dollar
Zu der Euro-Rekordfahrt hieß es von Experten, die Aussicht auf weiter fallende Zinsen in den USA gebe der europäischen Währung immer neuen Auftrieb. Der Markt rechne fest mit einer weiteren Zinssenkung der US-Notenbank um 0,5 Prozentpunkte in der kommenden Woche, sagte der Devisen-Experte Philip Wee von der DBS Bank. Zudem gebe es "eine ganze Menge von Unsicherheiten" über die weitere Entwicklung der US- Wirtschaft.
EU sorgt sich sehr
Die EU zeigte sich in beispielloser Weise beunruhigt über die Dollar-Schwäche. "Wir machen uns Sorgen", sagte der luxemburgische Premier- und Finanzminister Jean-Claude Juncker nach Abschluss des EU-Gipfels. Es war das erste Mal, dass sich die EU-Staats- und Regierungschefs in solch deutlichen Worten zu Wechselkursen äußern. Juncker wies auf eine frühere Erklärung der Euro-Finanzminster hin, wonach übermäßige Wechselkurs-Schwankungen für das Wirtschaftswachstum unerwünscht sind. Über mögliche Interventionen an den Finanzmärkten, beispielsweise zur Stützung des Dollars, wurde bei dem Gipfeltreffen nicht gesprochen. "Wir haben nicht über Intervention gesprochen, denn die Gelegenheit bot sich nicht", sagte Juncker. Die Eurozone ächzt mit eine Jahresrate von 3,3 Prozent im Februar unter der höchsten Inflation seit Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999.

Nervöser Devisen-Handel
"Der Devisenhandel ist weiter sehr sprunghaft und nervös", sagte Eric Goerke von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am Donnerstag. Selbst Daten aus der zweiten Reihe sorgten derzeit für kräftig Kurssprünge. So hätten einige Marktteilnehmer nach überraschend robuste Daten zur Industrieproduktion aus der Eurozone den Euro um einen halben Cent in die Höhe getrieben. Durch die robusten Daten ist anderen Händlern zufolge eine Zinssenkung in der Eurozone etwas weiter in die Ferne gerückt.



Keine Entspannung in Sicht
"Tagessprünge von einem Cent und mehr sind derzeit eher die Regel", sagte Goerke. Die Ankündigung einer milliardenschweren Finanzspritze zur Minderung von Spannungen an den Geldmärkten unter Führung der US-Notenbank hatte den Dollar am Dienstag nur vorübergehend gestützt. "An den grundlegenden Problemen in den USA hat sich damit nichts verändert", sagte Goerke. Eine durchgreifende Entspannung zeichne sich nicht ab. Es bestehe vielmehr die Gefahr, dass alte Fehler wiederholt würden, und die Lösung der Finanzkrise zu einer neuen Blase führe.



Dollar zum Yen auf niedrigstem Stand seit zwölf Jahren
Die Stärke des Euro ist eigentlich eine US-Dollar-Schwäche. So ist der Dollar zum japanischen Yen auf den niedrigsten Stand seit gut zwölf Jahren gefallen. Erstmalig seit Ende 1995 kostete der Dollar am Donnerstag weniger als 100 Yen. Zeitweise sank der Dollar auf bis zu 99,75 Yen. Zuletzt kostete ein Dollar 100,90 Yen. In der großen Exportnation Japan wächst die Besorgnis vieler Unternehmen, dass der schwache Dollar die Gewinne stärker beeinträchtigen könnte.

Dollar-Schwäche pusht Öl-Preise
Wegen der sich abkühlenden US-Konjunktur dürfte die US-Notenbank die Leitzinsen weiter senken. Diese Aussicht auf weiter sinkende US-Zinsen macht Anlagen im Dollar-Raum für Nicht-Amerikaner weniger attraktiv. Andererseits werden in Dollar gehandelte Waren günstiger - etwa Rohöl. So ist es kein Wunder, dass der US-Ölpreis seine Rekordjagd der vergangenen Wochen fortsetzt. Am Donnerstag erreichte der Preis die Marke von 111 Dollar. Später notierte der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wieder unter 110 Dollar. Rohöl der Nordseesorte Brent kletterte zeitweise über 107 Dollar.

Verbraucher - Auswirkungen der hohen Ölpreise
Übersicht -

Fundamentaldaten werden ignoriert
"An den Ölmärkten werden die fundamentalen Daten zu Angebot und Nachfrage schlichtweg ignoriert", sagte der Rohstoffexperte Jan Lambregts von der Rabobank. Nach wie vor würden große Fondsgesellschaften die Ölmärkte als eine lukrative Anlagemöglichkeit nutzen. "Offensichtlich suchen riesige Kapitalmengen derzeit nach einer geeigneten Parkmöglichkeit", sagte Lambregts weiter. "Rohöl hat sich eben als eine besonders attraktive Anlage-Alternative für die großen Investoren entwickelt." Die Dollar-Schwäche und die Aussicht auf weiter sinkende Zinsen in den USA dürfte die Rekordjagd an den Ölmärkten auch in den kommenden Tagen weiter anheizen.

Wann platzt die Spekulationsblase?
Seit Wochen sprechen Rohstoff-Experten immer wieder von einer Spekulationsblase an den Ölmärkten. "Die aktuelle Preisrallye hat nichts mehr mit Angebot und Nachfrage zu tun", sagte ein Analyst. Mit Blick auf immer neue Rekordwerte wiederholen Rohstoff-Experten fast schon gebetsmühlenartig, dass die aktuellen Preise in keinem Verhältnis zur Nachfrage auf den Weltmärkten stehen. So versicherte der Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank, dass die Fundamentaldaten in den kommenden Wochen die Ölpreise wieder nach unten drücken werden.

Feinunze Gold über 1000-Dollar-Marke
Gold verteuerte sich am Nachmittag bis auf 1003,60 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Unsicherheit um die Aussichten der US-Wirtschaft fließt immer mehr Kapital in den Goldmarkt.

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