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Finanzkrise bedroht Jobs in Deutschland


Konjunktur  

Finanzkrise bedroht Jobs in Deutschland

20.03.2008, 19:51 Uhr | dpa-AFX / jgr / T-Online, t-online.de

Aktienkurse stürzen ab (Foto: Archiv)Aktienkurse stürzen ab (Foto: Archiv) Die schweren Finanzmarkt-Turbulenzen, die die Börsen weltweit nach unten rissen, könnten bald in Deutschland die Konjunktur belasten und sogar Jobs kosten. Das befürchten Experten. Weltweit, auch in China, sind Politiker und Wirtschaftsfachleute sehr besorgt über die Krise.

Euro immer stärker
Ein Folgeproblem der Finanzkrise ist der schwache Dollar. Die US-Notenbank pumpt derzeit viel Geld in den Markt, damit die Banken liquide bleiben. Das erhöht aber die Inflationsrate in den USA, senkt – wunschgemäß – die Zinsen, führt aber dazu, dass Kapital abwandert und woanders bessere Ertragschancen sucht. Dadurch fällt der Dollarkurs – zum Beispiel im Vergleich zum Euro. Der steigt und steigt.

RWI befürchtet Jobabbau
Während die Deutsche Bundesbank davon ausgeht, dass die Wirtschaft dies noch ganz gut verkraftet, fürchten andere, dass die deutsche Wirtschaft sehr wohl bald darunter leiden wird. So befürchtet das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) einen Jobabbau in der Industrie.

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"Entlassungen oder Betriebsverlagerungen drohen"
"Wenn sich die Wechselkurse nicht bald wieder dramatisch ändern, kann man davon ausgehen, dass in der Industrie wieder Entlassungen oder Betriebsverlagerungen drohen", sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn der "Rheinischen Post". Im Moment lebten die Firmen noch von vollen Auftragsbüchern. Neue Aufträge einzuwerben, sei bei den gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen allerdings schwieriger. "Das erzwingt Kostensenkungen", sagte Döhrn.

Wettbewerbsfähigkeit leidet
Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befürchtet, dass die Rekordjagd des Euro im Zuge der Finanzmarktkrise zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Konjunktur in Deutschland bedroht. BDI-Präsident Jürgen Thumann sagte der „Berliner Zeitung“: „Die neuen Rekordstände beim Euro entwickeln sich zu einer Belastung für die deutsche Konjunktur“.

Exportdynamik schwächt sich ab
Auch Thumann verweist auf die noch gut gefüllten Auftragsbücher, die Produktion sei auch für die nächsten Monate gesichert. „Allerdings wird sich die Exportdynamik in diesem Jahr abschwächen“, sagte Thumann: „Es ist die Gemengelage von Dollarschwäche, steigenden Ölpreisen, nachlassender US-Konjunktur und Finanzkrise, die den Firmen zunehmend zu schaffen macht.“

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"Erträge geraten unter Druck"
Der BDI-Präsident weist darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen insbesondere im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und in der Luft- und Raumfahrt leide. „Die Erträge geraten unter Druck“, warnte er.

"Für Zinssenkungen kein Spielraum"
Von der Europäischen Zentralbank erwartet der BDI kaum Entlastung: „Der EZB sind wegen der gestiegenen Preisrisiken die Hände gebunden“, sagte Thumann. „Für Zinssenkungen gibt es derzeit keinen Spielraum.“ Man müsse daher alles vermeiden, was die Inflation anheize. Hier seien auch Tarifpartner und Politik in der Verantwortung.

Selbstheilungskraft versagt
Die Krise wird nach Ansicht des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann noch eine Weile anhalten. Ackermann glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Ackermann rief zu gemeinsamen Aktionen von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen in die globalen Finanzmärkte wiederherzustellen.

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"Krise bis weit ins Jahr 2009"
Auch der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter glaubt nicht an ein baldiges Ende der Finanzkrise. Sie werde bis weit ins Jahr 2009 anhalten, sagte Walter den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Vor Ende 2009 werden die Turbulenzen nicht zu Ende sein“ und fügte hinzu: „Wir brauchen die Neuordnung und eine Neubesinnung auch bei den Regulatoren der Finanzmärkte“.

"Neustrukturierung im Finanzsystem"
Der Chefvolkswirt des Allianz/Dresdner-Bankkonzerns, Michael Heise, rechnet damit, dass die anhaltende Krise zu einer tiefgreifenden Neustrukturierung im Finanzsystem führen wird. „Wir müssen damit rechnen, dass eine nachhaltige Bereinigung und Konsolidierung im Finanzsystem stattfindet“, sagte Heise der „Berliner Zeitung“ und verwies auf den Notverkauf der US- Investmentbank Bear Stearns. „Die Kredithebel, die im Finanzsystem in den letzten Jahren entstanden sind, werden gewaltig zurückgefahren. Das ist eine notwendige Korrektur.“ Dieser Prozess werde länger dauern.

Auch China betroffen
Besorgnis auch in China. Dort ist man laut Ministerpräsident Wen Jiabao „zutiefst beunruhigt“ über die weltweite Wirtschaftsentwicklung. Chinas Wirtschaft stehe vor einem „großen Test“, sagte Wen Jiabao bei einer Pressekonferenz zum Abschluss der diesjährigen Tagung des Volkskongresses in Peking. Die Ökonomie des Landes sei heute eng mit der Weltwirtschaft verwoben. Globale Schwankungen würden sich deshalb unweigerlich auf China auswirken. „Ich frage mich, da der US-Dollar kontinuierlich an Wert verliert, wann er den Tiefpunkt in diesem Prozess der Abwertung erreicht, welche finanzpolitischen Maßnahmen die US-Regierung ergreift und in welche Richtung sich die US- Wirtschaft bewegt“, sagte Wen Jiabao.



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