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Münchner Transrapid wird nicht gebaut


Münchner Transrapid wird nicht gebaut

22.05.2012, 15:38 Uhr | dpa / AFP / T-Online, t-online.de

Computermodell der Transrapidstrecke (Foto: Imago)Computermodell der Transrapidstrecke (Foto: Imago) Der Bau der Magnetschwebebahn Transrapid in München ist gescheitert. Das Projekt sei nicht mehr finanzierbar, sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee am Donnerstag in Berlin. Das beteiligte Industriekonsortium, zu dem unter anderem Siemens gehört, hatte zuvor eine Explosion der Baukosten auf bis zu 3,4 Milliarden Euro berechnet. #

Schlechter Tag, nicht nur für den Transrapid
Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte, dies sei "ein schlechter Tag für den Technologiestandort Deutschland". Siemens-Chef Peter Löscher erklärte, die Industrie führe weiter Gespräche über den Export der Technologie. Die Bahn zeigte sich enttäuscht über das Ende des Projekts.

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Staatliche Beteiligung begrenzt
Tiefensee hatte sich am Donnerstag mit Beckstein und Industrievertretern zu einer Krisensitzung getroffen. Dabei legte das Konsortium, zu dem neben Siemens auch die Konzerne Hochtief, ThyssenKrupp, Max Bögl und Bilfinger Berger gehören, eine neue Berechnung der Baukosten zwischen 3,2 und 3,4 Milliarden Euro vor. Bis dahin waren 1,85 Milliarden Euro veranschlagt worden. Tiefensee und Beckstein erklärten, der Bund und der Freistaat Bayern seien zu einer Deckung der Kosten nicht in der Lage. Der Bund sei nicht bereit, seinen Maximalbeitrag von 925 Millionen Euro zu überschreiten, sagte Tiefensee.

Schuldzuweisungen beim Konsortium
Siemens-Chef Löscher wies die Schuld für den Kostenanstieg indirekt der Bauindustrie zu. Siemens und ThyssenKrupp hätten sich an die bisherigen Vorgaben gehalten. Deutschlands größter Baukonzern Hochtief wies eine Verantwortung für das Scheitern aber zurück. An der zu niedrigen Kostenschätzung aus dem Jahr 2004 sei man nicht beteiligt gewesen, betonte ein Unternehmenssprecher in Essen.

Kostenprobleme schon länger vermutet
Noch im vergangenen Jahr hatte die bayerische Landesregierung unter dem damals scheidenden Ministerpräsidenten Edmund Stoiber eine Einigung über den Bau der Magnetschwebebahn verkündet. Schon damals hatten aber Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesverkehrsminister Tiefensee ihre Vorbehalte deutlich gemacht. Sie wiesen schon damals daraufhin, dass die veranschlagten Baukosten für die Bahn deutlich höher liegen dürften als geplant.

Opposition sieht Schlappe für die CSU
Mit dem Aus für ihr Prestige-Projekt muss die CSU nach Ansicht der bayerischen Opposition eine weitere schwere Schlappe einstecken - und das sechs Monate vor der Landtagswahl. Die Partei hatte nach dem Führungswechsel zum neuen Spitzenduo aus Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein bereits bei den Kommunalwahlen Anfang März Verluste erlitten.

Bahn vom Aus enttäuscht
Die Deutsche Bahn hat das Scheitern bedauert. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sagte: "Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren." Die Bahn wäre nach den bisherigen Planungen der Betreiber der Magnetbahn-Strecke gewesen. Dass die Industrie kein Angebot "im bisherigen Budgetrahmen" habe darstellen können, sei enttäuschend, so Mehdorn.

Zukunftsprojekt auf dem Abstellgleis
Die Magnetschwebebahn sollte nach Vorstellungen der Befürworter ein Verkehrsmittel der Zukunft und ein Exportschlager werden. Bisher gibt es nur eine kommerzielle gut 30 Kilometer lange Strecke zum Flughafen von Shanghai in China. Andere Projekte waren im Gespräch, konkret in Planung war aber nur die umstrittene Trasse vom Münchner Hauptbahnhof zum Airport.

Schnell zum Flughafen
In München sollte der Transrapid mit einer Geschwindigkeit von bis zu 350 Stundenkilometern Hauptbahnhof und Flughafen mit einer mehr als 37 Kilometer langen Strecke verbinden. Je nach Streckenführung sollte er die Fahrzeit von derzeit 40 Minuten mit der S-Bahn auf 10 Minuten verkürzen.

Transrapid soll weiter exportiert werden
Ungeachtet des Scheiterns einer Transrapid-Strecke in Deutschland hoffen Politik und Wirtschaft weiterhin, die Technologie im Ausland auch außerhalb von China verkaufen zu können. Laut Tiefensee sieht auch die Industrie dafür durchaus Chancen.

Wollen Sie mehr über die Vorgeschichte und Technik des Transrapids erfahren? Mit einem Doppelklick auf das Wort "Transrapid" öffnet sich ein kleines Fenster. Mit einem Klick auf "Wikipedia" finden Sie weitere Informationen zur Magnetschwebebahn aus der Online-Enzyklopädie.

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