Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Aktien >

Wenn die Angst Regie führt


Börsen-Kommentar  

Wenn die Angst Regie führt

16.03.2008, 13:15 Uhr | dpa-AFX/ Börsen-Zeitung, t-online.de

Händler an der Börse (Foto: Katja Lenz)Händler an der Börse (Foto: Katja Lenz) Zwei Worte reichen aus, um das aktuelle Geschehen an den Finanzmärkten zu beschreiben: schiere Angst. Niemand kann den Marktteil-nehmern derzeit einen Vorwurf daraus machen, dass sie die stark gedrückten Kurse am Aktienmarkt nicht zum Einstieg nutzen, obwohl der DAX beinahe wieder die Tiefen vom Januar erreicht hat.

Nachrichten werden immer beunruhigender
Denn die Flut negativer Nachrichten über die Finanzkrise, die längst über den engeren Subprime-Bereich hinausgewachsen ist, reißt einfach nicht ab. Im Gegenteil: Die Nachrichten werden immer beunruhigender. Kaum hatten die Anleger die existenzgefährdende Situation der Carlyle Capital Corp. verarbeitet und die Nerven hatten sich auch wieder ein wenig beruhigt, wurde ihnen zum Wochenschluss klargemacht, dass sich das System bereits am Rande der Katastrophe bewegt. Eine Wall-Street-Größe wie Bear Stearns benötigt bereits finanzielle Hilfe seitens J.P.Morgan und der New Yorker Fed. Kein Wunder, dass für eine Feinunze Gold jetzt mehr als 1000 Dollar zu zahlen sind.

Hintergrund Finanzkrise - Alles auf einen Blick
Finanzkrise - Es gibt auch Gewinner
Ratgeber - Welche Anlagen in turbulenten Börsenzeiten sicher sind 
Marktbericht - Was DAX und Dow Jones machen

Schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg
Doch nicht nur die Frage, welche Leichen die Finanzindustrie noch im Keller hat, lähmt derzeit die Marktakteure. Wie schlimm werden die realwirtschaftlichen Auswirkungen einer Finanzkrise sein, von der gesagt worden ist, dass sie die Schlimmste in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg ist? Dass die USA bereits in der Rezession sind, bezweifelt kaum noch jemand. Die lange Kette enttäuschender Konjunkturdaten, darunter zuletzt die Einzelhandelsumsatzzahlen, spricht eine deutliche Sprache.

Euroland wird sich kaum abkoppeln können
Dem langjährigen Bullenmarkt droht das Fundament wegzubrechen. Denn er speiste sich aus einem spektakulären Anstieg der Unternehmensgewinne. In einem bereits fortgeschrittenen Stadium des Zyklus stoßen diese jedoch seit Sommer 2007 auf durch die Subprime-Krise deutlich verstärkten Gegenwind. Sich verabschieden müssen die Akteure wohl auch von dem Gedanken, dass es anderen Regionen und insbesondere Euroland gelingen kann, sich von der US-Schwäche abzukoppeln. Dagegen spricht allein schon der Sturz des Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit des Euroraums erheblich beeinträchtigt. Dabei ist die Währung nur einer von mehreren Faktoren, die die Profitabilität belasten. Hinzu kommt die Hausse der Rohstoffe, insbesondere des Ölpreises, auch wenn der feste Euro die Folgen hier ein wenig abmildert.

Kapitalkosten steigen erheblich
Außerdem gibt es eine direkte Auswirkung der Kreditkrise. Es wird für die Unternehmen immer schwieriger, sich Kapital zu beschaffen, weil Banken und Investoren immer restriktiver werden. Vor allem aber sind die Risikoaufschläge geradezu explodiert, was die Kapitalkosten erheblich in die Höhe treibt. Ein Beispiel: Verglichen mit der Phase extrem niedriger Spreads, die noch bis vor weniger als einem Jahr bestand, muss eine Triple-B-Adresse für eine Anleihe im Umfang von 100 Mill. Euro jetzt eine jährliche Zinslast zwischen 1,7 und 2 Mill. Euro zusätzlich schultern.

Schnäppchenjägern juckt's in den Fingern
Dem oft bemühten Rothschild-Satz: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" folgend, könnten die Mutigen nun versucht sein, den Einstieg in Dividendentitel zu wagen. Schließlich erreichen Aktienkurse dann ihr Tief, wenn die Nachrichtenlage am schwärzesten erscheint. Auch ist die Bewertung beispielsweise deutscher Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis des DAX auf Basis der Schätzungen für nächstes Jahr von 10 bereits so niedrig, dass auf dem aktuellen Kursniveau selbst bei substanziellen Reduzierungen der Ergebnisprognosen noch eine günstige bis moderate Bewertung vorliegen würde. Zahlreiche Einzeltitel sind bereits derart heruntergeprügelt worden, dass es dem passionierten Schnäppchenjäger in den Fingern jucken muss.

Aber weitere Kursrückschläge möglich
Engagements am Aktienmarkt sollten jedoch allenfalls in begrenztem Umfang und auch nur sehr selektiv eingegangen werden. Denn ein Markt, in dem die Angst Regie führt, ist auch auf bereits sehr stark gedrücktem Niveau noch für kräftige weitere Kursrückschläge gut. Außerdem muss der Bear-Stearns-Schock noch lange nicht das letzte Wort gewesen sein.

Mehr zum Thema Börse
Marktberichte: Deutschland | Europa | Wall Street
Chart-Analyse - Aktuelle technische Signale bei Aktie oder Index
Kurs-Listen - Deutschland | Europa | Welt

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal