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Börsen & Märkte: Alan Greenspan sieht schwerste Finanzkrise seit 1945


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Greenspan: Schwerste Finanzkrise seit 1945

17.03.2008, 19:33 Uhr | dpa/ T-Online - mmr

Ex-US-Notenbank-Chef Alan Greenspan (Foto: imago)Ex-US-Notenbank-Chef Alan Greenspan (Foto: imago) Die Vereinigten Staaten erleben nach Einschätzung des früheren Notenbankchefs Alan Greenspan derzeit die schwerste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Krise werde "wahrscheinlich im Nachhinein als schlimmste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bewertet werden", schrieb Greenspan in einem Beitrag für die "Financial Times" vom Montag. Die Krise werde vorüber sein, wenn sich die Immobilienpreise stabilisierten und damit der Preis für Finanzprodukte, die an Hypothekendarlehen gekoppelt sind.

IWF: Zentralbanken haben Lage im Griff
Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, warnte vor einer weiteren Verschärfung der Krise. Die Finanzkrise sei derzeit schlimmer als vor einigen Wochen, sagte er bei einer Tagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Bislang hätten die Zentralbanken der Länder "das Problem der Liquidität" aber gut im Griff gehabt. Er sehe deshalb "keinen Grund" für die Annahme, dass sie den Märkten nicht die nötigen flüssigen Mittel geben könnten, sagte er. Er glaube nicht, dass die Zentralbanken "sich zusammentun und einschreiten" müssten.

Bundesregierung warnt vor Panik
Auch die Bundesregierung warnte vor einer Panik. Es gebe aktuell "überhaupt keine Anzeichen", dass sich aus der jüngsten Entwicklung zusätzliche Belastungen für den deutschen Finanzmarkt ergeben könnten, sagte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Montag in Berlin. Vize- Regierungssprecher Thomas Steg ergänzte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die EU-Staats- und Regierungschefs verfolgten die Entwicklung sehr genau. Sondertreffen internationaler Gremien wie der G7 seien derzeit nicht vorgesehen. Das Wirtschaftsministerium wies daraufhin, dass Auftragsbestand und Kapazitätsauslastung der Firmen weiterhin sehr hoch seien. Die Regierung rechne unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr.

Aktienkurse stürzen ab (Foto: Archiv)Aktienkurse stürzen ab (Foto: Archiv) Aktienmärkte rauschen abwärts
Trotz aller beschwichtigender Worte sacken die meisten deutschen Aktien am Montag ab. Belastet von den Ängsten vor einer Ausweitung der Finanzkrise fällt der DAX bis zum Xetra-Schluss um 4,2 Prozent auf 6182 Punkte. Der MDAX gibt um satte 5,4 Prozent auf 8193 Punkte nach. Für den TecDAX geht's um 5,2 Prozent abwärts auf 694 Zähler.

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US-Diskontsatzsenkung schwächt US-Dollar weiter
Der Bund-Future als Anleihen-Barometer profitiert mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 118,24. Auch Gold fungiert als "Flucht-Hafen". Der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 gr.) steigt zwischenzeitlich bis auf 1030 Dollar, steht am späten Nachmittag aber mittlerweile wieder deutlich tiefer bei 1007 Dollar. Der Euro-Kurs ist nach der überraschenden Diskontsatzsenkung der US-Notenbank am Montag einen neuen Rekordstand gesprungen. Zeitweise kostete der Euro in der Nacht zum Montag 1,5903 US-Dollar. Nun wird die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,5745 Dollar gehandelt.

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Weitere Zinssenkungen wahrscheinlich
Die überraschende Diskontsatzsenkung der US-Notenbank und die anhaltende Finanzkrise in den USA hatten den Dollar weiter unter Druck gebracht, sagten Händler. Die US-Notenbank (Fed) hatte am Sonntag überraschend den Diskontsatz um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der Satz, zu dem sich Banken bei der Fed Liquidität verschaffen können, liegt nunmehr bei 3,25 Prozent. Zum japanischen Yen sank der Dollar auf 95,72 Yen und erreicht damit den niedrigsten Stand seit gut zwölf Jahren. Beobachter erwarten jetzt, dass die US-Notenbank den Leitzins am Dienstag um 0,75 Prozentpunkte auf dann 2,5 Prozent senken wird.

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Vertrauen der Marktteilnehmer schwindet weiter
"Was die Fed gemacht hat, war eindeutig eine Notmaßnahme, um eine der größten US-Investmentbanken vor dem Kollaps zu bewahren", sagte ein Analyst. Allerdings habe damit der Interbanken-Geldmarkt weiteren Schaden genommen - das Vertrauen schwinde weiter. "Solange die Risiken nicht transparent gemacht und alle möglichen Abschreibungen offengelegt werden, helfen die Maßnahmen der Fed nicht". Das Grundübel sinkender Hypothekenpreise und die dadurch mangelnde Kapitalausstattung derer, die diese Hypotheken in den Büchern haben, sei noch nicht beseitigt. "Und mit einer Rezession im Rücken wird es auch schwierig, hier zu einer schnellen Lösung zu kommen. Viel mehr, als weiterhin Liquidität in den Markt zu pumpen, kann eine Zentralbank hier nicht machen", so der Experte.

J.P. Morgan übernimmt Bear Stearns für 2 Dollar pro Aktie
Wie am Sonntag bekannt wurde, übernimmt die drittgrößte US-Bank J.P. Morgan Chase die ins Trudeln geratene Investmentbank Bear Stearns. Der Kauf soll über einen Aktientausch erfolgen, teilte J.P. Morgan Chase in der Nacht mit. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten dem Vorschlag zugestimmt. Man sei bereit, Bear-Stearns-Anteile gegen 0,05473 eigene Aktien zu tauschen. Auf Basis des Schlusskurses vom vergangenen Freitag (30 Dollar) ergebe dies einen Preis von rund 2 Dollar pro Aktie. Die Aktien stürzen am Montag entsprechend in die Tiefe. Bear Stearns ist das bisher prominenteste Opfer der Finanzkrise.

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Wirtschaftsprofessor: "Amerika muss seine Banken verstaatlichen"
Die Beinahe-Pleite der fünftgrößten Investmentbank Amerikas verstärkt die Vertrauenskrise zwischen den Banken - aus der es keinen echten Ausweg zu geben scheint. So ist es kein Wunder, dass Experten wie Norbert Walter von der Deutschen Bank vor einer nachhaltigen, lang anhaltenden Rezession warnen. Die Schwächephase werde länger andauern, als derzeit viele denken, sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV. Und der renommierte US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini prognostizerte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sogar einen möglichen Zusammenbruch des US-Bankenmarktes. "Etliche Banken werden einfach zusammenbrechen, wenn wir sie nicht verstaatlichen. Oder wenn die Regierung jetzt nicht ihre faulen Kredite aufkauft - zu Preisen, die weit über den Marktpreisen liegen", so Roubini.

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