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Lidl-Affäre: Discounter weist Vorwurf der Bespitzelung zurück


Lidl-Affäre  

Gewerkschaften fordern Lidl-Mitarbeiter zur Klage auf

27.03.2008, 17:56 Uhr | ots / dpa / AFP / T-Online, t-online.de

Kassenbereich von Lidl (Foto: dpa)Kassenbereich von Lidl (Foto: dpa) Gewerkschaften und Datenschützer haben den Discounter Lidl wegen seiner Überwachungspraktiken heftig kritisiert. Die Gewerkschaft Ver.di ruft bespitzelte Lidl-Mitarbeiter sogar zu Schadenersatzklagen gegen den Discounter auf. "Ich kann den betroffenen Lidl-Mitarbeitern raten, sich untereinander zu verabreden und gemeinsam zu Ver.di zu kommen. Möglicherweise könnte man dann Musterklagen gegen Lidl anstrengen", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende von Ver.di, Margret Mönig-Raane, gegenüber "stern.de".

Überblick - Auszüge der Lidl-Protokolle
Porträt - Lidl-Chef Dieter Schwarz

"Bespitzelung hat ein unglaubliches Ausmaß"
"Sofern sie Gewerkschaftsmitglieder sind, können sie von uns Rechtsschutz bekommen und Lidl auf Schadenersatz verklagen", sagte Möning-Raane und übte heftige Kritik an der vom „Stern“ aufgedeckten Mitarbeiterüberwachung. Es sei der extremste Fall, der ihr bekannt sei. "Diese Bespitzelung hat ein unglaubliches Ausmaß", so Möning Raane. "Das System Lidl leistet einen Offenbarungseid. Lidl ist nämlich unfähig, mit anständigen Methoden gute Geschäfte zu machen." Die Gewerkschafterin äußerte gegenüber dem Magazin den Verdacht, dass der Lidl-Vorstand diese "kriminellen Machenschaften" gebilligt habe.



Lidl weist Vorwürfe unterdessen zurück
Der Lebensmittel-Discounter Lidl hat den Vorwurf der gezielten Bespitzelung von Mitarbeitern zurückgewiesen, sich jedoch gleichzeitig für die vom "Stern" aufgedeckten Fälle entschuldigt. "Unser Ziel der Überwachung war stets nur die Verringerung von Diebstählen durch Mitarbeiter", sagte Jürgen Kisseberth von der Lidl-Geschäftsführung dem "Hamburger Abendblatt".

Entschuldigung der Geschäftsleitung
Die Daten, die die beauftragte Detektei über das Privatleben der Mitarbeiter in 219 Filialen des Konzerns notiert habe, hätten "keinerlei Konsequenzen für die Beschäftigten gehabt", fügte Kisseberth hinzu. Ihm seien "weder Entlassungen noch Abmahnungen bekannt." Als Konsequenz werde Lidl die Zusammenarbeit mit den beiden Detekteien beenden und auch zukünftig keine weiteren Aufträge dieser Art mehr erteilen, sagte Kisseberth am Vorabend gegenüber Reportern verschiedener Fernsehsender. "Es tut uns leid", sagte Kisseberth. "Wir können uns bei den betroffenen Mitarbeitern nur entschuldigen."

Versteckte Kameras filmten intime Details
Das Magazin "Stern" hatte berichtet, Lidl habe seine Mitarbeiter systematisch überwachen lassen. So sei in vielen Filialen protokolliert worden, welcher Mitarbeiter wie oft zur Toilette gehe oder wer mit wem womöglich ein Liebesverhältnis habe. Auch seien Aufzeichnungen zu den Fähigkeiten der Mitarbeiter sowie zu deren Charakter gemacht worden. Für die Überwachung hätten von Lidl beauftragte Detektive in den jeweiligen Filialen zwischen zehn und 15 Miniaturkameras installiert. Dem jeweiligen Filialleiter sei dabei erzählt worden, es gehe darum, Ladendiebe aufzuspüren. Tatsächlich hätten die Detektive aber detaillierte Notizen zu den Mitarbeitern gemacht.

Wollen Sie mehr über die Geschichte und Struktur des Konzerns erfahren? Mit einem Doppelklick auf das Wort "Lidl" öffnet sich ein kleines Fenster. Mit einem Klick auf "Wikipedia" finden Sie weitere Informationen zum Unternehmen aus der Online-Enzyklopädie.

Ver.di fordert Tarifvertrag
"Ich glaube einem so straff geführten Unternehmen nicht, das dieser Skandal auf einen Ausreißer einzelner Regionalbereiche zurückzuführen ist. Denn das ist der Stil dieser Unternehmensleitung." Möning-Raane forderte Lidl zudem auf, mit Ver.di einen Tarifvertrag abzuschließen und die Gründung von Betriebsräten zuzulassen. "Unsere Forderung an Lidl: Beweist, dass ihr es ernst meint." Die Gewerkschafterin spricht damit gezielt einen Punkt an, der von Ver.di seit langem kritisiert wird. Der Discounter steht ebenfalls unter Verdacht, die Gründung von Betriebsräten zu behindern. Als Beispiel wird eine Filiale in Calw angeführt, die von Lidl nach einem Warnstreik der Beschäftigten im Jahr 2005 geschlossen wurde.

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